Digital Recruiting 101: Welche Social-Media-Plattform ist die richtige für dein Unternehmen? | OnlineMarketing.de
Dein wichtigster Touchpoint zur Digitalbranche.
Dein wichtigster Touchpoint zur Digitalbranche.
Human Resources
Digital Recruiting 101: Welche Social-Media-Plattform ist die richtige für dein Unternehmen?
© dole777 - Unsplash

Digital Recruiting 101: Welche Social-Media-Plattform ist die richtige für dein Unternehmen?

Michelle Winner | 05.02.21

Über die sozialen Medien lassen sich Talente persönlich erreichen. Doch welche Plattform eignet sich für deine Recruiting-Strategie?

Nachdem es im ersten Teil unserer Serie Digital Recruiting 101 darum ging, welche Vorteile Social Media Recruiting mit sich bringt, stellt sich nun die Frage nach der richtigen Plattform für deine Strategie. Natürlich handelt es sich hierbei nicht um eine Entweder-Oder-Entscheidung. Wenn deine Kapazitäten es zu lassen, kannst du neue Mitarbeiter:innen über mehrere Kanäle für dein Unternehmen gewinnen. Daher wollen wir dir die Vorteile der beliebtesten Social-Media-Portale vorstellen.

Karrierenetzwerke: Xing und LinkedIn

Der Ton bei LinkedIn und Xing ist professioneller als auf anderen Social-Media-Plattformen. Professionell muss jedoch nicht steif sein – orientiere dich beim Wording deiner Posts am Ton, den dein Unternehmen auf seiner Website und anderen sozialen Kanälen anschlägt. Das A und O beim Rekrutieren über Karrierenetzwerke ist, dass du deine Firmenseite immer aktuell und informativ hältst: Potentielle Bewerber:innen sollen auf den ersten Blick erkennen können, um wen es sich handelt, wofür das Unternehmen steht und was gesucht wird. Daher ist auch das Posten von Stellenanzeigen auf LinkedIn und Xing lohnenswert. Verlege die Social-Media-Aktivität deines Unternehmens auf die Zeiten, in denen auch die User am häufigsten aktiv sind: Das sind in der Regel die Morgenstunden und der späte Nachmittag.

Ein Blick auf deine Unternehmensseite kann Talenten bereits einen ersten Eindruck von der Zusammenstellung deines Teams geben.

Gerade im Active Sourcing sind Karrierenetzwerke Gold wert. Mit Hilfe von erweiterten Suchfiltern kannst du Kandidaten finden, die ideal auf das Profil aktueller Stellenanzeigen passen. Hast du jemanden gefunden, der dein Team ergänzen könnte, schreibe die Person persönlich und individuell an – massenhaftes Verschicken von 0815-Nachrichten kommt auf den Karrierenetzwerken nicht gut an und wird von den Usern in der Regel als nervig empfunden. Diese Regel gilt auch beim generellen Netzwerken, welches ein weiterer Vorteil von Xing und LinkedIn ist. Die User bemühen sich hier aktiv um ein professionelles Auftreten und sind offener für karrierebezogene Gespräche und Angebote. Nutze das aus und pflege dein Netzwerk, beispielsweise indem du deine Kontakte regelmäßig anschreibst, auch wenn es derzeit keine zu vergebenen Stellen gibt.

Größter Vorteil von Karrierenetzwerken: Talente zeigen sich bewusst professionell und es ist einfacher, sich als Recruiter über ihre Skills Sets und Erfahrungen zu informieren. Zudem sind die User offener für karrierebezogene Gespräche.

Facebook

Facebook wird von seinen Usern vor allem in der Freizeit genutzt, beispielsweise zum Überbrücken von Langeweile, zum Diskutieren oder zum Kontakthalten. In Deutschland sind die meisten Nutzer:innen zwischen 20 und 50 Jahre alt und etwa 60 Prozent der Menschen in Deutschland nutzen die Plattform derzeit. Jedoch gehen die Nutzungszahlen in den letzten Jahren nach unten, gerade was Gen Z betrifft. Daher solltest du dich beim Rekrutieren über Facebook auf erfahrenere Arbeitskräfte ab 30 Jahren konzentrieren. Hierbei gilt es, kurze, unterhaltsame Posts zu veröffentlichen, am besten unterlegt mit Bildern oder Videos. Lange Texte interessieren die Meisten kaum und sie werden ebenso wie alleinstehende Links kaum vom Algorithmus beachtet. Um nicht unterzugehen, solltest du mindestens einmal am Tag etwas posten.

