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Büroalltag
Umgang mit ständigen Unterbrechungen: Wieso die nette Art nicht immer die Lösung ist
© Andre Hunter

Umgang mit ständigen Unterbrechungen: Wieso die nette Art nicht immer die Lösung ist

Michelle Winner | 12.10.20

Unterbrechungen sind respektlos. Und genau deshalb musst du sie nicht immer mit Höflichkeit quittieren, sondern darfst auch mal auf den Tisch hauen.

Wenn du etwas sagen möchtest, aber deine Worte ständig unterbrochen werden, ist das mehr als nur nervig. Es ist unhöflich, respektlos und oft auch verletzend. Egal ob im Privatleben oder im Job, das ständige Unterbrechen sorgt für eine Menge Frust und Ärger. Das Gute ist aber, dass es Wege gibt, wie du dich wehren kannst – einige davon netter als andere. Doch manchmal ist es nötig auf den Tisch zu hauen, weil viele Unterbrecher es nicht anders lernen. Also trau dich und wehr dich.

Die nette Art

Zunächst zwei Methoden, die Unterbrechern auf höfliche Art und Weise den Wind aus den Segeln nehmen können. Bei vielen können die folgenden Tipps bereits Wunder bewirken.

1. Gib Unterbrechungen keine Chance

Unterbrechungen bedeuten nicht nur, dass dir jemand harsch über den Mund fährt, sondern auch, dass Einwände zu deinen Ideen geäußert werden, bevor du überhaupt ausgesprochen hast. Das ist besonders oft bei Präsentationen und Meetings zu beobachten. Viele Redner werden von den ungefragten Einwürfen aus dem Konzept gebracht, was den Weg für weitere Unterbrechungen frei macht. Um dies jedoch gleich im Keim zu ersticken, kannst du bereits im Voraus darum bitten, mit Fragen und Einwänden bis zum Ende deiner Ausführungen zu warten. Vermittle deinen Kollegen und Vorgesetzten, dass du ihre Meinung später anhören wirst, aber zunächst alles in Ruhe erklären möchtest. Diese einfache Bitte kann bereits vielen Unterbrechern den Wind aus den Segeln nehmen.

2. Bewerte die Unterbrechung

Nicht jede Person, die dich unterbricht, handelt aus einer bösen Absicht heraus. Einige sind jedoch schnelle Denker: Sie haben bereits verstanden, worauf du hinaus willst, und versuchen mit dem Unterbrechen die Diskussion voranzutreiben. Dass sie dich damit stören, ist ihnen oft nicht bewusst. Um souverän auf diesen Fall zu reagieren, empfiehlt es sich den Einwand oder die Frage des Unterbrechers zu bewerten. Nutze die Unterbrechung für Gegenfragen und lenke anhand dieser das Gespräch zurück zu deinem Thema. Diese Methode bringt zwei Vorteile mit sich: Erstens, gewinnst du vielleicht wertvolle Einblicke in die Schwächen deiner Idee und kannst diese eventuell thematisieren oder aus der Welt schaffen. Zweitens, zeigst du dem Unterbecher Wertschätzung, wodurch die Person dich vermutlich nicht noch einmal unterbrechen wird.

Die nicht so nette Art

Nachdem die ersten zwei Methoden jedoch eher zugunsten der Unterbrecher ausfallen und diese nicht direkt auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen, wird es nun Zeit für den Gegenangriff. Anstatt die Unterbrechungen zu dulden, kannst du auch offen zeigen, wie genervt du davon bist.

1. Schalte auf taub

Wenn jemand versucht dich zu unterbrechen, rede einfach weiter. Klingt simpel, kann aber effektiv sein. Dabei solltest du allerdings bedenken, dass dieses Verhalten oft dazu führt, dass beide Parteien immer lauter und lauter werden, bis das Hin und Her meist von einer weiteren Person unterbrochen wird. Im besten Fall bekommt dein Unterbrecher einen Maulkorb verpasst bis du mit deinen Ausführungen fertig bist. Bedenke jedoch, dass es auch umgekehrt ausgehen kann und deinem Gegenredner das Wort gegeben wird. Manchmal merkt der Unterbrecher jedoch auch selbst, dass es an dieser Stelle keinen Sinn hat dich zu unterbrechen und hört von selbst auf dir ins Wort zu fallen.

