Die VUCA-Welt – Eine Herausforderung für Führungskräfte

Die moderne Arbeitswelt ist einem ständigen Wandel unterworfen – heute mehr denn je. Doch wie stellen wir uns den Herausforderungen der VUCA-Welt am besten?

© Florian Steciuk - Unsplash

VUCA setzt sich aus den englischen Wörtern volatility (Volatilität, Flüchtigkeit), uncertainty (Unsicherheit), complexity (Komplexität) und ambiguity (Mehrdeutigkeit) zusammen. Seinen Ursprung findet der Begriff in den 90er Jahren an einer US-amerikanischen Militärhochschule, wo er zunächst die unsichere Situation nach dem Ende des Kalten Krieges beschreibt. Später wurde VUCA für die strategische Führung von Hochschulen und Unternehmen übernommen.

Dafür steht Vuca in unserem heutigen Arbeitsleben

Heute bezieht sich der Begriff auf die immer komplexer werdenden Zusammenhänge in unserer modernen Arbeitswelt und beschreibt unter anderem die wachsende Unsicherheit im Zuge der Digitalisierung.

  • Volatility: Innovation und Wandel schreiten mit wachsender Geschwindigkeit fort, Produkte und Prozesse ändern sich beinahe täglich, ein fester Kundenstamm und bekannte Wettbewerber fallen weg.
  • Uncertainty: Durch diese Schnelllebigkeit sind Prozesse nicht mehr vorhersehbar – eine langfristige Planung ist kaum noch möglich. Der eigene Erfahrungsschatz kann nicht länger als Grundlage für Prognosen gelten.
  • Complexity: Die Digitalisierung, der multilaterale Markt und die universale Verfügbarkeit von Wissen lassen Sachverhalte vielschichtiger werden. Komplikationen sind immer schwerer zu verstehen – ihre Auswirkungen kaum abzuschätzen.
  • Ambiguity: Die Kette von Ursache und Wirkung löst sich auf. Situationen lassen sich in mehrere Richtungen deuten, Entscheidungen ziehen viele potenzielle Konsequenzen nach sich.

VUCA beschreibt also die veränderten Bedingungen, mit denen Unternehmen in der digitalisierten Arbeitswelt umgehen müssen. Management und Führungsebenen haben die schwierige Aufgabe, Unternehmen und Mitarbeiter sicher durch diese VUCA-Welt zu steuern und den permanenten Wandel aktiv zu gestalten.

Anforderungen an Führung und Management

Ohne standardisierte Lösungen und langfristig verlässliche Prognosen, stoßen die herkömmlichen Führungsmethoden an ihre Grenzen. Im Sinne der Unternehmensziele und zum Wohl der Mitarbeiter sind Unternehmen daher gezwungen, ihre bisherigen Führungsstrategien über Bord zu werfen. Gefragt sind neue, individuelle Lösungen, mit denen sie sich auf dem Markt behaupten können. So erklärt Melanie Vogel von der Agentur ohne Namen Gmbh:

Der Tendenz zu VUCA kann man nicht mit […] bisher allgemein gültigen Managementstrategien […] begegnen. Lineare Lösungen, lineares Denken, lineares Management und lineare Karrieren sind […] keine Lösung, sondern ein Problem.

Grundsätzlich bedeutet das: Unternehmen müssen sich auf neue Märkte einstellen und diversifizieren, flexibel agieren und anpassungsfähig bleiben. Das erfordert die Bereitschaft, sich permanent weiterzuentwickeln und Neues zu lernen – sowohl beim Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber. Dabei sieht die VUCA-Methode einen Human-Centered-Design-Ansatz vor, bei dem sich die Unternehmen am besten entwickeln, wenn sie alle Beteiligten mit einbeziehen und eigenverantwortlich mitgestalten.

