Dein wichtigster Touchpoint zur Digitalbranche.
Dein wichtigster Touchpoint zur Digitalbranche.
New Work
Home Office durch Corona: Welche Kosten lassen sich absetzen oder erstatten?
© Christian Dubovan - Unsplash

Home Office durch Corona: Welche Kosten lassen sich absetzen oder erstatten?

Michelle Winner | 07.05.20

Laptop, Arbeitszimmer, Stromkosten - was ist erstattbar und was nicht? Und welche Voraussetzungen gelten? Home Office geltend zu machen ist schwierig, aber nicht unmöglich.

Während viele von uns derzeit im Home Office arbeiten, stellt sich unweigerlich die Frage, wer für eventuelle Mehrkosten aufkommt. Bezahlt der Arbeitgeber für Equipment, dass du dir für die Arbeit im Home Office zu legen musstest? Oder lassen sich Laptop, Webcam und höhere Stromkosten von der Steuer absetzen? Die wichtigsten Fragen haben wir für dich geklärt.

Absetzungen über die Steuer sind an Bedingungen geknüpft

Um deine Zeit im Home Office in der Steuererklärung geltend zu machen, müssen Grunvoraussetzungen erfüllt sein: Zunächst musst du nachweisen können, dass dein Chef die Arbeit von zu Hause aus angeordnet hat. Als Beweise kannst du Mails, Rundschreiben oder ähnliches verwenden. Im Zweifelsfall bittest du deinen Vorgesetzten um eine schriftliche Erklärung. Der eigentliche Knackpunkt ist jedoch die zweite Grundvorausetzung – ein Arbeitszimmer. Um Home Office steuerlich geltend zu machen, muss es zu Hause ein Büro geben, das auch nur als solches benutzt wird. Ein Tisch im Gästezimmer oder das notgedrungene Küchentisch-Office haben schlechte Chancen. Jedoch bleibt hier abzuwarten, ob es Corona-bedingte Änderungen der Bedingungen geben wird. Schließlich mussten viele Arbeitnehmer spontan und ohne Chance auf Vorbereitung ins Home Office wechseln. Eine Möglichkeit ist beispielsweise die Einrichtung eines vorübergehenden Arbeitszimmers.

Wie viel kann ich steuerlich absetzen?

Jährlich absetzbar sind Werbungskosten in der Höhe von 1.250 Euro – sofern die oben genannten Vorausetzungen zutreffen. Dafür gibt es unter Anlage N die „Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer“. Anfallende Kosten werden nach Größe des Zimmers verrechnet, also nach der Quadratmeterzahl im Verhältnis zur Gesamtgröße von Haus oder Wohnung. An dieser Stelle sind zwei steuerlich positive Aspekte zu nennen:

  1. Die Kosten für die Ausstattung des Arbeitszimmers fallen hier noch nicht drunter. Diese können vollständig geltend gemacht werden.
  2. Paare haben einen zusätzlichen Vorteil, nämlich dass die Kosten für das Arbeitszimmer pro Person und nicht pro Arbeitszimmer im Haus abgerechnet werden. Heißt, auch wenn du und dein Partner euch das Zimmer teilt, könnt ihr beide jeweils die Kosten geltend machen.

Was sind zusätzliche Kosten und was nicht?

Die Frage nach dem, was wirklich abgesetzt werden kann, gestaltet sich wiederum schwierig. Nehmen wir an, du hast dir einen neuen Laptop gekauft, um Home Office ordentlich arbeiten zu können. Das Gerät wird nach Feierabend jedoch auch für private Video Chats, Netflix und Co. genutzt. Heißt, als Privatgerät kann dein neuer Laptop nicht komplett abgesetzt werden – doch das Finanzamt geht meist zumindest bis 50 Prozent der Kosten mit, ohne etwas zu beanstanden. Der Haken: Du kannst die Kosten nur für die Monate geltend machen, in denen du auch wirklich im Home Office gearbeitet hast. Die Zeit nach Corona, die du wieder im Büro verbringst, zählt nicht. Freiberufler und Selbstständige haben es an dieser Stelle also einfacher.

Eine andere Sorge vieler Arbeitnehmer sind steigende Stromkosten zu Hause – die sie auch gern absetzen würden. Von dieser Vorstellung solltest du dich direkt verabschieden, denn die gestiegenen Beträge für Strom sind vergleichsweise so gering, dass sie nicht erstattet werden. Zur Relation: Das Aufladen eines Laptops kostet im Schnitt 15 Cent, dass eines Handys sogar weniger als einen Cent. Wer täglich zur Mittagspause den Herd anschmeißt, zahlt pro Tag circa 50 Cent mehr.

Welche Kosten übernimmt der Arbeitgeber?

Um deine Kosten auch wirklich geltend zu machen, musst du natürlich Beweise sammeln: Belege für deine Arbeitszeit, die Anweisung zum Home Office und Fotos von deinem Arbeitszimmer sind für das Finanzamt relevant. Doch abgesehen vom Absetzen über die Steuer, kann auch dein Chef für Kosten aufkommen. Der Arbeitgeber ist nämlich dafür verantwortlich dich so auszustatten, dass du deiner Arbeit nachgehen kannst ohne Mehrkosten tragen zu müssen. Kommt es doch dazu, beispielsweise durch den Kauf eines Computers, bestimmter Software oder ähnlichem, muss er dafür aufkommen. Anders sieht es auch hier mit der Ausstattung des Arbeitszimmers oder den Stromkosten aus – hier entstehen für Chefs keine finanziellen Verpflichtungen. Beim Arbeitgeber können jedoch Kosten für Telefon- und Internetanschluss geltend gemacht werden, da diese für die Arbeit mitbenutzt werden. Sie werden über die Lohnabrechnung erstattet.

Wer sich mit dem Thema auseinandersetzt, hat also die Chance anfallende Kosten erstatten zu lassen. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob es tatsächlich noch zu Änderungen der Grundvorausetzungen durch die Coronakrise kommt. An dieser Stelle sei zusätzlich angemerkt, dass wir keine Steuerexperten sind. Bei tiefergehenden oder speziellen Fragen lohnt sich ein Anruf bei deinem Steuerberater oder ein Blick auf Einkommenssteuergesetz.