Vorstellungsgespräch #4: „Moinmoin“ – Vorstellungs- und Begrüßungsknigge

Die Begrüßung im Vorstellungsgespräch ist der wichtigste Moment im Bewerbungsprozess. Wir verraten dir, wie du deinen Traumjob ergatterst.

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Maximal sieben Sekunden soll das Gehirn benötigen, um sich einen ersten Eindruck von einem Menschen zu machen. Andere sprechen sogar von gerade einmal einer Zehntelsekunde. So auch Fanny Jimenez, die in der „Welt“ weiter ausführt, dass eben dieser erste Eindruck nicht nur bleibend, sondern in den meisten Fällen sogar völlig korrekt ist. Aus diesem Grund lässt sich das Bild, welches sich ein Personaler von dir in den ersten wenigen Sekunden eines Vorstellungsgesprächs macht, im anschließenden Interview kaum noch ändern, selbst wenn dieses eine halbe, ganze oder sogar mehrere Stunden gehen sollte. Sieben Sekunden…mehr als ein einfaches „Hallo“ oder ein kurzer Satz lassen sich in dieser Zeit nicht herausbringen. Wie also kannst du diese wohl wichtigsten Sekunden im Vorstellungsgespräch nutzen, um einen positiven Eindruck zu hinterlassen und so deine Jobchancen drastisch zu erhöhen?

Der erste Eindruck ist unbewusst, aber in den meisten Fällen korrekt

Natürlich wird der Personaler dich im Bewerbungsgespräch besonders genau mustern. Trotzdem bildet sich das Gehirn den ersten Eindruck innerhalb von dem Bruchteil einer Sekunde vollautomatisch und damit unbewusst. Hierfür scannt es in rasend schneller Geschwindigkeit deine äußere Erscheinung, die Körperhaltung, Mimik, Gestik sowie eventuell deine Stimme, Tonlage oder auch die gesprochenen Worte ab. Ob du selbstsicher wirkst oder nervös zitterst, deine Stimme heiser klingt oder tiefenentspannt, du schwitzt oder mit gesenkten Schultern auf den Boden blickst – all diese und zahlreiche weitere Faktoren werden zu einem großen Puzzle und damit dem ersten, bleibenden Eindruck zusammengesetzt. Hierbei greift das Gehirn auf Erfahrungswerte zurück. Bereits in den ersten Lebensmonaten lernen Kinder die Gestik, Mimik und Sprache der Eltern sowie ihres sozialen Umfelds zu deuten und richtig einzuordnen. Mit steigendem Lebensalter optimiert der Mensch diese Gabe immer weiter. Tatsächlich stellt sich der erste Eindruck in den meisten Fällen als korrekt heraus, wie eine an der Princeton University durchgeführte Studie beweist.

Die Begrüßung im Vorstellungsgespräch kann über Erfolg oder Misserfolg entscheiden

Der erste Augenkontakt, das strahlende Lächeln und der kräftige Handshake sind aus diesem Grund der wichtigste Moment jedes Bewerbungsgesprächs und können über deine berufliche Zukunft entscheiden. Weiterhin ist diese Begrüßung nicht nur der tragende Moment im Vorstellungsgespräch, sondern sogar im gesamten Bewerbungsprozess. Eine auf Statista veröffentlichte Umfrage beweist nämlich, dass der Eindruck eines Bewerbers im Vorstellungsgespräch den größten Einfluss auf die Einstellungsentscheidung eines HR-Managers hat. Er ist sogar wichtiger als der Lebenslauf, das Assessment Center oder persönliche Empfehlung.

Infografik: Der Weg zum neuen Job | Statista
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Doch genug der Theorie: Wie kannst du in der Praxis überzeugen und einen positiven ersten Eindruck abliefern?

Vorstellungs- und Begrüßungsknigge im Bewerbungsgespräch

Bei der Begrüßung im Vorstellungsgespräch gibt es allerhand Details zu beachten. Schlussendlich ist es das Gesamtbild, welches einen positiven ersten Eindruck erzeugt – oder eben nicht. Mit folgendem Begrüßungsknigge für das Bewerbungsgespräch näherst du dich Schritt für Schritt der Zusage für deinen neuen Traumjob:

