Vorstellungsgespräch #1: „Ring Ring“ – Das telefonische Jobinterview meistern

Irgendwann zwischen Einsendung deiner Bewerbungsunterlagen und Vorstellungsgespräch könnte dein Telefon für ein Jobinterview klingeln. Was das bedeutet?

Telefonisches Jobinterview

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Immer mehr Unternehmen führen derzeit das sogenannte telefonische Jobinterview ein. Dieses stellt allerdings keinen Ersatz des Bewerbungsgesprächs dar, sondern ist in der Regel als Zwischenstufe zu werten. Wer also überhaupt zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden will, muss schon am Telefon überzeugen. Auf die leichte Schulter nehmen solltest du das telefonische Jobinterview daher nicht. Im Gegenteil: Eine gute Vorbereitung sowie die Beachtung unserer Dos und Don’ts sind das A und O für deinen Erfolg am Telefon.

Welchem Zweck dient so ein telefonisches Jobinterview?

Je nach Jobausschreibung, Branche und Unternehmen, liegen einem Personaler schon einmal mehrere dutzend bis hunderte Bewerbungen auf eine Stellenanzeige vor. Nach dem ersten Aussortieren anhand der eingesendeten Bewerbungsunterlagen bleiben dann häufig immer noch viel zu viele potentielle Kandidaten übrig oder einige ungeklärte Fragen offen. Die Lösung lautet daher: telefonisches Jobinterview. Es ist also als eine Art „Pre-Bewerbungsgespräch“ zu betrachten. Kannst du hier nicht überzeugen, wirst du gar nicht erst zum persönlichen Kennenlernen eingeladen. Das telefonische Jobinterview nimmt daher eine immer wichtigere Stellung im Auswahlprozess ein und ist für dich in erster Linie ein gutes Zeichen, denn offensichtlich hat das Unternehmen prinzipiell Interesse an dir als Arbeitskraft. Kannst du überzeugen, so werden dir am Ende des Telefongesprächs manchmal direkt Terminvorschläge für ein Vorstellungsgespräch offeriert. Wie du das schaffst, möchten wir dir jetzt erklären.

Wie kannst du dich auf den Anruf vorbereiten?

Den Termin für ein telefonisches Jobinterview erhältst du in der Regel im Voraus. Das ein oder andere Unternehmen setzt aber auch auf den Überraschungseffekt. Du solltest daher auf alle Eventualitäten gefasst sein und dich für jedes Unternehmen, bei welchem du dich beworben hast, vorsorglich auf ein telefonisches Jobinterview vorbereiten. Aber wie eigentlich? Prinzipiell sieht die Vorbereitung genauso aus wie für ein persönliches Bewerbungsgespräch auch:

  • Richte eine seriöse Mailboxnachricht auf deinem Smartphone oder Telefon ein – falls noch nicht geschehen.
  • Sammle Informationen über das Unternehmen, zum Beispiel hinsichtlich seiner Ziele, Werte und Tätigkeitsbereiche.
  • Du solltest spontan erläutern können, weshalb du bei genau diesem Unternehmen arbeiten möchtest.
  • Ebenso ist es wichtig, dass du darlegen kannst, warum gerade du der perfekte Bewerber auf die ausgeschriebene Stelle bist.
  • Dazu gehört auch, dass du plausible Erklärungen für eventuelle Unstimmigkeiten, Lücken oder sonstige Besonderheiten in deiner Bewerbung parat hast, denn diese werden jedem professionellen Personaler sofort ins Auge springen.
  • Hierfür solltest du also unbedingt auch dein Bewerberprofil, die Argumente aus deinem Anschreiben sowie deinen Lebenslauf aus dem Effeff beherrschen.
  • Zuletzt können natürlich auch im telefonischen Jobinterview die Standardfragen eines Bewerbungsgespräches gestellt werden, zum Beispiel jene nach deinen Stärken und Schwächen.

Je eher du abschätzen kannst, was beim telefonischen Jobinterview auf dich zukommt, umso besser kannst du dich darauf vorbereiten. Wir haben dir deshalb einmal den „typischen“ Ablauf dieses Bewerbungsgespräches via Telefon sowie häufige Fragen zusammengetragen.

„Ring Ring“ – und jetzt? Ablauf des telefonischen Jobinterviews

Es ist soweit, der vorab vereinbarte Termin naht oder das Telefon klingelt völlig unerwartet: Was nun?

