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Büroalltag
Mental Load im Home Office: Lässt sich die Belastung messen?
© Finn - Unsplash

Mental Load im Home Office: Lässt sich die Belastung messen?

Michelle Winner | 01.02.21

Für viele fühlt sich die Arbeit im Home Office stressiger an als im Büro. Grund dafür ist die Mehrbelastung durch unsichtbare Aufgaben, die uns stetig im Nacken sitzen.

Wieso kommt uns die Arbeit im Home Office teilweise stressiger vor als im Büro? Es sind doch die gleichen Aufgaben, die erledigt werden müssen – oder? Ja und nein. Tatsächlich ist die sogenannte Mental Load bei der Arbeit von zu Hause aus oft größer. Doch wie entsteht diese zusätzliche Belastung? Und wie lässt sie sich messen und analysieren?

Mental Load: Was ist das überhaupt?

Unter dem Begriff verstehen wir die mentale Belastung, die durch sogenannte unsichtbare Arbeiten und Aufgaben entsteht. Tätigkeiten, die wir neben unseren regulären, bezahlten Arbeitsaufgaben erledigen müssen, beispielsweise den Arbeitsplatz sauber halten, Kaffee für die Belegschaft kochen oder im Home Office den Haushalt organisieren oder sich ums Mittagessen kümmern. Almut Schnerring von der Initiative Equal Care erklärt gegenüber dem Bayrischen Rundfunk:

Es sind dieselben To-Do’s. Es ist eben das Wissen, das Darandenken, das immer auf dem Schirm haben und Vorausplanen von Dingen, für die niemand explizit beauftragt wurde.

Laut Schnerring ist es wichtig, dass sich das Team vor Ort auch dieser unsichtbaren Aufgaben bewusst ist und wahrnimmt, welche Kolleg:innen sich darum kümmern. Die unsichtbare Arbeit sollte die gleiche Wertschätzung erfahren wie die bezahlte. Gleichzeitig soll das Bewusstsein für die Mental Load aber auch dafür sorgen, dass es innerhalb des Teams mehr Verständnis für stressbedingte Ausfälle vor allem im Home Office gibt – beziehungsweise, dass gemeinsam daran gearbeitet wird, diese zu vermeiden. Denn häufig wird die Heimarbeit als stressiger wahrgenommen als die im Büro.

Wie lässt sich die Mental Load messen?

Um festzustellen, wie viel Belastung durch unsichtbare Arbeit du ausgesetzt bist, hat Schnerring einen Selbsttest entwickelt. Diesen kannst du einfach unter diesem Link herunterladen und selbst durchführen. Er besteht aus 50 Fragen zu den Kategorien Sitzungen/Veranstaltungen, Küche, Allgemein, Miteinander, Bad und zusätzliche Ergänzungen zum selbst eintragen. Unter den verschiedenen Kategorien stehen Aufgaben, bei denen du ankreuzen musst, wie oft du sie erledigst: sehr oft, öfter, selten oder nie. Für „sehr oft“ gibt es drei Punkte, für „oft“ zwei, für „selten“ einen und für „nie“ keinen. Je höher dein Ergebnis, desto größer die Mental Load.

Am besten wird der Test vom gesamten Team gemacht und anschließend verglichen. Ursprünglich sollte dadurch vor allem das Bewusstsein für unsichtbare Arbeit steigen und damit auch die Wertschätzung. Heute, nach dem rapiden Anstieg des Home Office, steht etwas anderes im Fokus: Sich der Mehrbelastung durchs Home Office bewusst werden, Verständnis dafür bekommen und ihr entgegenwirken. Schnerring betont dabei, dass diejenigen, die unsichtbare Arbeiten erledigen, dafür oft noch Kritik erfahren oder als selbstverständlich angesehen werden. Egal ob zu Hause oder im Büro. Diese Mentalität muss aufhören, um die Mitarbeiter:innen und ihre Psyche zu schützen.

Die Mental Load senken

Im Büro soll der Selbsttest für Wertschätzung sorgen und auch für eine weitere Aufgabenteilung. Doch wie verhält es sich in den eigenen vier Wänden? Dort treffen häufig bezahlte Arbeit, Haushalt und Kinderbetreuung aufeinander. Im besten Fall kann die unsichtbare Arbeit innerhalb der Familie aufgeteilt werden. Die Kinderbetreuung teilen sich beide Partner:innen gleichermaßen, Haushaltsaufgaben werden aufgeteilt. Zudem sollten letztere besser nach der Arbeit erledigt werden. Doch leider ist das nicht immer möglich. Bei Eltern sorgt die Kinderbetreuung oft für Verzögerungen im Arbeitsablauf. Dadurch werden meist Überstunden in Kauf genommen, wodurch aber der Haushalt nach hinten rückt. Für einige entsteht dadurch eine Art paralleles Arbeiten, bei welchem bezahlte Aufgaben und unsichtbare nebeneinander erledigt werden. Stress und langsameres Vorankommen sind dadurch vorprogrammiert.

Zudem ist die Coronapandemie ist noch nicht vorbei und bis wieder eine Art Normalität eintritt, bleiben die Herausforderungen und die Mehrbelastung im Home Office bestehen. Umso wichtiger ist es, dass sowohl Kolleg:innen als auch Arbeitgeber:innen genau dafür Verständnis zeigen – besonders jene, für die sich durch den Wechsel ins Home Office wenig verändert hat. Wenn es aufgrund der hohen Mental Load zu Ausfällen kommt oder die Arbeit langsamer erledigt wird, sollten die Ursachen ermittelt und als Team bekämpft werden – zum mentalen Wohl aller.

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