Herausforderungen für Digitale Nomad:innen in der Pandemie
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Digitale Nomad:innen und Corona: Diese Herausforderungen birgt die Pandemie
© Paul Hanaoka - Unsplash

Digitale Nomad:innen und Corona: Diese Herausforderungen birgt die Pandemie

Ein Gastbeitrag von Alex Schreiner | 25.03.21

Corona verändert Leben – auch das der Frequent Travellers. Doch wie lebt es sich aktuell als Digitale:r Nomad:in? Und welche Herausforderungen müssen ortsunabhängige Unternehmer:innen meistern?

Das Leben Digitaler Nomad:innen klingt oftmals zu schön, um wahr zu sein: Du selbst wählst die Orte, an denen du deinen Alltag verbringen möchtest. Du arbeitest maximal ein paar Stunden am Tag. Und: Kürst du eine klassische Digitale-Nomad:innen-Insel wie Bali zu deinem Lebensmittelpunkt, liegen die Lebenshaltungskosten weit unter dem deutschen Standard. Und all das, obwohl du womöglich dennoch „deutsche Preise“ für deine Dienstleistungen oder Produkte nehmen kannst.

Doch ist das nicht mehr Klischee als Realität im Alltag als ortsunabhängige:r Unternehmer:in? Und selbst, wenn nicht: Hat nicht spätestens Corona all das längst zerstört?

Wie sieht der (normale) Alltag Digitaler Nomad:innen aus?

Wirfst du einen Blick auf die Digitale-Nomaden-Szene, bevor Corona unsere Gesellschaft nahezu zum Stehen gebracht hat, fällt dir sicher auf: Die Berufe, die „unterwegs“ ausgelebt werden können, sind vielfältig: Vom klassischen Online-Business bis hin zu verschiedensten Tätigkeiten als Freelancer kannst du fast schon frei wählen, in welcher Branche du welche Leistung anbietest. Hauptsache: Digital.

Klischee „Hängematte“: So arbeitest du als Digitale:r Nomad:in wirklich

Ganz so einfach ist die Arbeit an sich dann aber doch nicht: Spätestens nach wenigen Anläufen, in der Hängematte etwas Produktivität zu zeigen, wirst du an einen (Schreib-)Tisch zurückkehren. Und das ist absolut nicht ungewöhnlich. Als Digitale:r Nomad:in benötigst du deine Ruhe, um konzentriert arbeiten zu können. Viele Ortsunabhängige nutzen dazu fixe oder spontan buchbare Plätze in Coworking Spaces oder wählen ein nahegelegenes Café als Rückzugsort, um das eigene Business zu verwalten und Aufträge zu bearbeiten.

Du benötigst also nicht nur die nötige Ruhe, sondern auch regelmäßige Routinen, um deine Arbeitsqualität nicht zu vernachlässigen. Klischees wie die Arbeit aus der Hängematte sind daher oftmals gar nicht allzu erstrebenswert, wie es im ersten Moment den Anschein macht.

Disziplin als Grundlage: Darum musst du streng mit dir sein

Traumhafte Strände, sehenswerte Denkmäler und fremde Kulturen laden zu vielerlei Aktivitäten ein – bloß kaum zum konzentrierten Arbeiten. Um deine oben genannten Routinen also einhalten zu können, benötigst du eine ordentliche Portion an Selbstdisziplin, um an den vermeintlich schönsten Orten der Welt zu arbeiten.

Andernfalls dürfte der Weltenbummler:in-Traum schon schnell wieder Vergangenheit geworden sein. Sei also ausreichend streng mit dir – zu deinem eigenen Wohl. Die Belohnung für deine Leistungen wartet immerhin meist schon direkt vor deiner Haustür.

Spontaneität und Freiheit: Das kannst du dir erlauben

Natürlich möchtest du als Digitale:r Nomad:in die Welt kennenlernen und einige Länder erkunden. Und genau das ist auch die maßgebliche Motivation, der sich so viele Selbstständige im deutschsprachigen Raum hingeben.