  1. Halte dir bestenfalls eine ganze Stunde frei, auch wenn das eigentliche Telefonat in der Regel nur 15 bis 45 Minuten dauert.
  2. Sollte dich der Anruf in einer unpassenden Situation überraschen, bitte um die Verlegung auf einen geeigneteren Termin.
  3. Nun überlässt du erst einmal deinem Gesprächspartner die Führung. Dieser wird nach einer kurzen Begrüßung mit verschiedenen Fragen beginnen.
  4. Zu Beginn sind das in der Regel jene nach deiner Person, zu deinem beruflichen Werdegang sowie den Beweggründen für deine Bewerbung bei dem jeweiligen Unternehmen.
  5. Es folgen gegebenenfalls tiefergehende Fragen bezüglich deiner Motivation, Qualifikation oder Berufserfahrung.
  6. Auch weitere Themen, wie deine Mobilität, deine Bereitschaft zu einem Ortswechsel, zu Auslandseinsätzen oder selbst deine Fremdsprachenkenntnisse, können im telefonischen Jobinterview aufgegriffen werden.
  7. Rechne damit, dass die Angaben zu deinen Fremdsprachenkenntnissen „live“ überprüft werden. Wenn du also behauptest, Englisch „verhandlungssicher“ zu sprechen, so musst du auch mit einem plötzlichen Wechsel der Sprache von Deutsch auf Englisch rechnen und solltest dann in der Lage sein, das Jobinterview unbeirrt fortführen zu können.
  8. Doch nicht nur für die Überprüfung deiner Angaben, sondern auch zur Klärung von Unklarheiten nutzen viele Unternehmen das telefonische Jobinterview. Dies können zum Beispiel Lücken im Lebenslauf sein, häufige Jobwechsel oder eine berufliche Neuorientierung in der Vergangenheit.
  9. Abschließend wird sich der Personaler von dir verabschieden und dir Informationen zum weiteren Ablauf des Auswahlprozesses geben. Manch einmal – wenn du überzeugen konntest – folgen direkt Terminvorschläge für das Vorstellungsgespräch. Sollte dies nicht der Fall sein, bedeutet das noch nicht automatisch eine Absage. Viele Personaler wollen das Gespräch erst einmal Revue passieren lassen, ihre Entscheidung überdenken oder mit weiteren Entscheidungsträgern abstimmen.
  10. Für dich heißt es nun also: Geduldig sein und warten! Gerne darfst du aber nach zehn bis 14 Tagen telefonisch oder schriftlich nachhaken und noch einmal dein Interesse bekunden, solltest du bis dahin keinerlei Rückmeldung von dem Unternehmen erhalten haben.

Mit welchen Fragen du im telefonischen Jobinterview rechnen musst

Wie bereits erwähnt, nutzen viele Unternehmen das telefonische Jobinterview, um vorab eventuelle Unklarheiten zu klären oder deine Angaben zu überprüfen – und so eventuell allen Beteiligten den finanziellen und zeitlichen Aufwand für ein Vorstellungsgespräch zu sparen. Auch fehlende Informationen holen Personaler gerne telefonisch ein, wenn zum Beispiel die in der Stellenausschreibung geforderte Gehaltsangabe in deiner Bewerbung fehlt. Sollte das Telefonat aber zusätzlich als „kleines Bewerbungsgespräch“ vorab geführt werden, musst du auch mit den klassischen Fragen eines Vorstellungsgesprächs rechnen und solltest diese souverän beantworten können:

  • Was kannst du zu dir als Person und deinem Werdegang erzählen?
  • Über welche Berufserfahrungen und Qualifikationen verfügst du?
  • Warum bist du überhaupt auf Stellensuche?
  • Was hat dich zur Bewerbung bei dem Unternehmen bewogen?
  • Weshalb bist gerade du der geeignete Bewerber für die Stelle?
  • Welche sind deine Stärken und Schwächen?
  • Wo siehst du dich in fünf oder zehn Jahren?

Doch nicht nur die Klassiker des Bewerbungsgesprächs, sondern auch branchenspezifische Fragen oder Aufgaben sind im telefonischen Jobinterview keine Seltenheit. Solltest du dich also zum Beispiel für eine Stellenanzeige im Verkauf beworben haben, darfst du kurzerhand deinem Gesprächspartner ein Produkt via Telefon schmackhaft machen. In der Werbebranche sollst du vielleicht eine Idee für eine neue Kampagne skizzieren oder als IT-Profi hat dein telefonisches Gegenüber „plötzlich Probleme“ mit seinem Laptop und wünscht einen Rat von dir. Noch fieser wird es, wenn der Personaler dich gezielt aus der Fassung zu bringen versucht. Doch keine Sorge, solche Psycho-Tricks gehören bei vielen Unternehmen zum normalen Auswahlprozess. Wenn du dich nicht reizen lässt und stets sachlich sowie professionell bleibst, kann eigentlich nichts schiefgehen. Weitere Dos und Don’ts für dein Verhalten im telefonischen Jobinterview sind:

