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Büroalltag
Tod durch Überarbeitung: Mehr als 700.000 Fälle weltweit

Tod durch Überarbeitung: Mehr als 700.000 Fälle weltweit

Michelle Winner | 18.05.21

Ab 55 Arbeitsstunden pro Woche steigt das Risiko Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bekommen, die im schlimmsten Fall zum Tod führen können. Die WHO schlägt Alarm und fordert bessere Arbeitsschutzmaßnahmen.

Was ist das größte Risiko am Arbeitsplatz? Überarbeitung. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Langzeitstudie der UN, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Auftrag gegeben wurde. Dafür wurden die Daten von über 1,6 Millionen Teilnehmenden aus 154 Ländern organisiert. Es zeigt sich, dass der Tod durch Überarbeitung keine Seltenheit ist.

745.000 Tote durch Überarbeitung

Wusstest du, dass es in Japan einen Namen für den Tod durch Überarbeitung gibt? „Karoshi“ wird dieser dort genannt. In der UN-Studie wurde festgestellt, dass 2016 insgesamt 745.000 Menschen gestorben sind, weil sie mehr als 55 Stunden pro Woche gearbeitet haben. Die Überarbeitung löste Schlaganfälle oder koronare Herzerkrankung aus, die schlussendlich zum Tod führten. Tedros Adhanom, Generalsekretär der WHO, fordert deshalb klare Regularien zum Schutz von berufstätigen Menschen. Die Ergebnisse zeigen weiter, dass sich ab 55 Arbeitsstunden pro Woche das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöht. Ausgelöst wird das Ganze durch körperliche und psychische Belastung, aber auch durch damit einhergehende, indirekte Faktoren wie Schlaf- und Bewegungsmangel, übermäßigen Alkoholkonsum und Rauchen.

Laut der Studie gingen 2016 knapp 23 Millionen gesunde Lebensjahre durch Überarbeitung verloren, wodurch diese ein größerer Risikofaktor als Arbeitsunfälle oder Fehlbelastungen ist. Zu viel zu arbeiten muss also nicht immer mit dem Tod enden, wirkt sich aber in verschiedenster Form auf die Gesundheit aus, sowohl körperlich als auch mental. Offizielle Schutzmaßnahmen und Arbeitslimit, wie Adhanom sie fordert, sind also unabdingbar.

Überarbeitung ist ein globales Problem

Früher wurde „Karoshi“ oft für ein ostasiatisches Problem gehalten, das durch die dort herrschende Arbeitsmoral entsteht. Die UN-Studie zeigt nun aber deutlich, dass Menschen weltweit an Überarbeitung sterben. Insgesamt arbeiten etwa neun Prozent der Weltbevölkerung über 55 Stunden pro Woche. Das Problem entsteht vor allem durch fehlende Arbeitsschutzmaßnahmen sowie fehlende, geregelte Arbeitsverträge und -zeiten. Besonders betroffen sind davon nicht nur Ost- und Südostasien, sondern auch Indien und einige Länder in Afrika und Südamerika. In Europa und Nordamerika ist die Belastung für Arbeitende geringer, weil es dort bessere Arbeitsschutzregelungen gibt. Besonders betroffen sind zudem Männer und ältere Arbeitnehmer:innen.

Frank Pega, Hauptautor der Studie, betont in diesem Zusammenhang, wie wichtig die Etablierung solcher Schutzmaßnahmen ist – schließlich scheinen sie zu helfen. Bereits seit 2000 nimmt die Zahl der Todesfälle durch Überarbeitung zu. Diese Entwicklung wird mit Sorge beobachtet und die anhaltende Coronapandemie könnte die Zahlen noch einmal in die Höhe treiben. Denn die Vermischung von Arbeit und Freizeit durch das Home Office sowie die Belastung durch Stellenkürzungen, Kurzarbeit und fehlende Perspektiven wirken sich auf die Gesundheit aus. WHO und ILO fordern aus diesem Grund, dass bestehende Arbeitsschutzregelungen auch durchgesetzt und fehlende Gesetze verabschiedet werden.

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