Vorstellungsgespräch #2: Achtung vor der „Gender-Falle“ – unsere Tipps für Frauen

Fragen zur Familienplanung? Ein zu kurzer Rock? Wir verraten dir, welche ganz besonderen Hürden beim Vorstellungsgespräch auf Frauen warten.

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Ein Jobinterview ist für jeden Bewerber eine Ausnahmesituation. Frauen haben aber oftmals noch mehr Grund zur Aufregung, vor allem dann, wenn sie sich noch in der Familienplanung oder im sogenannten „gebärfähigen Alter“ befinden. Was, wenn der Personaler plötzlich nach deinem Kinderwunsch fragt? Und welcher ist überhaupt der geeignete Dresscode? Wir haben für dich die häufigsten Fragen an Frauen im Bewerbungsgespräch, die besten Tipps für deine Kleiderwahl sowie zahlreiche weitere praktische Anregungen zum Vorstellungsgespräch speziell für Frauen zusammengetragen.

Das Einmaleins der häufigsten Fragen an weibliche Bewerberinnen

Frage 1: Wie sieht Ihre Familienplanung aus? Wünschen Sie sich jetzt oder zu einem späteren Zeitpunkt Kinder?

Der absolute Klassiker ist wohl die Frage nach dem Kinderwunsch, vor allem dann, wenn du dich noch im gebärfähigen Alter befindest und aus deiner Bewerbung nicht hervorgeht, ob beziehungsweise dass du bereits Kinder hast. Fakt ist aber: Die Frage nach deinem Kinderwunsch ist nicht zulässig. Ob du überhaupt Kinder möchtest und wann, gilt als Privatsache und muss daher weder in den Bewerbungsunterlagen noch im Vorstellungsgespräch offengelegt werden. Einige Personaler halten sich allerdings nicht daran und stellen dennoch provokativ die Frage nach deiner Familienplanung. An dieser Stelle ist es wichtig, dass du weißt: Fragen nach deinem Kinderwunsch sind verboten und müssen – ebenso wie zum Beispiel jene nach deiner politischen Einstellung oder sexuellen Orientierung – daher nicht wahrheitsgemäß beantwortet werden. Du darfst getrost zur Notlüge greifen. Wenn ein Bewerbungsgespräch ansteht, solltest du dir unbedingt im Voraus eine Antwort auf diese Frage bereitlegen, sodass du dich nicht durch ein überraschtes Stottern oder betretenes Schweigen verrätst.

Frage 2: Sind Sie schwanger?

Was passiert aber, wenn der Personaler direkter wird und dich nach einer aktuellen Schwangerschaft fragt? Solltest du nicht schwanger sein, kannst du natürlich getrost mit „Nein“ antworten. Ebenso erledigt sich die Frage, wenn deine Schwangerschaft bereits offensichtlich ist. In den ersten Monaten jedoch, lässt sich diese häufig noch gut vertuschen. Und auch dann gilt: Auf die Frage nach deiner aktuellen Schwangerschaft darfst du prinzipiell mit einer Notlüge antworten oder die Antwort verweigern. Du verrätst dich allerdings schnell, wenn du statt mit einem klaren „Nein“ mit einer Ausflucht wie „Kein Kommentar“ antwortest. Hier ist also ein wenig rhetorisches Geschick und vielleicht auch Witz gefragt. Mögliche Antworten sind zum Beispiel:

  • Sind Sie denn derzeit schwanger?
  • Hätte ich den Job dann sicher?
  • Ich wusste nicht, dass das eine Voraussetzung für die Stelle ist. Stand das in der Stellenausschreibung?

Ausnahme: Entstünde durch den Job, für welchen du das Vorstellungsgespräch wahrnimmst, eine Gefahr für dich als Mutter oder dein Kind, sodass du die Tätigkeit aus versicherungsrechtlichen Gründen nicht ausüben darfst, musst du den potenziellen neuen Arbeitgeber über deine Schwangerschaft informieren.

Frage 3: Wo sehen Sie sich in fünf, zehn oder 15 Jahren?

Achtung, auch bei dieser oder einer ähnlichen Frage zu deinen Zukunftsplänen möchte der Personaler so manches Mal geschickt deine Familienplanung erfahren. Auch die Frage nach der Bereitschaft zu einem Wechsel des Wohnortes oder deinen persönlichen Zielen im Leben birgt eine solche Gefahr. Lege dir auch für diese „Klassiker“ daher stets im Voraus Antworten zurecht, die nur wirklich relevante Informationen beinhalten, ohne dabei zu viel aus deinem Privatleben zu verraten.

Frage 4: Was, wenn Ihre Kinder einmal krank sind?