Dos – so überzeugt du via Telefon

  • Höre konzentriert zu und antworte gezielt auf die gestellten Fragen, mit allen wichtigen Informationen, aber ohne unnötige Abschweifungen.
  • Wenn passend, lass gerne durchscheinen, dass du dich auf das Gespräch vorbereitet und über das Unternehmen informiert hast.
  • Achte auf ein selbstbewusstes Auftreten.
  • Bitte bei einem überraschenden Telefonanruf lieber um einen geeigneteren Termin, wenn es gerade ungünstig sein sollte.
  • Führe das Jobinterview also immer nur in ungestörtem Umfeld und mit ausreichend Zeitpuffer, sodass du dich optimal konzentrieren kannst.
  • In der Aufregung kann es durchaus passieren, dass du einen trockenen Mund bekommst. Stelle dir deshalb stets ein Glas Wasser bereit.
  • Apropos Wasser: In der Nervosität neigen wir gerne dazu, wie ein Wasserfall zu sprechen. Achte deshalb auf eine langsame und deutliche Artikulation.
  • Du solltest so viel wie möglich lächeln – auch wenn dein Gegenüber es nicht sehen kann, es sei dir versichert, dass der Personaler dies hört und du automatisch sympathischer wirkst.
  • Deine Sympathie kannst du zudem dadurch erhöhen, dass du deinen Gesprächspartner mit dem Namen anspricht und so trotz der Distanz über das Telefon eine persönliche Nähe kreierst.
  • Du bist nicht nur passiver Teilnehmer dieses Telefonats, sondern darfst gerne auch aktiv Fragen stellen und dich beteiligen.
  • Unser Geheimtipp lautet: Gib eine Festnetz- anstelle der Mobilnummer an und leg dir alle wichtigen Informationen aus deiner Vorbereitung neben das Telefon. So gehst du sicher, dass du ungestört bist und selbst bei einem nervositätsbedingten Blackout im telefonischen Jobinterview überzeugst!

Don’ts – was du im telefonischen Jobinterview lieber nicht tun solltest

  • Anekdoten aus deinem Privatleben erzählen oder auf eine Frage mit deiner halben Lebensgeschichte antworten.
  • zu arrogant oder übertrieben bescheiden auftreten
  • das Gespräch auf die leichte Schulter nehmen
  • Witze reißen
  • dich während des Telefonats mit anderen Personen im Raum unterhalten
  • das Jobinterview unterwegs, im Bus oder sogar während dem Autofahren führen
  • deinem Gesprächspartner ins Wort fallen
  • in einen lockeren Umgangston verfallen
  • fluchen
  • völlig unvorbereitet sein
  • ein rein passives Frage-Antwort-Spiel führen
  • nach dem Gehalt oder deinem Urlaubsanspruch fragen

Mit einer guten Vorbereitung, Höflichkeit und Sympathie kann im telefonischen Jobinterview eigentlich nichts mehr schiefgehen. Lass dich zudem nicht allzu sehr unter Druck setzen: Die Personaler haben deine Kompetenzen im Blick und werden von dir als Maschinenbauer nicht erwarten, dass du „der geborene Telefonierer“ bist. Oder welche Erfahrungen hast du bereits mit dem telefonischen Jobinterview gemacht? Welche persönlichen Tipps und Tricks kannst du unseren Lesern dadurch mit auf den Weg geben?

Dieser Artikel ist der erste unserer vierteiligen Serie zu Vorstellungsgesprächen. Hier kommt ihr direkt zu den weiteren Beiträgen:

Vorstellungsgespräch #2:  Achtung vor der „Gender-Falle“ – unsere Tipps für Frauen

Vorstellungsgespräch #3:  (Not-) Lüge erlaubt – Diese Dinge musst du nicht verraten

Vorstellungsgespräch #4:  „Moinmoin“ – Vorstellungs- und Begrüßungsknigge

Über Mirijam Franke

Mirijam Franke

Mirijam Franke hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich als freiberufliche Texterin. Im Rahmen ihres Studiums der Medienwirtschaft kam sie erstmalig mit dem Thema Online Marketing in Berührung und konnte sich seither mit viel eigener Erfahrung, Mut zum Klartext und einem Augenzwinkern in den Bereichen Marketing, Arbeit, Startups, HR und Work-Life-Balance deutschlandweit einen Namen machen. Seit Mai 2016 ist sie Redakteurin bei OnlineMarketing.de.

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