  • Selbstbewusste Körperhaltung: Denke daran, dass der Personaler dich vielleicht schon im Blick hat, wenn du dich noch unbeobachtet fühlst. Er könnte der rauchende Anzugträger vor der Eingangstür sein, wenn du gerade erst zu Rezeption läufst, oder er mustert dich durch die Glaswand aus seinem Büro, während du verträumt aus dem Fenster blickst und wartest. Sobald du in Sichtweite des Unternehmens bist, gilt daher: Nimm eine selbstbewusste Körperhaltung ein und verhalte dich professionell.
  • Augenkontakt suchen: Manchmal führt dich die Sekretärin bereits in den Meetingraum, ein andermal wirst du vom Personaler direkt an der Rezeption angeholt. Egal, ob du also sitzt oder stehst, die Tür aufgeht oder dein Gesprächspartner durch einen langen Flur auf dich zukommt: Sobald er in Sichtweite ist, solltest du Augenkontakt suchen. Blickkontakt steht für Aufrichtigkeit, Selbstbewusstsein und Interesse. Halte ihn daher vom ersten bis zum letzten Moment des Vorstellungsgesprächs. Kurz wegsehen ist natürlich erlaubt, zum Beispiel für schnelle Notizen, sonst verfällst du eventuell in ein „seltsames Starren“. Fühlst du dich mit dem Augenkontakt noch unsicher, kannst du vorher mit Freunden oder der Familie etwas üben.
  • Zurückhaltendes Lächeln: Ein freundliches Lächeln öffnet jede Tür. Sobald du daher den ersten Augenkontakt hergestellt hast, ist es an der Zeit, dein Gegenüber anzulächeln. Das lässt dich sympathischer wirken und sorgt für eine angenehmere Gesprächsatmosphäre. Auch hier gilt es – ebenso wie beim Blickkontakt – das richtige Maß zu finden. Wer zu wenig lächelt, könnte als unsympathisch wahrgenommen werden, wer zu viel lächelt hingegen als nervös oder Kasper, der das Bewerbungsgespräch auf die leichte Schulter nimmt. Dieses „professionelle, zurückhaltende Lächeln“ kannst du perfekt vor dem Spiegel oder ebenfalls mit Familie und Freunden üben.
  • Niemals im Sitzen grüßen: Wartest du bereits im Gesprächszimmer auf die Personaler, hast du zwei Möglichkeiten: Du kannst im Stehen warten oder schon einmal Platz nehmen. Letzteres ist vor allem dann üblich, wenn der Mitarbeiter oder die Sekretärin – je nachdem, wer dich in den Raum geleitet hat – dir einen Sitzplatz anbietet. Wichtig ist dann, dass du dich unbedingt erhebst, sobald eine Person den Raum betritt. Den Gesprächspartner im Sitzen zu begrüßen, ist unhöflich und im Berufsleben ein echter Fauxpas.
  • Der Bewerber grüßt zuerst: Prinzipiell wird im Geschäftsleben der Hierarchie folgend gegrüßt. Das bedeutet, dass du als Bewerber und damit Rangniedrigster im Vorstellungsgespräch das Wort ergreifst und den Personaler beziehungsweise die weiteren Gesprächsteilnehmer grüßt. Allerdings wird das in der Praxis mittlerweile auch immer öfter andersherum gehandhabt. Kommt der Personaler also strahlend auf dich zu, streckt dir die Hand entgegen und grüßt dich, folgst du natürlich seinem Beispiel und fällst ihm nicht ins Wort, sondern wartest, bis du an der Reihe bist.
  • Ladies first: Nicht immer seid ihr beim Vorstellungsgespräch nur zu zweit. Kommen also zwei oder mehr Personaler auf dich zu, gilt es unbedingt die Damen zuerst zu begrüßen. „Ladies first“ ist eines der wichtigsten Höflichkeitsgebote im deutschen Kulturraum.
  • Der feste Händedruck: Ebenso ist es in Deutschland üblich, sich mit dem klassischen „Handshake“ zu begrüßen. Ein fester Händedruck steht für Selbstbewusstsein. Gleichzeitig darfst du die Hand deines Gegenübers aber auf keinen Fall schmerzhaft quetschen. Gerade bei zarten Frauenhänden ist Fingerspitzengefühl gefragt.
  • Die richtige Vorstellung: Simultan zum Händedruck ist es an der Zeit für die erste Vorstellung. Gerne kannst du hierfür deinen Vor- und Nachnamen nennen. Titel oder Zusätze, wie „Herr“ oder „Frau“ sind hingegen unüblich. Sag also mit angemessen lauter, klarer Stimme: „Guten Tag, ich bin Michael Müller. Es freut mich, Sie kennenzulernen“. Gar nicht so schwierig, oder?

Dieser Artikel ist der vierte und letzte unserer Serie zu Vorstellungsgesprächen. Hier kommt ihr direkt zu den weiteren Beiträgen:

Vorstellungsgespräch #1: „Ring Ring“ – Das telefonische Jobinterview meistern

Vorstellungsgespräch #2:  Achtung vor der „Gender-Falle“ – unsere Tipps für Frauen

Vorstellungsgespräch #3:  (Not-) Lüge erlaubt – Diese Dinge musst du nicht verraten

Über Mirijam Franke

Mirijam Franke

Mirijam Franke hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich als freiberufliche Texterin. Im Rahmen ihres Studiums der Medienwirtschaft kam sie erstmalig mit dem Thema Online Marketing in Berührung und konnte sich seither mit viel eigener Erfahrung, Mut zum Klartext und einem Augenzwinkern in den Bereichen Marketing, Arbeit, Startups, HR und Work-Life-Balance deutschlandweit einen Namen machen. Seit Mai 2016 ist sie Redakteurin bei OnlineMarketing.de.

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