Kritische Fragen bleiben dir als Frau im Vorstellungsgespräch leider auch dann nicht erspart, wenn du bereits Kinder hast und deine Familienplanung abgeschlossen ist. Aber wieso? Eigentlich muss der Arbeitgeber nun ja keine Fehlzeiten durch den Mutterschutz oder die Elternzeit mehr befürchten, oder? Doch, denn gerade Mütter von Kindern unter zwölf Jahren verzeichnen vermehrt Ausfallzeiten aufgrund ihrer Elternrolle. Nicht immer ist ausreichend für die Betreuung der Kinder gesorgt. Was, wenn das Kind einmal krank wird, die Großmutter einen wichtigen Termin hat oder der Kindergarten wegen Lausbefall für eine Woche schließt? Szenarien, die leider sehr häufig vorkommen und in welchen die Mütter sich dann kurzerhand freinehmen und als Betreuung einspringen müssen. Wichtig ist an dieser Stelle, dass du dem Personaler glaubhaft vermitteln kannst, dass zuverlässig für die Betreuung deiner Kinder gesorgt ist. Unterbreite ihm zudem einen plausiblen Notfallplan bei kurzfristiger Erkrankung des Kindes oder ähnlichen unvorhersehbaren Ereignissen. Wenn der Personaler am Ende des Vorstellungsgespräches sicher ist, dass deine Mutterrolle für deinen Job keine Einschränkung bedeutet, ist prinzipiell auch nicht mit einer Benachteiligung in der Bewerberauswahl zu rechnen. Eine Garantie gibt es hierfür allerdings nicht. Immer mehr Mütter entscheiden sich daher, ihre Kinder im Bewerbungsprozess gänzlich zu verschweigen. Auch das ist rechtlich möglich. Ob du das möchtest, ist jedoch eine andere Frage.

Frage 5: Wie steht Ihr Lebens- oder Ehepartner zu Ihren beruflichen Zukunftsplänen?

Nicht nur deine Kinder beziehungsweise dein Kinderwunsch sind für Personaler von Interesse, sondern auch dein Lebens- oder Ehepartner. Durch die Frage, inwiefern dieser deine beruflichen Pläne unterstützt, möchte dein Gegenüber herausfinden, ob sich der eventuelle Widerstand deiner besseren Hälfte negativ auf deine Leistung oder auch Flexibilität zum Beispiel bei einem erforderlichen Umzug auswirken könnte. Du solltest deshalb glaubwürdig herausstellen, dass du deine Pläne ausreichend mit deinem Partner besprochen hast und ihr gemeinschaftlich an einem Strang zieht.

Rock oder Hose? Bluse oder Blazer? Der Dresscode im Bewerbungsgespräch für Frauen

Nun bist du optimal auf die fünf kniffeligsten Fragen im Vorstellungsgespräch vorbereitet. Doch auch deine Kleidung für das Jobinterview solltest du vorab sorgfältig auswählen. Der erste Eindruck ist der wichtigste. Kommt eine Frau mit zu tiefem Ausschnitt oder zu kurzem Rock, zu viel Makeup oder schwindelerregenden High Heels zum Bewerbungsgespräch, wird sie schnell als unprofessionell abgestempelt, völlig unabhängig von ihrer tatsächlichen Qualifikation. Kleider machen eben Leute. Welcher Dresscode gilt also für dein Jobinterview?

Regel 1: Lieber overdressed als underdressed

Selbst, wenn du dich für einen Job bewirbst, der im späteren Berufsalltag in legerer oder Arbeitskleidung ausgeübt wird, solltest du beim Vorstellungsgespräch auf professionellen Business-Chic setzen. Im Zweifelsfall wählst du daher lieber die Stoffhose oder den Rock als die Jeans und die Bluse anstelle eines einfarbigen T-Shirts.

Regel 2: Den Look an Unternehmen und Branche anpassen

Um einen noch besseren Eindruck davon zu erhalten, welche Kleidung die richtige Wahl für das Bewerbungsgespräch ist, solltest du dich vorab über die jeweiligen Gepflogenheiten in deiner Branche sowie dem entsprechenden Unternehmen informieren. So gehören in der Großindustrie zum Beispiel vermehrt Anzüge bei den Herren und Kostüme bei den Damen zum Erscheinungsbild, während kleine Agenturen oder kreative Branchen gerne auch einmal auf Jeans und Sneakers setzen. Mit einem Auftritt in Louboutins und Kostüm machst du dich dann schnell lächerlich. High Heels, in welchen du kaum laufen kannst, sind in Berufen mit viel Bewegung völlig unangebracht, zum Beispiel als Krankenschwester, während sie als Sekretärin oder im Bürojob durchaus zulässig sind. Besuche doch einfach einmal die Webseite des Unternehmens und klicke dich durch die Bilder. Du kannst auch Bekannte fragen, wenn vorhanden, welche bei dem entsprechenden Unternehmen arbeiten oder nützliche Kontakte in sozialen Netzwerken, wie zum Beispiel Xing, ausfindig machen. Praktische Tipps, wie du den Dresscode in einem Unternehmen herausfindest, haben wir dir zudem im Artikel „Kleider machen Leute: 5 + 1 Tipps zu den Dresscodes in der Online-Branche“ zusammengetragen.