Erlaube dir daher neben allen Routinen und Arbeitszeiten auch Pausen sowie die Freiheit, deinen Standort zu wechseln. Schließlich sammelst du nur auf diese Weise jene Momente, die dich angetrieben haben, überhaupt zum Digitalen Nomadentum zu wechseln.

Was verändert sich durch Corona?

Die Frage, die sich an dieser Stelle natürlich aufdrängt, lautet:

Hat Corona nicht all das ins absolut Unerreichbare gedrängt?

Entgegen aller Erwartungen ist die Antwort hierauf kein klares „Ja“. Im Gegenteil: Durch Corona verändert sich zwar der Alltag Digitaler Nomad:innen massiv – allerdings kannst du als Weltenbummler:in auch Einiges aus dieser Zeit lernen und sie sogar nutzen, um deine Selbstständigkeit zu optimieren.

Eingeschränkte Ortswechsel

In erster Linie ist die eingeschränkte Reisefreiheit natürlich ärgerlich. Ohne Zweifel. Länderwechsel sind fast nur noch mit Hilfe von Quarantäneregelungen und Testpflichten möglich, das kulturelle Leben kommt größtenteils zum Erliegen. Kurzum: Die Flexibilität in deinem Nomad:innenalltag ist dahin.

Dennoch muss sich diese Lage nicht zwingend schlecht auswirken; zumindest, was dein Geschäft angeht. Möglicherweise kannst du nicht mehr allzu viel verreisen und sitzt für einige Wochen oder Monate beispielsweise auf Bali fest. Das Positive daran ist jedoch: Deine Lebenshaltungskosten sind nach wie vor gering – und du verursachst keinerlei weiteren Kosten. Das Resultat: Bleiben deine Einnahmen halbwegs stabil, kannst du deine Kontostände aufbessern, was zuvor womöglich nicht in diesem Maße möglich war.

Geringere Gewinne nagen am eigenen Lebensstandard

Hast du dagegen Probleme mit deinen regelmäßigen Einnahmen, da diese unter Corona zu leiden haben, gestaltet sich die Selbstfinanzierung in fremden Ländern oftmals schwerer: Anders als in Deutschland hast du in Drittstaaten womöglich seltener die Chance auf staatliche Hilfen in Krisenzeiten.

Digitale Nomad:innen stehen daher pandemiebedingt oftmals vor der Aufgabe, das gesamte Business verändern zu müssen – krisensicherer zu gestalten. Und solange sich dieser Prozess hinzieht, können wertvolle Ersparnisse die häufig einzige Lösung sein. Es sei denn, es existiert ein zweites finanzielles Standbein – doch dazu später mehr.

Die eigenen Reserven anrühren – eine gute Idee?

Ist es denn in Krisenzeiten eine gute Idee, die eigenen Reserven anzurühren? Gerade als „Dauerreisende:r“ wirst du dich von dem Großteil deiner Einnahmen in erster Linie selbst versorgen und deinen Lebensstil finanzieren müssen. Zumindest in Anfangszeiten.

Was übrig bleibt, sollte als Polster dienen – und dieses zu mindern, kann natürlich nicht dein Anspruch sein. Oftmals geht es aber kaum anders. Und, mal ehrlich: In Krisenzeiten solltest du dir diesen Schritt im Zweifelsfall erlauben. Auch als Digitale:r Nomad:in.

Wie nutzt du die Coronazeit als Digitale:r Nomad:in?

Neben all diesen Einschränkungen „unterwegs“ und in deinem Geschäftsmodell kann dir Corona aber auch dienen: Als zeitlicher Puffer. Für Analysen, Optimierungen und vielen Arbeiten an deiner Unternehmung, die sonst nicht möglich wären. Welchen Tätigkeiten solltest du dich aber in der Coronakrise widmen, wenn deine Reisepläne stagnieren?

Unternehmerischer Frühjahrsputz: Zeit für Optimierungen

Erfahrungsgemäß planen Digitale Nomad:innen weit weniger voraus, als sie eigentlich sollten: Das Leben im Hier und Jetzt ist oftmals schlicht zu verlockend. Doch genau dafür hast du jetzt Zeit: Wenn die Lieblingsstrandbar und Einkaufsmeilen geschlossen haben, kannst du dich in aller Seelenruhe den Optimierungen an deinem Business widmen.

