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Unternehmenskultur
Angestellte im Stich gelassen: Unternehmen müssen während Corona empathische Führung lernen
© Dan Gribbin - Unsplash

Angestellte im Stich gelassen: Unternehmen müssen während Corona empathische Führung lernen

Michelle Winner | 19.01.21

Während die Digitalisierung durch die anhaltende Pandemie einen Sprung nach vorne macht, bleibt die emotionale Seite auf der Strecke. Viele Angestellte werden von Sorgen geplant, die von Führungskräften oft nicht wahrgenommen werden.

Während einige Unternehmen und ihre Mitarbeiter:innen inzwischen gute Lösungen für die durch die Coronapandemie beschränkten Arbeitsprozesse gefunden haben, herrscht immer noch viel Frust und Angst in der Arbeitswelt. Eine aktuelle Auswertung des Randstad Arbeitsbarometer zeigt nun, dass viele Arbeitnehmer:innen sich mit ihren Sorgen alleingelassen fühlen.

Unternehmen unterstützen Angestellte auf die falsche Weise

Meist erhalten die Mitarbeiter:innen technische Hilfsmittel zur Unterstützung der neuen Arbeitssituation. Was jedoch fehlt, ist empathische Führung. Ein Drittel der Befragten beklagt sich darüber, dass es vonseiten der Vorgesetzten an emotionaler Unterstützung fehlt und die psychische Gesundheit außer Acht gelassen wird. Insgesamt fällt die Bewertung der Arbeitgeber:innen dadurch eher schlecht aus. Die Ergebnisse des Arbeitsbarometers sind erschreckend, gerade weil die Themen emotionale und mentale Gesundheit bereits seit Beginn der Pandemie ein omnipräsent in der Gesellschaft sind. Es wäre anzunehmen, die Unternehmen seien sich dessen bewusst und hätten entsprechende Vorkehrungen getroffen. Doch das scheint nicht überall der Fall zu sein. Andreas Bolder, Director Group Human Resources bei Randstad, äußert sich besorgt über die Ergebnisse des Arbeitsbarometers:

Personalverantwortliche sollten die Auswirkung dieser Krise auf das psychische Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter nicht vernachlässigen. Schließlich geht etwa jeder sechste Fehltag auf psychische Störungen zurück, wie aus dem BKK Gesundheitsreport 2020 hervorgeht. Damit wird deutlich, dass die mentale Gesundheit von Arbeitnehmern genauso entscheidend für ihre Arbeitsfähigkeit wie das körperliche Befinden ist.

Gleichzeitig erscheint es nur natürlich, dass Unternehmen zunächst auf technische Unterstützung, beispielsweise für die Arbeit im Home Office, gesetzt haben. So wurde unter anderem versucht, die Arbeitsprozesse aufrechtzuerhalten und Kurzarbeit zu vermeiden, was ebenfalls zur Prävention psychischer Belastung dienen kann. Doch mit der technischen Ausrüstung hört es nicht auf, wie auch Bolder weiß. Er ist der Überzeugung, dass jetzt der Mensch und seine Bedürfnisse im Fokus stehen müssen. Daher brauche es einen agilen Führungsstil, der es auch ermöglicht, die Teams virtuell anzuleiten und gleichzeitig Sorgen und Probleme zu erfassen.

Mit Feedback zu empathischer Führung

Die Unternehmen werden durch die pandemiebedingten Umstellungen gefordert, doch anstatt über die Köpfe der Mitarbeiter:innen hinweg zu entscheiden, lohnt es sich, deren Feedback einzuholen. Es können so nicht nur neue Denkansätze angeregt, sondern auch direkt auf Probleme und Sorgen seitens des Personals eingegangen werden. Auch Bolder ist der Meinung, wer als Führungskraft zuhört, sei im Vorteil. Denn so können Schwierigkeiten direkt im Keim erstickt werden. Außerdem helfen Gespräche mit den Mitarbeiter:innen dabei, ein Gespür für deren Gefühlswelt zu bekommen und entsprechend zu reagieren, sodass am Ende nicht nur produktive Arbeitsprozesse entstehen, sondern auch das Wohl und die Zufriedenheit der Angestellten steigt.