Nutze die Funktionen einer Unternehmensseite:

Facebook bietet zudem die Möglichkeit, kostenlose Stellenanzeigen zu posten, wenn du eine Unternehmensseite hast. Auf diese können Bewerber:innen sich sowohl über die Desktop-Version als auch mobil bewerben. Es kann sich außerdem lohnen etwas Geld in die Hand zu nehmen und deine Posts via Werbeanzeige zu promoten, damit sie öfter gesehen werden. Das Wichtigste auf Facebook ist jedoch die Interaktion mit deinen Followern. Eine zeitnahe Beantwortung von Fragen und Kommentaren wird von den meisten Usern erwartet. Sie stärkt zudem die Verbindung deines Unternehmens zur Community und lässt es nahbarer erscheinen. Auch das Liken von interessanten Kommentaren wird gern gesehen.

Größter Vorteil von Facebook: Die Möglichkeit, direkt über Facebook Stellenanzeigen zu schalten und Talenten die Möglichkeit zu geben, sich direkt über die Plattform zu bewerben, vereinfacht den Bewerbungsprozess. Zudem erlaubt die Plattform eine persönlichere Kommunikation.

Instagram

Trotz seiner Zugehörigkeit zu Facebook, sind auf Instagram andere Dinge zu beachten als dort. Auf der Plattform geht es schon lange nicht mehr nur um Urlaubsfotos und Bilder vom Mittagessen – die ist ein starkes Instrument im Social Media Marketing geworden und kann ebenso beim Recruiting helfen. Die Zielgruppe auf Instagram ist viel jünger als auf Facebook: Der Großteil der User ist zwischen 18 und 24 Jahre alt, 90 Prozent sind jünger als 35. Ebenso wie auf Facebook ist die direkte Interaktion mit den Followern hier wichtig. Insta bietet dafür einige Möglichkeiten, beispielsweise die Story-Funktion. Stories verzeichnen ein enormes Engagement und können für Fragerunden genutzt werden, kleine Spiele oder das Teilen von Links zu Stellenanzeigen, die via Swipe-Up-Funktion direkt aufgerufen werden können.

Arbeite visuell ansprechend und persönlich:

Instagram ist zudem eher visuell ausgelegt, heißt, du solltest mehrmals am Tag Bilder oder Videos posten. Es empfiehlt sich dabei ein bestimmtes Layout einzuhalten, beispielsweise das Farbschema deines Unternehmens. Beliebt können auch regelmäßig wiederkehrende Formate sein, für den Recruiting-Bereich zum Beispiel Tipps für die Bewerbung. In den Bild- und Videobeschreibungen kannst du detaillierte Informationen zum Unternehmen, der Arbeitsatmosphäre oder freien Stellen geben. Wichtig ist, die Nutzer:innen persönlich anzusprechen statt zu professionell und steif. Dein Unternehmen kann sich als sympathischer und kompetenter Arbeitgeber auf Instagram positionieren. Nutze dafür auch die Live Streams oder Reels, die einen ehrlichen Blick hinter die Kulissen erlauben. Hier ein Beispiel aus unserem Office:

Auch das Aufgreifen sozialer Problematiken kann sich auf Instagram lohnen und die Werte deines Unternehmens deutlich machen. Dadurch können aber auch negative Reaktionen der Gegenseite provoziert werden. Sei auf negative Kommentare gefasst und moderiere diese – lass keine Hassbotschaften unter deinen Posts zu. Und apropos Posts: Auch hier gibt es die Möglichkeit, deine Inhalte als Werbeanzeige zu schalten, um so die Reichweite zu erhöhen.

Größter Vorteil von Instagram: Während das direkte Kontaktieren von Talenten hier eher schwer ist, kannst du dein Unternehmen gezielt positionieren und in den Augen der potentiellen Bewerber:innen als attraktiven, modernen Arbeitgeber darstellen.

