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Unternehmenskultur
„Chef, ich hab meine Tage“ – Wieso die Menstruation auch am Arbeitsplatz Thema ist
© Josefin - Unsplash

„Chef, ich hab meine Tage“ – Wieso die Menstruation auch am Arbeitsplatz Thema ist

Michelle Winner | 17.12.19

Ein japanisches Unternehmen führt freiwillige Period Badges für Mitarbeiterinnen ein. Das Thema Periode soll so enttabuisiert werden und auch am Arbeitsplatz Beachtung finden.

Menstruation. Ein Wort für etwas völlig Natürliches, das vielen jedoch Gänsehaut beschert. Der weibliche Zyklus ist für viele ein Tabu-Thema und das nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt. So auch in Japan. Um die Periode zu enttabuisieren, hat sich dort eine Ladenkette etwas ganz Besonderes ausgedacht: Buttons, die kennzeichnen, dass eine Mitarbeiterin ihre Tage hat. Nach viel Lob und ebenso vielen Gegenstimmen will das Unternehmen die Idee nun noch einmal überdenken, wie BBC News berichtet.

Welchen Zweck hatte die Kennzeichnung?

Zunächst sei gesagt: die Buttons waren nicht verpflichtend und wurden freiwillig von den Angestelltinnen getragen. Hinzu kommt, dass die Idee zu der kuriosen Kennzeichnung aus Reihen der Mitarbeiterinnen stammt. Im Oktober wurden sie in der einer Filiale der Kaufhauskette Daimaru eingeführt. Betroffen von der Aktion waren die knapp 500 Mitarbeiterinnen der Frauenbekleidungsabteilung. Der Sinn der Aktion bestand darin, dass Frauen, die ihre Periode haben, längere Pausen machen durften oder zum Beispiel Unterstützung beim Heben schwerer Gegenstände bekamen. Das Ganze sollte zum einen also der Sensibilisierung für das Thema dienen. Zum anderen wurde es mit der Eröffnung einer neuen Abteilung verknüpft, die sich um das „Wohlergehen von Frauen“ kümmert. Auf den Buttons war auf der einen Seite das Maskottchen „Seiri-chan“ (seiri = Periode, Menstruation) zu sehen. Die Rückseite wies auf die Eröffnung der neuen Abteilung hin. Eine Sprecherin von Daimaru erklärt dazu, dass die Intention niemals darin bestand, Kunden über den Zyklus von Mitarbeiterinnen zu informieren. Es sollte lediglich das Arbeitsklima und kollegiale Miteinander verbessert werden.

Gute Idee, aber schlechte Ausführung?

Falsche Berichterstattungen behaupteten, es ginge bei der Aktion empfindliche Informationen der Mitarbeiterinnen mit Kunden und Kollegen zu teilen. Es wurde von Schikane und Bloßstellung gesprochen, wodurch es viel Kritik für Daimaru hagelte. Und auch einige Mitarbeiterinnen verweigerten sich der Aktion – was ihr gutes Recht war. Andere jedoch freuten sich über die Idee und trugen die Buttons. Hinzu kommt, das Daimaru lobende Anrufe von Kunden erhielt. Nichtsdestotrotz will die Geschäftsführung die Aktion noch einmal überdenken und optimieren. Denn der Hintergrund des Ganzen spielt dabei eine große Rolle. Wie erwähnt, ist das Thema Menstruation in Japan lange ein Tabu gewesen. Yuko Kato erklärt für die BBC News: Es wurde den Frauen in Notunterkünften nach Naturkatastrophen oft gesagt, es wäre verachtenswert nach Tampons zu fragen und sie sollten ihre Blutung doch einfach kontrollieren. Oder sie wurden gefragt: „Wie kannst du denn jetzt an Sex denken?“, basierend auf der Fehlannahme, das Einführen eines Tampons würde Frauen sexuell erregen.

Das Fass zum Überlaufen brachte jedoch eine Erhöhung der Verbrauchssteuer, die auch Menstruationsprodukte betraf. Daraufhin gab es einen Aufschrei innerhalb der weiblichen Bevölkerung und das Thema Periode wurde auf den Tisch gebracht. Sogar in Fernseh-Diskussionsrunden wurden sowohl Männer als auch Frauen dazu befragt und konnten einen Diskurs starten. In Anbetracht dessen wirkt Daimarus Idee tatsächlich weniger absurd. Und umso trauriger ist es, dass falsche Berichterstattungen ein schlechtes Licht auf eine eigentlich gutgemeinte Aktion warfen.

Periode während der Arbeit schränkt Frauen ein

Es ist wichtig eine Awareness für das Thema zu schaffen, so wie wir es jüngst in Deutschland selbst mitverfolgen konnten: Nach vielen Protesten und Diskussionen wurde die Mehrwertsteuer auf Binden und Co. gesenkt. Und auch der Ansatz von Daimaru ist lobenswert. Und bevor sich jetzt Stimmen erheben und sagen „Aber das ist ja keine Gleichberechtigung, sondern Bevorzugung von Frauen!“, ein kleiner Hinweis: Es ist natürlich, dass Frauen einmal im Monat bluten und sie können diese Tatsache nicht einfach ändern. Jede Frau erlebt diese Zeit anders. Die einen haben mehr Beschwerden, die anderen weniger. Dazu zählen bei einem Großteil von Frauen Kreislaufprobleme, Erschöpfung, Krämpfe, Magendarmprobleme, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Heißhunger und Appetitlosigkeit. Ihr könnt euch also vorstellen, wie einen das Ganze im Arbeitsalltag einschränken und belasten kann. Hinzu kommt dann noch der Scham, den viele Frauen bezüglich ihrer Periode empfinden, ausgelöst vom Totschweigen des Themas.

Natürlich sollten Unternehmen jetzt nicht losrennen und die oben beschriebenen Buttons für Mitarbeiterinnen besorgen. Es ist verständlich, dass nicht jeder über ein solch privates Thema öffentlich sprechen möchte. Wichtig ist, dass es die Chance dazu gibt darüber zu sprechen, ohne sich dafür zu schämen und Ablehnung zu erfahren. Und genau dazu tragen Aktionen wie die von Daimaru bei. Die Periode wird salonfähig gemacht und sollte deshalb auch bei der Arbeit sensibel behandelt werden. Erste Schritte dafür sind:

  • Nicht weiter nachzuhaken, wieso eine Kollegin sich unpässlich fühlt
  • Binden und Tampons im Damenklo bereitzustellen, falls unerwarteter Besuch kommt
  • Sich nicht beschweren, wenn die Kollegin sich zwei Tage krankmeldet, um mit Wärmflasche und Schmerzmittel im Bett zu liegen

So und mit ein wenig Aufklärungsarbeit, um mit Fehlinformationen aufzuräumen, muss das Thema Periode kein Tabu mehr sein. Frauen sollten sich nicht für eine natürliche Reaktion ihres Körpers schämen müssen oder gar deswegen Ablehnung erfahren. Und jetzt sprecht mir alle nach: Menstruation.