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Büroalltag
Kinder sind für Mütter eine Strafe – zumindest beim Thema Einkommen

Kinder sind für Mütter eine Strafe – zumindest beim Thema Einkommen

Michelle Winner | 28.01.19

Tatsächlich wirkt es so, als wenn Mütter für das Kinderkriegen bestraft werden. Die Schuld ist bei unflexiblen Arbeitgebern und veralteten Gesellschaftsnormen zu suchen.

Auch Mütter können Karriere machen. Punkt. An dieser Aussage lässt sich nicht rütteln. Jedoch muss dazu betont werden, dass es vielen von ihnen nicht gelingt, da ihnen meist von Seiten der Arbeitgeber Steine in den Weg gelegt werden. Vor Kurzem haben wir von eben diesen Hindernissen berichtet und sind gleichzeitig darauf eingegangen, dass Kinder kein Karrierekiller sein müssen. Doch der Ökonomieprofessor Josef Zweimüller spricht in einem Interview mit der Süddeutschen sogar davon, dass Kinder sich wie eine Strafe auf das Einkommen von Frauen auswirken. Diese Aussage klingt zunächst hart, ist jedoch keine Kritik an der Familienplanung, sondern an Gesellschaft, Arbeitgebern und Politik.

Einkommenseinbußen nach der Geburt wirken wie eine Bestrafung

Während Väter nach der Geburt ihrer Kinder kaum Probleme mit Karriere oder Gehalt bekommen, fällt es bei den Müttern umso stärker ins Gewicht. Es wirkt fast schon so, als würden die Frauen dafür bestraft werden, ein Kind bekommen zu haben. Genau deshalb haben Zweimüller und seine Kollegen ihre Studie auch „Child Penalties“ genannt. Und die Einkommenseinbußen beziehen sich nicht nur auf die ersten Lebensjahre des Nachwuchses. Selbst zehn Jahre später ist es so, dass Mütter durchschnittlich 61 Prozent weniger Gehalt bekommen, als noch vor der Geburt. Zweimüller meint, selbst nach 15 oder 20 Jahren würde sich nicht viel verändern. Dieser Wert wird vor allem dadurch beeinflusst, dass viele Mütter Zuhause bleiben und sich um die Kindererziehung kümmern. Besonders in den Bundesländern des ehemaligen Westens ist dieser Effekt zu beobachten.

Diese Werte gelten für Deutschland. Grafik: SZ, Quelle: Kleven et al

Jedoch muss dazu gesagt werden, dass Frauen nicht immer freiwillig Zuhause bleiben. In Ballungsgebieten fehlen oftmals Betreuungsangebote und ein Kita-Platz wird zur Glückssache. Hinzu kommt auch noch, dass Arbeitgeber Mütter teilweise regelrecht in Teilzeitstellen drängen oder umgekehrt nicht die nötige Flexibilität zeigen, die Familie und Karriere vereinbar machen würde.

Das Phänomen hat zusätzlich Einfluss auf die Gender Pay Gap

Für die Studie wurden die Länder Deutschland, Schweden, Dänemark, die USA, das Vereinigte Königreich und Österreich verglichen. Dabei wurde festgestellt, dass die Gender Pay Gap zum Karrierebeginn eher gering ist und erst im späteren Verlauf, zumeist nach Geburt des ersten Kindes, wächst. Somit hat das Muttersein einen direkten Einfluss auf das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern. Überraschend ist vor allem, dass es auch in einem Land für Schweden zu 27 Prozent Einkommenseinbußen kommt. Denn eigentlich gilt die dortige Politik als sehr darum bemüht, Beruf und Familie zu vereinen. Noch erschreckender ist jedoch, dass Deutschland dieses negative Ranking anführt.

Grafik: SZ, Quelle: Kleven et al

Die gesellschaftlichen Normen stellen Müttern ein Bein

Mit Kindergeld und Krippenplätzen alleine lassen sich nicht alle Unterschiede aufheben. Wir sehen nämlich auch, dass die Gehaltseinbußen mit den gesellschaftlichen Erwartungen und sozialen Normen einhergehen.

So erklärt Zweimüller im Interview die Ergebnisse seiner Studie. Politische Maßnahmen allein reichen also nicht aus, um Müttern die Hürden aus dem Weg zu nehmen. Denn obwohl gerade in den letzten Jahren Diversity, Gleichberechtigung und Individualität immer mehr angepriesen wurden, hält sich das traditionelle Mutterbild in den Gedanken der Gesellschaft fest, wie auch die folgende Grafik zeigt.

Grafik: SZ, Quelle: Kleven et al

Diese Stagnation von Werten ist traurig. Denn längst gibt es die Möglichkeit, dass auch Väter in Elternzeit gehen können. Oder sich generell dazu entscheiden könnten, sich um die Kinderbetreuung zu kümmern, solange es noch keinen Kita-Platz gibt. Die Beobachtungen der Studie zeigen, dass jedoch einzig in Schweden eine kleine Veränderung zu sehen ist. Dort profitieren die Väter jedoch von einigen Vorteilen, besonders finanzieller Natur, wenn sie sich zur Betreuung ihres Kindes entscheiden. Hinzu kommt, dass die vergleichsweise geringe Babypause keine großen Auswirkungen auf den Karriereverlauf des Vaters hat. Letzteres gilt auch für Väter in Deutschland, die wieder in den Beruf einsteigen.

Müttern steht noch ein langer Weg bevor

Wie man also sehen kann, geht die Gleichberechtigung von Frau und Mann nur schleppend voran, auch wenn es an manchen Stellen gern anders dargestellt wird. Es muss eine Veränderung in den Köpfen der Gesellschaft geben. Zudem muss die Politik eingreifen und beispielsweise versuchen eine Lösung für den Mangel an Betreuungsangeboten zu finden. Und auch Arbeitgeber stehen in der Verantwortung, sich ein Beispiel an modernen Unternehmen zu nehmen, welche Müttern Flexibilität und eine reibungslose Rückintegration ins Berufsleben ermöglichen. Doch solange Frauen im „gebärfähigen Alter“ in Bewerbungsgesprächen immer noch die Frage nach dem Kinderwunsch gestellt wird (was übrigens nicht zulässig ist), haben wir wohl noch einen langen Weg vor uns. Trotzdem sollten Mütter, die Karriere machen wollen, sich nicht unterkriegen lassen und weiter für ihre Ziele kämpfen.

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