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Büroalltag
Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch Corona: Die Kommunikation ist entscheidend

Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch Corona: Die Kommunikation ist entscheidend

Michelle Winner | 14.10.20

Trotz aller Unsicherheiten und Probleme, bringt die Coronakrise auch positive Folgen mit sich. So sind Unternehmen darum bemüht, Eltern bei der Kinderbetreuung zu unterstützen. Auch langfristig?

Die Coronakrise bringt nicht nur Ängste, Sorgen und Probleme mit sich, sondern auch Chancen. So zeigt eine aktuelle Studie von Prognos im Auftrag des Bundesfamilienministeriums, dass eine positive Folge der Pandemie die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist. Und das, obwohl die Schließung von Schulen und Kitas viele Eltern vor Probleme gestellt hat. Im Rahmen der Studie wurden 750 Personalverantwortliche aus Unternehmen mit mindestens zehn Mitarbeitern und dazu noch knapp 1.500 Mütter und Väter mit Kindern unter 15 Jahren befragt.

Kinderbetreuung erfordert Mithilfe des Arbeitgebers

Die Schließung von Schulen und Kitas im März war ein Schock für viele berufstätige Eltern. Die Kinderbetreuung von jetzt auf gleich neu zu organisieren war für 55 Prozent der Befragten schwierig und 20 Prozent davon sind mit der gefundenen Lösung nicht wirklich zufrieden. Immerhin 26 Prozent empfanden die Neuorganisation als einfach. Die häufigste Lösung für die neuen Probleme war die Reduzierung der Arbeitszeit, was 22 Prozent der Mütter und 18 Prozent der Väter betraf. Doch die häusliche Kinderbetreuung und Home Schooling hinterlassen auch Spuren. Während 23 Prozent der Eltern ihr Leben als stressiger empfinden, befürchten 43 Prozent langfristige Nachteile für ihre Kinder durch die Coronakrise.

Umso wichtiger scheint es zu sein, dass die Arbeitgeber Verständnis für die Situation zeigen und ihren Mitarbeitern zur Seite stehen. Insgesamt haben 48 Prozent der Eltern das Gespräch gesucht und erfragt, ob sich Arbeitszeiten oder -ort ändern lassen. Bei 75 Prozent zeigte das Wirkung: Den Mitarbeitern mit Kindern wurde entgegenkommen und sie selbst empfanden das Gespräch als Erleichterung. Bei 19 Prozent der Befragten war ein Zukommen auf den Arbeitgeber jedoch gar nicht notwendig – dieser hat die Probleme in Sachen Kinderbetreuung von selbst erkannt und entsprechende Lösungen gefunden. Aus Sicht der Unternehmen stellt sich die Lage jedoch etwas anders dar. Gerade in kleineren, durch Corona geschwächten Unternehmen, suchten die Eltern seltener das Gespräch, vermutlich aus Angst vor möglichen Konsequenzen durch die prekäre Lage.

© Prognos

Vereinbarkeit braucht Kommunikation

Die Ergebnisse zeigen, dass die interne Kommunikation eine Schlüsselrolle beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf spielt – unabhängig ob vor, während oder nach der Coronakrise. Viele Unternehmen haben ein offenes Ohr für die Herausforderungen ihrer Mitarbeiter, vor allem auch, weil 82 Prozent der Befragten bewusst ist, dass die Kinderbetreuung direkten Einfluss auf die Produktivität des gesamten Teams hat. Lösungen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf können jedoch nur durch eine offene Kommunikationskultur im Unternehmen gefunden werden. Die Krise hat einen Grundstein dafür gelegt, indem nicht nur die Eltern, sondern auch die Unternehmen selbst aktiv geworden sind. Das zeigt auch die folgende Grafik:

Nach eigenen Angaben war es den Unternehmen außerdem wichtig, die Mitarbeiter in die Lösungsfindung mit einzubeziehen, © Prognos

Kinderbetreuung ist nicht nur Aufgabe der Mütter

Die Ergebnisse der Studie zeigen außerdem, dass die traditionelle Rollenverteilung keinen Platz in Krisenzeiten hat. Bei 19 Prozent der Elternpaare ist die Kinderbetreuung inzwischen gleichmäßiger aufgeteilt. Viele Väter packen mit an und suchten ebenfalls das Gespräch mit dem Arbeitgeber: 43 Prozent sprachen an, dass sie etwas an Arbeitszeit und -ort verändern möchten und 31 Prozent arbeiten häufiger von zu Hause aus. Und auch die Unternehmen selbst sprechen sich aktiv gegen die Retraditionalisierung der Elternrollen aus. 78 Prozent von ihnen plädieren für aktive Väter, damit die Arbeitsreduzierung nicht nur an den Müttern hängen bleibt. Ein wichtiger Punkt, wenn bedacht wird, dass Frauen bereits vor der Krise oft in ihrer Karriere behindert wurden, da sie durch die Familienplanung beispielsweise in die Teilzeitfalle gedrängt wurden. Umso freudiger ist es zu sehen, dass auch den Unternehmen selbst die Problematik Rollenverteilung bewusst ist.

© Prognos

Vereinbarkeit von Familie und Beruf „dank“ Corona

Trotz des Bewusstseins dafür, dass die Vereinbarkeit nur durch familienbewusste Personalmaßnahmen erreicht werden kann, hielten viele Unternehmen die Füße still, wie die Studienautoren schreiben. Die Coronakrise machte aber eben solche Maßnahmen plötzlich unverzichtbar. Insgesamt 98 Prozent der befragten Unternehmen haben mindestens einen der folgenden Schritte für ihre Mitarbeiter ergriffen:

  • Individuell vereinbare Arbeitszeiten (50 Prozent vor Corona, 75 Prozent während Corona)
  • Flexible Tages- und Wochenarbeitszeit (46 Prozent vor Corona, 71 Prozent während Corona)
  • Home Office beziehungsweise Telearbeit (23 Prozent vor Corona, 52 Prozent während Corona)
  • Vertrauensarbeitszeit (36 Prozent vor Corona, 44 Prozent während Corona)
  • Flexible Jahres- oder Lebensarbeitszeit (18 Prozent vor Corona, 24 Prozent während Corona)
  • Sabbaticals (6 Prozent vor Corona, unverändert während Corona)
  • Jobsharing (3 Prozent vor Corona, 6 Prozent während Corona)

Diese Maßnahmen wurden auch von den Eltern positiv bemerkt, von denen viele froh über das Verständnis der meisten Arbeitgeber sind:

© Prognos

Schlussendlich bleibt abzuwarten, ob diese positiven Entwicklungen hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch nach Corona fortbestehen. Eventuell sehen einige Arbeitgeber sie derzeit nur als nötigen Schritt während der Krise und weichen schon jetzt, wo die Schulen und viele Kitas wieder geöffnet sind, von ihrem Kurs ab. Da das Virus uns jedoch noch mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Weile begleiten wird, ist anzunehmen, dass die beschriebenen Maßnahmen noch länger erhalten bleiben. Schließlich kann es bei Verschlechterung der Lage jederzeit wieder zu Schließungen kommen. Am Ende der Krise gelten die Maßnahmen vielleicht als etabliert und werden Teil des „New Normal“ der Post-Corona-Zeit werden. Wünschenswert dürfte dies für Familien alle mal sein.

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