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Digitalisierung
Vom Wissens-Provider zum Enabler: Worauf Unternehmen bei der Erstellung digitaler Trainings achten sollten
© Austin Distel - Unsplash

Vom Wissens-Provider zum Enabler: Worauf Unternehmen bei der Erstellung digitaler Trainings achten sollten

Ein Gastbeitrag von Jens Oppermann | 28.05.20

Die Coronakrise beschleunigt die Verlagerung von offline hin zu online Trainings. Es erfolgt ein Umdenken in den Unternehmen, das sich auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter fokussiert und diese zur Weiterbildung anspornt.

Mit der Jahrtausendwende begann für viele Unternehmen der Einstieg in die digitale Aus- und Weiterbildung. E-Training war das Zauberwort und die ultimative Lösung, um Mitarbeiter zu qualifizieren. Allerdings erkennen Unternehmensverantwortliche inzwischen, dass Mitarbeiter viel stärker abgeholt werden müssen und Qualifizierung deutlich relevanter und effizienter gestaltet werden muss.

Auf den ersten Blick zählt das Format Micro-Learning im responsiven Webdesign zu den vielversprechenden technologischen Ansätzen. Dieses Format führt aber nicht zwingend zur besseren Qualifizierung, insofern die verantwortlichen Abteilungen nur die großen, sperrigen und langen E-Trainings in kleinere, etwas besser verdauliche Portionen unterteilen. Die Technologie und das Format dürfen nicht zum Selbstzweck werden. Entscheider müssen sich stets die Frage stellen, ob moderne Medien den Mitarbeitern wirklich dabei helfen, ihre Aufgaben schneller und besser zu lösen. Erzeugen sie eine bessere Beratungsqualität, weniger Unfälle, schnellere Antwortzeiten? Erzeugen sie bestenfalls sogar ein verändertes Verhalten?

Qualifizierung im Wandel – von „Courses to Resources“

Entscheidend ist, dass es mit digitalen Qualifizierungsmaßnahmen gelingt, vom „Content Dumping“ zum „Performance Support“ zu wechseln. Denn für die Mitarbeiter geht es um die Frage, ob sie tatsächlich selbst alles wissen müssen, oder ob es genügt, zu wissen, wo und wie man Unterstützung dabei findet. An diesem Punkt setzt ein neues Denken mit neuen Formaten an. Der Griff zum Smartphone, um etwas nachzuschlagen, gehört heutzutage zum Alltag und ist nicht mehr verpönt. Diese Entwicklung sollten sich Unternehmen bei der Erstellung digitaler Trainings zu Nutze machen: Indem sie gemäß einer Performance-Support-Strategie Ressourcen anbieten. Dabei handelt es sich um schnell auffindbare, digitale Einheiten, die unmittelbar bei der Problemlösung helfen und Mitarbeiter bei ihren täglichen Aufgaben unterstützen.

Damit Qualifizierungsmaßnahmen tatsächlich die Leistung der Mitarbeiter verbessern, müssen sich die Maßnahmen an den Fragen orientieren, die sie sich bei ihrer täglichen Arbeit stellen und dazu passende Antworten geben. Google und YouTube machen es uns vor: How-to-Videos, Erfahrungsberichte und Schritt-für-Schritt-Anleitungen werden millionenfach angefragt. Mit dieser Art der spezifischen und zum passenden Zeitpunkt abrufbaren Informationsvermittlung erwerben Nutzer neue Fähigkeiten und bilden sich dabei kontinuierlich weiter.

Qualifizierungsmaßnahmen designen – eine Checkliste

Möchten Unternehmen ihre Qualifizierungsmaßnahmen erfolgreich neu ausrichten, dient die folgende Checkliste als Hilfestellung und Einstieg.

1. Business-Ziele definieren

Zunächst müssen Unternehmen sich darüber im Klaren sein, was sie mit der Qualifizierungsmaßnahme konkret erreichen möchten – beispielsweise eine zehn prozentige Steigerung der Kundenbewertung der Beratungsqualität im Verkaufsgespräch.