Sondiere dabei deine berufliche Vergangenheit: Mit welchen Kund:innen hast du gern gearbeitet? Welche Aufträge liefen gut, welche weniger? Wo könntest du Tätigkeiten automatisieren oder auslagern? Welche Kosten hast du in der Vergangenheit erzeugt, die nicht zwingend notwendig waren?

Du merkst bereits: Die ruhigere Coronazeit kannst du als Analysephase für dein Business nutzen. Schließlich wird es auch eine Zeit nach Corona geben, in der du wieder verstärkt das Nomad:innenleben genießen möchtest. Und damit das klappt, kannst du bereits jetzt die Fehler deiner Vergangenheit analysieren und ein für allemal hinter dir lassen.

Angebote überarbeiten: Arbeite noch kund:innenorientierter

Eine Analyse ist also eine gute Idee – hilft jedoch rein gar nichts, wenn du daraus nicht die richtigen Schlüsse ziehst: Sind die Grundlagen gelegt und du kannst bereits an dieser Stelle Optimierungen für deine Zukunft festmachen, solltest du damit nicht länger zögern.

Erarbeite konkrete Pläne, wie du nach der Pandemie dein Business wieder hochfährst und wie du bestmöglich davon profitieren kannst. Vielleicht möchtest du deine Zielgruppe neu definieren, einige Prozesse auslagern oder ein neues Angebot etablieren: Egal, wie dein Vorhaben lautet – jetzt ist die Zeit, um konkrete Planungen anzugehen.

Wissen ist das A und O: Bilde dich weiter

Das fast schon Wichtigste in Krisenzeiten besteht allerdings darin, sich selbst nicht hängen zu lassen, sondern weiterzuentwickeln. Optimiere nicht nur deine Selbstständigkeit und dessen Angebote, sondern ebenso deinen Wissensstand und deine Fähigkeiten.

Überlege, in welchen Bereichen du dich weiterentwickeln solltest, um gewisse Angebote abzurunden oder aufzustocken. Vielleicht kann auch die Etablierung eines zweiten Standbeins sinnvoll sein oder die Knüpfung mehrerer Kooperationen mit anderen Digitalen Nomad:innen oder Dienstleister:innen in deinem Bereich.

Wo auch immer dein Weg hingehen soll: Sorge dafür, dass du dich weiterentwickelst. Die aktuelle Zeit ist prädestiniert für deinen persönlichen Fortschritt.

Krisenplanung: Das kannst du aus Corona lernen

Klar ist aber auch: Corona war nicht die letzte Krise. Jederzeit können auch Digitale Nomad:innen von globalen Missständen, Problemen oder Pandemien getroffen werden, sodass das eigene Business erneut zum Erliegen kommt.

Sieh diese Coronazeit daher nicht nur als Krise, sondern auch als Lehrstunde an und frage dich: Wie kannst du dich vor etwaigen kommenden Krisenzeiten schützen? Welche Schritte musst du gehen, um deine Selbstständigkeit aufrechterhalten zu können – und in welchen Ländern findest du die optimalen Lebensbedingungen vor?

Lasse Corona also nicht einfach an dir vorübergehen, sondern nutze diese Wochen und Monaten so effektiv wie möglich. In wenigen Monaten oder Jahren schon wirst du es dir danken.

Fazit

Die Coronaphase kann nützlicher sein, als du vielleicht denkst. Und eventuell ist dir aufgefallen, dass das Digitale Nomadentum wegen einer weltweiten Pandemie nicht gleich dem Ende entgegensteuert. Klar: Dein Lebensstil „auf Reisen“ ist massiv eingeschränkt, womöglich leiden deine Einnahmen.

Aber du kannst andererseits von geringeren Lebenshaltungskosten profitieren und die Zeit sinnvoll auskosten, indem du dein Geschäftsmodell auf den Kopf stellst und optimierst und auch deine persönlichen Kenntnis- und Wissensstände voranbringst. Die Krise ist also lediglich das, was du daraus machst. Egal, wo du dich gerade aufhältst.


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