VUCA mit VUCA begegnen

Eine Strategie der unsicheren VUCA-Welt zu begegnen ist, ihr einen neuen, positiven VUCA-Begriff entgegenzusetzen: Sie deutet das Akronym in vision (Vision), understanding (Verstehen), clarity (Klarheit) und agility (Agilität) um:

  • Vision : Um der Flüchtigkeit etwas entgegenzusetzen, bedarf es einer klar formulierten Vision, die Mitarbeiter motiviert und Identifikation und Sinn stiftet.
  • Understanding: Unsicherheiten zu begegnen heißt, Kontexte zu berücksichtigen, ein Gespür für Verhalten zu entwickeln und Lösungen daraus abzuleiten.
  • Clarity: Der Umgang mit Komplexität erfordert, den Fokus zu wahren und gleichzeitig kreativ zu sein, um seine Ziele zu realisieren. Wichtig ist, diese Zusammenhänge und Prozesse möglichst klar und transparent zu vermitteln.
  • Agility: Mehrdeutigkeit zu begegnen heißt, flexibel zu bleiben und Fehler zulassen zu können. Dafür sollten Entscheidungsfindungen und Innovation möglichst agil gehalten und im Unternehmen gefördert werden.

VUCA mit VOPA+ begegnen

Eine andere Antwort auf die VUCA-Welt gibt das VOPA+-Modell des Wirtschaftswissenschaftlers Dr. Willms Buhse. Der Begriff – ebenfalls ein Akronym – leitet sich aus Vernetzung, Offenheit, Partizipation und Agilität plus Vertrauen ab und beschreibt einen agilen Führungsansatz.

Der VOPA+-Ansatz sieht eine Chance für den Wandel vor allem in stark vernetzten Kanälen und Ressourcen und der Bildung interdisziplinärer Teams. Das bedeutet eine klarere Definition von Zuständigkeiten und Zielen – aber eben auch mehr Teilhabe und eigenverantwortliches Arbeiten. Die Kernpunkte von VOPA+ beschreiben im Prinzip eine Form der Unternehmenskultur:

  • offene Kommunikation fördern
  • Zusammenarbeit in multidisziplinären Teams ermöglichen
  • konsequenter Zugang zu Informationen bieten
  • autonomes Arbeiten ermöglichen und Eigenverantwortung stärken
  • klare Zwischenziele definieren
  • auf die festgelegten Ziele konzentrieren – nicht auf das Stundenkonto

Vor- und Nachteile von VUCA

Kritiker sehen in der VUCA-Methode eine allzu starke Vereinfachung der tatsächlichen Situation. VUCA ist kein universelles Patentrezept. Statt als allgemeingültige Checkliste zum Abhaken, können die einzelnen Begriffe nur individuell interpretiert werden – je nach Situation im Unternehmen. Aber die Formel hilft dabei, bei Führungskräften Verständnis für Veränderung aufzubringen und sie für den Paradigmenwechsel zu sensibilisieren.

Der Fokus liegt demnach auf den neuen Kompetenzen von Führungskräften. Sie müssen lernen, empathisch zu sein, sich in die Mitarbeiter hineinzuversetzen und deren Ängste und Sorgen zu verstehen. Außerdem sollten sie lernen zu akzeptieren, dass Prozesse nicht mehr bis ins Detail durchgeplant werden können. In der VUCA-Welt gehört eine gesunde Fehlerkultur dazu und kann als Teil der Veränderung und Chance für Neues gesehen werden. Und genau diese Chance für Neues ist es, die wir ergreifen müssen. Nur so können sich Unternehmen und Mitarbeiter dem Wandel der Arbeitswelt erfolgreich anpassen.

Über Sarah Steinberg

Sarah ist Medienwissenschaftlerin und Soziologin und arbeitet, nach einem Abstecher in die Verlagsbranche, als Online-Redakteurin für eine Content-Marketing-Agentur. Seit 2016 schreibt sie nebenher als freie Redakteurin über Themen aus den Bereichen Bildung und Karriere, Gesellschaft und Marketing.

Sarah Steinberg

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