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Digitalisierung
Großraumbüro: Mails und Postings ersetzen die direkte Kommunikation
© Proxyclick Visitor Management System - Unsplash

Großraumbüro: Mails und Postings ersetzen die direkte Kommunikation

Ein Gastbeitrag von Viola Klingspohn | 21.11.19

Immer öfter arbeiten Büroangestellte in Großraumbüros. Offene Räume, gemischte Teams und bessere Kommunikation propagieren Arbeitgeber. Ist das wirklich so?

Die Luft ist stickig und aufgeheizt, zahlreiche Rechner und Monitore verbreiten Elektrosmog, Kollegen telefonieren, husten und räuspern sich – ein unangenehmer Geräuschpegel macht sich breit. Es ist schwer, klare Gedanken zu fassen. Statt Produktivität macht sich Frust breit. In offenen Arbeitswelten befinden sich viele Menschen auf wenig Raum und müssen acht Stunden täglich und mehr darin ausharren. Was Arbeitgeber als idealen Arbeitsplatz bezeichnen, entpuppt sich für viele Mitarbeiter als Graus. Sie fühlen sich eingeengt. Zudem lassen sich weder Raumtemperatur noch Lichteinlass individuell regeln. Die nächste Pause wird zum Sehnsuchtsziel.

Von Schreibsälen über Cubicles zu Großraumbüros

Großraumbüros sind keine Erfindung der letzten 20 Jahre. Bereits vor mehr als 100 Jahren gab es umfangreiche Büroräume, die als Schreibsäle bezeichnet wurden. Oft waren alle Plätze auf einen Supervisor ausgerichtet, der jeden Mitarbeiter beobachten und überprüfen konnte. Spätestens in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts änderte sich das, als sogenannte Cubicles eingeführt wurden. Dabei handelt es sich um in Reihen aufgestellte Büroarbeitsplätze, die jeweils durch eine Trennwand separiert waren. Diese Arbeitskabinen boten etwas mehr Privatsphäre. In den 80er- und 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es einen rückwärts gerichteten Trend hin zu Einzel- und Zweierbüros. Mittlerweile werden die alten Trennwände aus den Büros gerissen und viele Mitarbeiter in einen Raum gesetzt.

Die direkte Kommunikation leidet

Großraumbüros mögen dem Arbeitgeber eine Kostenersparnis bei der Raummiete bieten, sie bringen jedoch nicht mehr Dialoge. Ganz im Gegenteil: Neue Studien zeigen, dass die direkte Kommunikation leidet! Wie kann das sein? Der Gedankenaustausch müsste sich in einem Großraumbüro doch verbessern. Kollegen sitzen dicht beieinander, Wege sind kurz, Absprachen können direkt getroffen werden. Jedoch weit gefehlt! Eine Studie der Harvard Universität zeigt, dass sich Mitarbeiter in Großraumbüros eher zurückziehen und chatten, als sich mit Kollegen zu unterhalten. Ethan Bernstein und Stephen Turban untersuchten in ihrer Arbeit „Der Einfluss des offenen Arbeitsplatzes auf die menschliche Zusammenarbeit“ wie der räumliche Wechsel vom Einzel- zum Großraumbüro die Interaktion der Mitarbeiter in zwei amerikanischen Firmen verändert hat. Die Probanden wurden jeweils zwei Wochen vor und nach dem Wechsel auf ihr analoges und digitales Kommunikationsverhalten hin untersucht. Das Ergebnis erstaunt: Seit ihrem Wechsel ins Großraumbüro reduzierten die Mitarbeiter ihre direkten Gespräche mit Kollegen um bis zu 70 Prozent. Dafür stieg die Kommunikation über elektronische Kanäle um 20 bis 50 Prozent. E-Mails und Messengerdienste standen hoch im Kurs. Während die Mitarbeiter vor dem Umzug 5,8 Stunden täglich miteinander sprachen, waren es im Großraumbüro nur noch 1,7 Stunden. Nicht einmal die räumliche Nähe hatte einen Einfluss. Mit Kollegen, die neben den Probanden saßen, wurde genauso wenig geredet wie mit solchen, die am Ende des Raums saßen.

Die Studie deckt auf, dass der vermeintlich positive Einfluss von räumlicher Nähe ein Trugschluss ist. Wenn Rückzugsmöglichkeiten fehlen, entwickelten Angestellte andere Strategien, um sich Privatheit zu verschaffen, so die Forscher. Digitale Kommunikation gewinnt somit einen größeren Stellenwert. Ein weiterer Grund, warum Gespräche in offenen Arbeitswelten vermehrt eingestellt werden, könnte die zusätzliche Geräuschkulisse sein, die vermieden werden soll. Dies wurde jedoch nicht erforscht.

Lärmpegel kann Stress erzeugen

Nicht nur die direkte Kommunikation leidet in Großraumbüros. Der vorhandene Lärmpegel kann krank machen – das haben zahlreiche Studien bewiesen. Bereits niedrige Schallpegel können zu körperlichen Stressreaktionen wie Bluthochdruck führen. Auch die Psyche leidet. Da Arbeit vor dem Computerbildschirm eine Menge Konzentration erfordert, um neue Informationen aufzunehmen, lenkt eine dauerhafte Schallberieselung ab. Das macht Arbeitnehmer unruhig und verursacht Stress. Die Produktivität sinkt. Ohrstöpsel sind eine gute Möglichkeit, um die äußeren Störeinflüsse schnell auszublenden. Auch Kopfhörer mit Noise Cancelling-Technik sind gute Lärmkiller.

Was Arbeitgeber tun können

Damit es am Ende nicht heißt „Großraumbüros sind nur gut für die, die nicht darin sitzen müssen“, gilt es für Arbeitgeber, einige Dinge bei der Errichtung zu beachten. Mitarbeiter sind frühzeitig in den Change-Prozess einzubinden, denn jeder von ihnen hat eigene Bedürfnisse und Gewohnheiten, die es zu erfragen gilt. Weiter sollten Arbeitgeber für ausreichend Rückzugsmöglichkeiten sorgen. Das können Rückzugsinseln sein, aber auch Kollaborationsflächen, die für Meetings und Teamarbeit genutzt werden können. Auch die Lärmbelastung ist so gering wie möglich zu halten. Bereits bei der Inneneinrichtung können schallschluckende Decken und Teppiche helfen. Nach dem Einzug sollten spezielle Verhaltensregeln für das Großraumbüro aufgestellt werden. Hilfe und Beratung zur Lärmreduzierung bekommen Firmen bei Berufsgenossenschaften sowie Kranken- und Unfallkassen. Gesunde Büroarbeitsplätze dürften schließlich im Eigeninteresse eines jeden Arbeitgebers liegen.

Allebusinesscenter Deutschland am 03.01.2020 um 09:09 Uhr

Ich kann in einem Großraumbüro arbeiten. Ich denke, dass sie wirklich bei der Teamarbeit helfen. Aber manchmal haben Sie Aufgaben, die mehr Konzentration erfordern. Die Entscheidung ist eine Art von Ruhezonen im Büro zu haben.

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Nina Hagen am 22.11.2019 um 07:45 Uhr

Hallo, ich arbeite auch in einem Großraumbüro und es ist wirklich so wie hier geschrieben. Die wenigsten kommunizieren direkt. Ist aber auch oft nicht gewünscht von oben. Der Chef kommuniziert hauptsächlich über Mails, oft sind es 6 Mails in 4 Minuten. Puhh….das führt auch zu viel Missverständnissen und am Ende des Tages sind alle Mitarbeiter frustriert.

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