2. Bitte darum, dich ausreden zu lassen

Wenn jemand nicht aufhört dich zu unterbrechen, musst du manchmal auf den Tisch hauen – wortwörtlich. Penetrante Unterbrecher reagieren meist nur auf die harte Tour. Sei also ruhig mutig, hau auf den Tisch und sage etwas wie „Lass mich erstmal ausreden!“. Natürlich geht das auch in einer weniger aggressiven, netteren Variante. Wichtig bei dieser Methode ist lediglich, dass du mit fester Stimme darum bittest, ausreden zu dürfen. Denn das kann dazu führen, dass der Unterbecher sich peinlich erwischt fühlt und die Person merkt, dass sie sich unhöflich verhalten hat.

Extra Tipp: Sprich das Fehlverhalten des Unterbrechers direkt an. Stelle klar, dass es unhöflich/respektlos/unter aller Sau ist, dass du ständig unterbrochen wirst und verlange dabei, ausreden zu dürfen. Im besten Fall erhältst du sogar Zuspruch der restlichen Zuhörer, was für den Unterbrecher besonders unangenehm sein kann – und die Person vielleicht dazu bringt, beim nächsten Mal ihre Einwände erst zum Schluss zu äußern.

3. Stelle eine Gegenfrage

Wenn du unterbrochen wirst, kannst du auch selbst zum Unterbrecher werden. Falle deinem Gegenüber ins Wort, indem du etwas sagst wie „Darf ich dir eine Frage stellen?“. Unterbrecher hören sich meist gern reden und beantworten ebenso gern Fragen, um damit ihre Kompetenz zu beweisen. Die Person wird also vermutlich aufhören zu sprechen. Anstatt dann aber tatsächlich eine Frage zu stellen, fahre einfach mit deinen Ausführungen fort. Das wird den Unterbrecher mindestens irritieren und im besten Fall auch dafür sorgen, dass die Person fürs Erste den Mund hält.

Eine abgewandelte Version dieser Methode wäre es, tatsächlich eine Frage zu stellen. Beispielsweise könntest du etwas sagen wie „Ist dir bewusst, dass ich zu diesem Einwand später noch gekommen wäre? Sei nicht so ungeduldig.“ Ein passiv-aggressiver Unterton ist hier definitiv erwünscht.

4. Fang an zu lachen

Zugegeben, diese Methode ist nicht einfach umzusetzen, aber durchaus effektiv: Fange einfach an zu lachen, wenn du unterbrochen wirst. Dein Lachen wird deinen Unterbrecher mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus der Bahn werfen und zum Schweigen bringen. Das Problem dabei ist jedoch, dass derjenige oder eine andere Person dich fragen könnte, was denn so lustig wäre. Darauf solltest du vorbereitet sein. Ein „Ich finde es nur witzig, wie unverfroren und unhöflich ich unterbrochen werde“ wäre zum Beispiel eine passable Antwort. Du kannst als Begründung auch sagen, du lachst, weil dein Unterbrecher deine Ausführungen augenscheinlich nicht verstanden hat. Diese Antwort ist noch etwas schärfer formuliert und greift direkt dir Kompetenz deines Gegenübers an. Diese Methode ist jedoch nicht für jeden etwas, denn sie erfordert nicht nur Mut und gewisse Schauspielkünste, sondern auch ein dickes Fell, denn Konflikte können durch sie definitiv entstehen.

Wähle die Methode, die zu dir passt

Nun wird der ein oder andere sicherlich sagen, dass es professioneller wäre, nett zu bleiben und nicht unhöflich auf die Unterbrechung zu reagieren. Aber wäre es nicht auch professionell, das Gegenüber erst ausreden zu lassen? Schließlich lernten die meisten von uns schon als Kinder, dass in einem Gespräch immer nur eine Person spricht. Hinzu kommt, dass ein hohes Frustrationslevel es erlaubt, auch mal einen schärferen Ton anzuschlagen. Besonders bei wiederholten Unterbrechungen der gleichen Person. Gleichzeitig sollte dein Umgang mit Unterbrechungen aber auch zu deiner Persönlichkeit passen. Soll heißen: Wenn du eher zurückhaltend bist und Probleme im Umgang mit Konflikten hast, bleibe lieber bei der netten Art. Denn die weniger netten Varianten beherbergen ein hohes Konfliktpotential. Wenn du gut darin bist, dich zu wehren, dann trau dich gegenzureden. Aber falls nicht, dann bleib höflich – gegebenenfalls mit einer Spur passiver Aggressivität.