Dein wichtigster Touchpoint zur Digitalbranche.
Dein wichtigster Touchpoint zur Digitalbranche.
Büroalltag
Studierende in der Coronakrise: Immer weniger Nebenjobs trotz wachsender Nachfrage

Studierende in der Coronakrise: Immer weniger Nebenjobs trotz wachsender Nachfrage

Michelle Winner | 22.10.20

Die Krise geht an niemandem vorbei und macht auch vor den finanziell Schwachen nicht halt. Immer mehr Studierende werden von finanziellen Problemen geplagt, weil sie ihren Nebenjob verloren haben und die Chancen auf einen neuen gering sind.

Noch immer hat Corona uns fest im Griff und macht auch vor den Studierenden nicht halt. Und wer jetzt sagt vielleicht „Ach, sollen die sich doch freuen, über das bisschen Home Studying“ – so einfach ist das leider nicht. Viele Studenten hat die Coronapandemie in eine Finanzkrise gestürzt, weil ihr Studium sich teilweise zwangsverlängert und sie ihre Nebenjobs verloren haben. Um auf dieses Thema aufmerksam zu machen, hat das Indeed Hiring Lab eine Studie zum Angebot von Studentenjobs in Deutschlands Städten durchgeführt. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

Anzahl der Stellenausschreibungen stark gesunken

Für viele Studierende ist der Nebenjob eine wichtige Haupteinnahmequelle, weil sie sich entweder nicht schon im Studium verschulden wollen oder trotz BAföG und Co. auf einen Nebenverdienst angewiesen sind. Doch die Ausbreitung des Coronavirus führte dazu, dass viele ihre Jobs verloren. Und das nicht nur in der Gastronomie, sondern auch in der Kinderbetreuung, Nachhilfe und generell in Unternehmen, die selbst stark von der Pandemie gegeißelt werden. Doch was tun, wenn man den Nebenjob verloren hat? Einen neuen suchen. Doch genau das gestaltet sich während Corona schwierig, denn das Angebot an verfügbaren Jobs ist deutlich gesunken, so Indeed. Zu diesem Ergebnis führte eine Untersuchung der Menge an Studentenjob-Ausschreibungen auf der Plattform seit Februar.

Untersucht wurde die Lage in den 14 bevölkerungsreichsten Städten Deutschlands. Hoffnung auf vergleichsweise gute Jobchancen haben Studis in Nürnberg und Leipzig, wo die Zahl der Ausschreibungen lediglich um 24 beziehungsweise 26 Prozent zurückging. Auf den Plätzen 3 und 4 folgen dicht hintereinander die Rheinmetropolen Köln (minus 37 Prozent) und Düsseldorf (minus 39 Prozent). Schlusslicht der Auswertung sind überraschenderweise die beiden Wirtschaftsmetropolen Hamburg und Frankfurt am Main, wo die Zahl der Stellenausschreibungen um über 55 Prozent zurückging. Das komplette Ranking zeigt die folgende Grafik:

Große Nachfrage, wenig verfügbare Jobs

Die Jobsuche für Studierende gestaltet sich immer schwieriger. Während es bei allen Jobausschreibungen einen Rückgang von 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gibt, sind es speziell bei den Studentenjobs ganze 51 Prozent. Besonders prekär: Dieser Tiefstand wurde im September erreicht, der Zeit vor dem Semesterbeginn, in der Studierende besonders häufig nach einer neuen Arbeit suchen. Gleichzeitig hat Indeed festgestellt, dass die Suchanfragen nach studentischen Nebenjobs um 47 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind. Die Nachfrage ist als deutlich höher als das Angebot. Dr. Annina Hering, Ökonomin im Indeed Hiring Lab, gibt den Studis einen kleinen Lichtblick:

Studierende müssen sich in diesem Jahr auf eine besonders herausfordernde Jobsuche gefasst machen. Das zeigen unsere Daten deutlich: In der aktuellen Lage ist ein geringer Rückgang an Studentenjobs bereits ein positives Zeichen. […] Auf Studierende wird in Krisenzeiten als erstes verzichtet, um zunächst die Stammbelegschaft sichern zu können. Wenn die Coronakrise überwunden wird, kann das aber auch eine große Chance für Studierende bieten: Sie werden als günstige und flexible Arbeitskräfte gesehen und können Positionen besetzen, die Unternehmen (noch) nicht als befristete oder gar unbefristete Stellen ausschreiben möchten.

Studierende sind laut der Untersuchung jedoch sehr flexibel was das Thema Home Office angeht. 1,9 Prozent ihrer Suchanfragen enthalten den Begriff als Stichwort, während es bei der Gesamtzahl der Suchanfragen nur 0,6 Prozent sind. Hering lobt die Flexibilität der Studierenden und ihre schnelle Reaktion auf die Arbeitsmarktlage. Dies lasse zu, dass die Studis nicht nur in ihrer Studienstadt nach einer Arbeit suchen müssen, sondern sich auch überregional bewerben können und dadurch ihre Chancen auf Erfolg bei der Jobsuche vergrößern. Zusätzlich gibt Hering noch spezielle Tipps für die Jobsuche von Studenten:

  • Flexibel bleiben und über den Tellerrand schauen
  • In Branchen umsehen, die derzeit vermehrt nach Aushilfen suchen (Erziehung und Bildung, Liefer- und Paketdienste, Einzelhandel, Lagerlogistik)
  • Überregional nach Home Office Jobs suchen

Konsequenzen für Studierende können verheerend sein

Der Verlust des Nebenjobs und die Hürden bei der Jobsuche können eine große psychische Belastung für Studierende darstellen. Finanzielle Engpässe machen ihnen das Leben schwer. So müssen sie sich teilweise neu verschulden oder sind wieder vermehrt auf die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen. Hinzu kommt, dass sich durch die Coronakrise das Studium bei einigen Studis verlängert. Das wird vom BAföG-Amt inzwischen akzeptiert, findet jedoch keine Berücksichtigung beim Kindergeld und der Familienversicherung. Heißt, wer das Studium um ein Semester verlängern muss und in diesem Zeitraum 25 Jahre alt wird, muss auf eine weitere finanzielle Unterstützung verzichten und selbst Kassenbeiträge einzahlen.

Umso wichtiger ist es, dass sich die Lage auf dem Markt für Studentenjobs bald wieder bessert und es Unterstützung vonseiten der Unternehmen oder gar der Politik gibt. Denn andernfalls müssen wir mit einer Großzahl junger Talents rechnen, die verschuldet und frustriert in den Arbeitsmarkt einsteigt – genau das sollte es zu verhindern gelten.

Kommentare aus der Community

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*
*

Melde dich jetzt zu unserem HR-Update an und erhalte regelmäßig spannende Artikel, Interviews und Hintergrundberichte aus dem Bereich Human Resources.