YouTube

Auch YouTube könnte ein Kanal für deine Rekrutierungsstrategie sein. Der Weg dorthin ist jedoch anspruchsvoll: Sollen YouTube-Videos ins Recruiting eingebunden werden, müssen diese mit professionellem Equipment und Konzept gedreht werden. Denn die User erwarten eine gewisse Qualität von den Videos. Gleichzeitig solltest du nicht versuchen, ein Hochglanz-Image-Video posten, um dein Unternehmen vorzustellen. Auch hier wirken persönliche Einblicke hinter die Kulissen und Ehrlichkeit am ansprechendsten. Damit Talente einen Eindruck vom Unternehmen bekommen können, kannst du beispielsweise Q&As veranstalten, Interviews mit Führungskräften und Mitarbeiter:innen führen, eine Office Room Tour machen oder Vlogs der letzten Team Events zusammenschneiden.

Achtung bei Werbeanzeigen

Worauf du bei YouTube verzichten solltest, sind Werbeanzeigen vor Videos. Diese werden von vielen Usern als nervig empfunden oder sie sehen diese gar nicht, weil sie den Ad-Blocker aktiviert haben. Die Infobox unter den Videos kannst du mit weiteren Details und Links zu aktuellen Ausschreibungen füllen, um Interessent:innen direkt weiterzuleiten. Denke auch dran, die Videos im Karrierebereich deiner Unternehmens-Website einzubauen.

Größter Vorteil von YouTube: Der Aufwand lohnt sich vor allem dann, wenn Talente direkt nach Informationen über dein Unternehmen und die Arbeitsatmosphäre dort suchen – im Vergleich zu Instagram und Facebook, kannst du hier auch längere Videos posten und Einblicke geben, ohne dass die User zu schnell das Interesse verlieren.

Twitter

Trotz seiner rund 12 Millionen Nutzer:innen in Deutschland, gerät Twitter hinter Facebook und Instagram oft in Vergessenheit. Dabei kann auch diese Plattform beim Social Media Recruiting punkten. Wichtig zu wissen ist, dass Twitter meist ehrlicher und ungeschönter ist, als Instagram. Die User sind vor allem zwischen 20 und 39 Jahren alt und nutzen ihre Tweets gern als kurze Tagebucheinträge, Meinungsäußerungen oder witzige Gedankengänge. Die Inhalte werden quasi im Vorbei-Scrollen wahrgenommen und daher ist es wichtig, dass deine Posts klar formuliert und kurz sind. Schließlich hast du eine Zeichenbegrenzung von 280 Zeichen.

Gehe auf die aktuellsten Geschehnisse ein:

Es lohnt sich deinen Tweets auch Bilder beizufügen, an denen die Aufmerksamkeit der User hängenbleibt noch bevor sie vielleicht den Text darüber gelesen haben. Checke täglich, welche Hashtags derzeit trenden und überlege, wie du diese in deine Posts integrieren könntest, um diese sichtbarer zu machen. Du kannst die User auch zu ihrer Meinung zu bestimmten Themen fragen oder klar Stellung beziehen, wenn beispielsweise sozialkritische Themen in den Trends sind – und dabei natürlich auch die Werte deines Unternehmens vermitteln. So hat beispielsweise Rewe Stellung gegen Homophobie bezogen:

Größter Vorteil von Twitter: Das Beste an Twitter ist zum einen, dass die Posts dort am wenigsten Aufwand erfordern. Zum anderen profitierst du aber auch davon, dass nicht nur die Retweets von Usern ihren Followern angezeigt werden, sondern auch Beiträge, die mit einem Like versehen wurden. So können deine Beiträge auch User erreichen, die dein Unternehmen noch nicht kennen.

TikTok

TikTok ist die Social-Media-Plattform um die jüngsten Talente anzusprechen: Schüler:innen, Studierende, Auszubildende und Co., die meist noch wenig Job-Erfahrung haben. 69 Prozent der User sind zwischen 16 und 24 Jahren alt. Die App erfuhr in den letzten Jahren ein enormes Wachstum, was wohl vor allem an der Beliebtheit der dort geposteten Kurzvideos liegt. Zudem ist es möglich, sich auf TikTok in vergleichsweise kurzer Zeit ein große Fan Base aufzubauen.

