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Unternehmenskultur
Diskriminierung am Arbeitsplatz und Fachkräftemangel: So sieht Deutschlands Arbeitswelt aus
© So-arbeitet-Deutschland

Diskriminierung am Arbeitsplatz und Fachkräftemangel: So sieht Deutschlands Arbeitswelt aus

Michelle Winner | 01.09.20

Die Coronakrise hat gezeigt, dass Veränderungen des Arbeitsalltags möglich sind - doch altbekannte Probleme bestehen immer noch. Diese müssen endlich angegangen werden.

Regelmäßig wird in der So-arbeitet-Deutschland-Studie untersucht, was die Arbeitnehmer hierzulande bewegt. Dazu werden knapp 2.000 Beschäftigte aus einem Querschnitt aller Branchen befragt. Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass trotz der Coronakrise nicht nur Remote Work und Zukunftsängste die Arbeitswelt beschäftigen, sondern vor allem auch altbekannte Probleme wie Diskriminierung und Fachkräftemangel.

Gleichberechtigung ist ein Wunschdenken

91 Prozent der Befragten finden, dass Männer und Frauen im Job gleich behandelt werden sollten. Leider sieht die Realität immer noch anders aus. Von den befragten Frauen gaben 60 Prozent an, dass sie bei der Arbeit schon aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt wurden. Am schwersten wiegen hierbei die Bereiche Gehalt (52 Prozent) und Beförderung (31 Prozent). Hinzu kommt, dass insgesamt 47 Prozent der Befragten, unabhängig vom Geschlecht, glauben, dass Frauen nur zur Erfüllung einer Frauenquote eingestellt werden würden. Umgekehrt geben 66 Prozent der befragten Männer an, dass sie noch nie aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert wurden. Zudem wiegen die Bereiche, in denen sie benachteiligt wurden, anscheinend weniger schwer: 20 Prozent fühlten sich beim Thema Lob und Anerkennung benachteiligt, 15 Prozent bei der Projekt- und Aufgabenverteilung.

Das Gute ist, dass ein generelles Bedürfnis nach Chancengleichheit herrscht. 70 Prozent der Befragten sind jedoch der Meinung, dass Impulse dafür von den Arbeitgebern kommen müssen. Als Top-3-Maßnahmen gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz werden die folgenden genannt:

  1. Objektive Leistungsbewertungen (65 Prozent)
  2. Unternehmenskultur, die Chancengleichheit fördert (56 Prozent)
  3. Flexible Gestaltung des Arbeitsalltags (41 Prozent)

Markt wandelt sich durch Coronakrise

Während der Kampf um Talente in den letzten Jahren den Arbeitsmarkt beherrschte und die Arbeitnehmer am längeren Hebel saßen, wandelt sich dieses Verhältnis durch die anhaltende Coronapandemie wieder zugunsten der Arbeitgeber. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Fachkräftemangel vom Tisch ist. Nur elf Prozent der Befragten bemerken keinerlei Auswirkungen aufgrund fehlender Fachkräfte am Arbeitsmarkt. Der Rest ist sich bewusst, dass das Fehlen von Experten sich negativ auf die wirtschaftliche Situation auswirkt. Am meisten bemängelt werden das fehlende Wissen vieler Mitarbeiter (52 Prozent), die verminderte Arbeitsqualität (49 Prozent) und ein schlechteres Betriebsklima, das vermutlich aus den vorherigen Punkten resultiert (48 Prozent). Die Befragten zeigen sich jedoch auch offen gegenüber Lösungsvorschlägen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Als beste Maßnahmen angesehen werden:

  1. Integration von Quereinsteigern (49 Prozent)
  2. Ausbau des Angebots für Ausbildungsberufe (38 Prozent)
  3. Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit (36 Prozent)

Punkt 3 spricht ein aktuelles Problem an: Frauen wird es oft erschwert, nach der Elternzeit in den Beruf zurückzukehren. Diese Strukturen müssen aufgebrochen werden, um auch das Potenzial weiblicher Fachkräfte nutzen zu können, anstatt ihnen einen Riegel vorzuschieben. Quasi abgelehnt wird hingegen der Vorschlag zur Erhöhung des Renteneintrittsalters (nur vier Prozent sind dafür). Timo Lehne, Arbeitsmarktexperte und Geschäftsführer der S Three GmbH, erklärt zusätzlich:

Was in vielen europäischen Nachbarländern bereits sehr erfolgreich praktiziert wird, ist die Integration ausländischer Fachkräfte in den Binnenarbeitsmarkt. Hier schlummert bedeutendes ungenutztes Potenzial – das deutsche Unternehmen verstärkt nutzen sollten. Mehr noch: Wir dürfen es Fachkräften aus dem Ausland nicht erschweren, auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Während beispielsweise in den Niederlanden oder in Schweden die Unternehmenssprache meist bereits Englisch ist – und alle Unternehmensinformationen entsprechend ebenfalls in englischer Sprache zur Verfügung stehen – ist hier nach wie vor Deutsch die vorherrschende Business-Sprache.

Der Mensch steht im Mittelpunkt

Die Coronakrise hat großflächige Change-Prozesse ausgelöst und gezeigt, dass Konzepte funktionieren können, die sonst oft auf Ablehnung trafen – weil sie funktionieren mussten. Wenn Arbeitnehmer und -geber gleichermaßen bereit sind für Veränderungen; und Probleme des Arbeitsmarkts herausfiltern, können diese gezielt angegangen werden. Dass ein Bewusstsein für Probleme wie Fachkräftemangel und Diskriminierung herrscht, ist dabei eine gute Grundlage. Doch bis wirklich eine Veränderung eintritt, braucht es noch mehr Aufklärungsarbeit und mehr Bereitschaft zum Wandel.