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Fast ein Viertel der Unternehmen will Personal abbauen – Belastung der Wirtschaft durch Doppelkrise

Fast ein Viertel der Unternehmen will Personal abbauen – Belastung der Wirtschaft durch Doppelkrise

Selina Beck | 08.06.26

Mehr als jedes vierte Unternehmen bezeichnet die aktuelle wirtschaftliche Lage als schlecht. Das zeigt die aktuelle DIHK-Konjunkturumfrage.

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer warnt: Unternehmen in Deutschland erleben aktuell ein Langzeittief. Die Firmen brauchen laut der DIHK-Konjunkturumfrage dringend strukturelle Entlastungen und Reformen, denn die globalen Auswirkungen des Kriegs im Nahen Osten würden auf ungelöste Strukturprobleme in Deutschland treffen. Bei der Umfrage wurden rund 23.000 Unternehmen aus allen Branchen befragt. DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov sieht die Firmen in Deutschland in einer Doppelkrise:

Geschwächt durch drei Jahre Rezession und Stagnation fühlen sich viele an ihrer Belastungsgrenze. Anders als in früheren Krisen haben viele Betriebe kaum noch Reserven, um den Belastungen etwas entgegenzusetzen. Wir leben in Deutschland von der Substanz.

Negative Perspektive wie bei Pandemie

Während mehr als jede vierte Firma die Geschäftslage als schlecht beurteilt, sehen sie nur 23 Prozent als gut an. Die Lage wird so negativ wie während der Coronapandemie bewertet. Die düsterste Prognose kommt aus dem Handel: Hier bewerten 35 Prozent der befragten Unternehmen die Lage negativ.

Ein Drittel der Firmen rechnet zudem in den kommenden Monaten mit schlechteren Geschäften (acht Prozentpunkte mehr als am Jahresanfang). Lediglich 13 Prozent haben eine optimistische Prognose für die Zukunft. Deshalb senkt die DIHK ihre Wachstumsprognose vom Jahresbeginn für dieses Jahr von einem Prozent auf 0,3 Prozent. 

Die DIHK-Konjunkturumfrage sieht düster aus, © DIHK, Grafik: mehr Pessimist:innen als Optimist:innen
Die DIHK-Konjunkturumfrage sieht düster aus, © DIHK

Rohstoffpreise beunruhigen Unternehmer:innen

DIHK-Hauptgeschäftsführerin Melnikov sieht den primären Grund für die negative Entwicklung in den gestiegenen Energie- und Rohstoffpreisen. Diese seien für viele Unternehmen „der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“. Der Kostendruck bei Öl, Gas, Benzin, Baumaterialien sowie Kunststoff ziehe sich durch alle Branchen.

70 Prozent der Firmen geben an, dass sie als größtes Geschäftsrisiko Energie- und Rohstoffpreise sehen. 57 Prozent nennen als Risiken Arbeitskosten, 56 Prozent die schwache Inlandsnachfrage und 58 Prozent dagegen unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

Weniger Personal wird eingeplant

Dies wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus: Knapp ein Viertel der Unternehmen plant, Personal abzubauen, während nur jede zehnte Firma mehr Beschäftigte einstellen will. Das ist der niedrigste Wert seit der Pandemie. So sehen auch nur noch 36 Prozent der Unternehmer:innen den Fachkräftemangel als Problem an. Melnikov appelliert an die Politik:

Die wirtschaftlichen Probleme im eigenen Land sind hausgemacht. Im ersten Jahr der Merz-Regierung wurden wichtige Weichenstellungen vertagt. Das reicht nicht aus, um Vertrauen zurückzugewinnen und Investitionen auszulösen.

Sie erwartet von der Bundesregierung eine Senkung der Energie- und Arbeitskosten sowie von Steuern und Bürokratie. So solle etwa die Stromsteuersenkung für alle, die noch 2025 geplant war, endlich umgesetzt werden. Zudem müsse eine Steuerreform mit Entlastung der kleinen und mittleren Einkommen erfolgen. Nur mit mutigen Reformen würde die Wirtschaft zurück auf einen Wachstumspfad mit sicheren Arbeitsplätzen und wachsendem Wohlstand kommen.


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