Kurz und Catchy statt Hochglanz

TikTok ist ein idealer Weg, dein Unternehmen jungen Talenten vorzustellen und als Arbeitgeber vorzustellen. Die mit dem Handy gefilmten Videos sollten dabei zwar eine gewisse Bildqualität haben und gut ausgeleuchtet sein, doch es wird weniger Wert auf den perfekten Shot gelegt als beispielsweise auf Instagram. Die Videos sollten unterhaltsam, kurz und catchy sein. Neben Einblicke hinter die Kulissen, könnten die Kolleg:innen beispielsweise an diversen TikTok Challenges und Trends teilnehmen, die oft bestimmte Tänze oder Sounds beinhalten. Außerdem bietet TikTok die Möglichkeit, Videos zu bewerben, sodass sie als gesponsort im Feed von Usern erscheinen.

Besonders hervorzuheben ist außerdem, dass deine Videos nicht nur Followern angezeigt werden, sondern über die For You Page auch Nutzer:innen, die nicht mit deinem Unternehmen vertraut sind. Und einmal geliked, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du diesen Usern auch noch einmal angezeigt wirst. Gleichzeitig wirft der TikTok Algorithmus aber bei vielen Creatorn noch Fragen auf.

Der größte Vorteil von TikTok: Du erreichst mit der App gezielt die jüngste Zielgruppe und kannst dadurch Talente aus der Gen Z zu Bewerbungen anregen oder sie zumindest auf dein Unternehmen aufmerksam machen.

Welche Plattform ist am besten?

Wenn dieser Artikel eines zeigen soll, dann, dass diese Frage nicht pauschal zu beantworten ist. In Absprache mit der Marketingabteilung deines Unternehmens musst du abwägen, auf welchen Plattformen sich der Aufwand lohnt. Ausschlaggebend dabei sollte sein, welche Zielgruppe du fokussieren möchtest und welche Möglichkeiten zur Beitragserstellung dein Unternehmen hat. Meist lohnt es sich, Social Media Recruiting über mehrere Kanäle zu betreiben, vor allem in der Kombination professionell und unterhaltsam. Das heißt, dass du für den professionellen Auftritt deines Unternehmens und die aktive Suche nach Talenten Karrierenetzwerke nutzt, gleichzeitig aber auch das Image des Unternehmens als Arbeitgeber über die „Freizeitplattformen“ Instagram und Co. nicht vernachlässigst.

Welche Technologien und Strategien außerdem im digitalen Rekrutieren relevant sind, erfährst du in den nächsten Teilen unserer Serie Digital Recruiting 101.

<<< vorheriger Teil: Wie Social Media Recruiting Talente von deinem Unternehmen überzeugt

Melde dich jetzt zu unserem HR-Update an und erhalte regelmäßig spannende Artikel, Interviews und Hintergrundberichte aus dem Bereich Human Resources.


Zu den Kommentaren
Sandra am 08.02.2021 um 08:09 Uhr

Die genannten Plattformen sind sicherlich für den ersten Schritt, richtig und wichtig. Was aber, wenn selbst über den Social Media Kanälen nicht der richtige Kandidat dabei ist? Wenn ich für unsere Agentur spreche, haben wir die besten Erfahrungen mit Headhunter gemacht. Der entscheidende Vorteil ist, dass gute und echte Top Headhunter wie z.B. Egon Zehnder, Kienbaum, Beutler Saghari & Partner etc. selbst die Leute ansprechen, die überhaupt nicht über einen Social Media Account verfügen. Allerdings haben wir auch die Erfahrung machen müsen, dass viele sagen sie wären Headhunter und in wirklichkeit suchen sie auch nur über xing & Co. Das könnt ihr dann auch selbst machen. Unterm Strich ist ein Headhunter (bei uns war es Beutler Saghari Prtner) nicht wesentlich teurer, als wenn man Anzeigen aufgibt oder eigene Mitarbeiter mit der Suche beschäftigt.

Antworten
Cluet am 06.02.2021 um 17:00 Uhr

Laut dieser Seite, sind 76.5% der Tiktok Nutzer über 25:
https://www.businessofapps.com/data/tik-tok-statistics/

Antworten
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*