2. Ansatzpunkte für eine Trainingsmaßnahme kennen

Anhand vorliegender Daten und in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Fachabteilungen muss im Folgenden ermittelt werden, was genau Kunden schlecht bewertet haben oder ob Mitarbeiter mangelndes Detailwissen zu einer bestimmten Produktlinie haben.

3. Mitarbeiter in den Entwicklungsprozess mit einbeziehen

Bevor es an die konkrete Planung der Qualifizierungsmaßnahme geht, sollte die bestehende Problematik auch aus der Sicht der Mitarbeiter betrachten werden. Interviews, Online-Befragungen von Mitarbeitern oder ein „Shadowing”, helfen dabei, Schwachstellen in der Kommunikation aufzudecken und konkrete Bedürfnisse für die Weiterbildung zu ermitteln.

4. Ziele der Trainingsmaßnahme definieren

Zur Ideenfindung, welches die passende Maßnahme für das bestehende Problem ist, bietet sich der Einsatz von Kreativmethoden, beispielsweise dem Design-Thinking-Prozess an. Am Ende des Kreativprozesses steht eine anschauliche und verständliche Maßnahme – etwa ein digitales Tool mit anschaulichen Visualisierungen einer Produktlinie, das den Verkäufer im Verkaufsgespräch unterstützt.

5. Innovative Technologien einsetzen

Neben dem Inhalt der E-Learning-Maßnahme ist auch die technische Umsetzung entscheidend für den Erfolg. Denn scheitert der Mitarbeiter bei der Bedienung der Anwendung, ist alle Mühe vergebens. Zum heutigen Standard gehört beispielsweise, dass alle digitalen Medien im responsiven Webdesign erstellt werden und auf allen Endgeräten in bester Qualität verfügbar sind. Es ist sinnvoll, IT-Abteilungen frühzeitig zu involvieren, um etwa die IT-Sicherheit bei Benutzung von Dienst-Smartphones oder BYOD (Bring your own device) abzuklären, sicheres Hosting von geheimen Daten zu gewährleisten und die DSGVO zu beachten.

6. Erfolg messen

Um den Erfolg der Maßnahme skalieren zu können, sollten Unternehmen die Lernerfolge regelmäßig überprüfen. Dies kann über Feedback-Abfragen erfolgen, aber auch Online-Quizzes oder Mitarbeiter-Challenges geben Auskunft über den aktuellen Wissenstand von Angestellten – und motivieren diese eher als standardisierte Fragebögen.

Befähigte Mitarbeiter garantieren Erfolg

Die aktuelle Situation beschleunigt einmal mehr die Verlagerung von offline Präsenztrainings hin zu digitalen Trainingsmaßnahmen – und das ist in Zeiten von Corona – auch gut so. Denn digitale Trainingsmedien bieten Mitarbeitern während der Arbeit die gewünschten Lösungen an. Diese Verlagerung hin zum Digitalen muss aber moderne Ansätze für Qualifizierungsmaßnahmen befolgen. Digitale Schnellschüsse, die am Bedarf der Mitarbeiter vorbeigehen, sind nicht das Gebot der Stunde. Vielfach erprobte und erfolgreiche methodische Ansätze, wie zum Beispiel Design Thinking, sind ideal, um die Zielgruppen besser zu verstehen und auch die digitalen Qualifizierungsmaßnahmen auf dieser Basis anzupassen.

Denn: Moderne, digitale Trainingsstrategien überfrachten Mitarbeiter nicht mit Lernstoff und Inhalten. Stattdessen befähigen sie Angestellte, Aufgaben schnell zu lösen, sich stetig zu verbessern und gewinnbringend an den Unternehmenszielen mitzuwirken. Trainingsabteilungen werden vom reinen Wissens-Provider zum Enabler und damit zum unabdingbaren Baustein einer erfolgreichen Unternehmensstrategie.