Regel 3: Gepflegt ja, sexy nein

Frauen wie Männer müssen zum Vorstellungsgespräch natürlich gepflegt erscheinen. Die Haare müssen also gewaschen sein, die Kleidung wohlriechend und der halb abgeblätterte pinke Nagellack sollte bitte vorab entfernt werden. Das bedeutet aber nicht, dass du dich auftakeln solltest wie für eine „Miss Universe“ Wahl – es sei denn vielleicht du bewirbst dich auf einen Model- oder Hostessen-Job. Makeup, Parfüm, Kleidung, Nagellack, Schmuck…all das sollte unter die Kategorie „dezent“ fallen. Die Bluse und der Blazer dürfen zudem auf Wunsch tailliert geschnitten und modisch sein, bitte lass aber den kurzen Rock, tiefen Ausschnitt und neon-orangenen Blazer zuhause.

Achtung Fauxpas:

  • Vorsicht, weiße Blusen sind häufig durchsichtig. Trage daher notfalls ein schlichtes weißes Trägertop darunter. Dein BH darf niemals sichtbar sein!
  • Die Saumlänge deines Rocks darf nicht kürzer sein als zwei Finger breit über dem Knie – besser länger.
  • Entscheidest du dich für den Rock, musst du unbedingt eine Strumpfhose tragen. Nackte Beine sind im Vorstellungsgespräch ein absolutes No-Go!

Regel 4: Fühle dich wohl mit deiner Kleiderwahl

Ebenso wichtig, wie dass die Kleidung zum jeweiligen Unternehmen passt, ist natürlich, dass sie auch zu dir passt und du dich darin wohlfühlst. Wenn du also sonst nie High Heels trägst, wähle auch jetzt lieber die flachen Ballerinas oder übe das Laufen im Voraus. Sonst wird dein Auftritt schnell zum seltsamen Gänsemarsch. Ebenso drohen Fettnäpfchen, wenn du normalerweise eher der Jeans-Typ bist und nun plötzlich im Rock aufwartest. Vergiss nicht: Das korrekte Sitzen, Aussteigen aus dem Auto oder auch Erklimmen einer Treppe bergen im Rock ganz spezielle Herausforderungen. Du möchtest schließlich nicht „zu viel preisgeben“. Auch hier heißt es: Üben, üben, üben – oder im Zweifelsfall auf Nummer sicher gehen und die Hose wählen. Nur, wenn du dich rundum wohlfühlst, kannst du dich im Vorstellungsgespräch auf das Wesentliche konzentrieren und den Personaler überzeugen.

Regel 5: Nein zur Farbe Rot

Ein Vorstellungsgespräch ist kein Stierkampf und der Personaler kein Torero. Soll bedeuten: Die Farbe Rot hat im Jobinterview nichts verloren. Sie wirkt aggressiv, aufreizend und unprofessionell. Wähle stattdessen gedeckte Farben für dein Outfit, zum Beispiel Weiß, Schwarz, Grau, Dunkelblau oder auch Beige. In kreativen Berufen darf es gerne auch etwas bunter sein, wie wäre es zum Beispiel mit einem sanften Grün oder Türkis in hellem Pastellton? Merke dir: Prinzipiell punktest du eher durch Zurückhaltung, Bescheidenheit und Stilbewusstsein als durch grelle Farben oder ein schrilles Outfit. Dann wäre dir Auffallen zwar garantiert, nicht unbedingt aber im positiven Sinne.

Noch nicht genug der Fettnäpfchen: Die häufigsten Fehler von Frauen

Leider sind wir immer noch nicht am Ende der potenziellen Fauxpas in deinem Vorstellungsgespräch angelangt. Wenn du dich auf kniffelige Fragen vorbereitet und dein perfektes Outfit ausgesucht hast, gilt es nun nämlich auch folgende Fehler unbedingt zu vermeiden:

  • Frauen neigen dazu, sich unter Wert zu verkaufen. Bescheidenheit in aller Ehre, doch begegne dem Personaler selbstbewusst und auf Augenhöhe.
  • Über deine Schwächen könntest du Bücher schreiben, doch bei den Stärken musst du erst einmal lange überlegen? Frauen sind tendenziell viel selbstkritischer als Männer. Der Personaler darf das auf keinen Fall merken.
  • Du wünschst dir Kinder und interessierst dich für flexible Arbeitszeitmodelle und die Vereinbarkeit von deinem potenziellen neuen Job und deiner Familienplanung? Wie bereits erwähnt, handelt es sich hierbei um ein kniffeliges Thema, das im Bewerbungsgespräch nichts zu suchen hat. Informiere dich lieber durch Bekannte oder Xing-Kontakte über die jeweiligen Gepflogenheiten bei dem Unternehmen.
  • Dein Studienabschluss ist lange her und zwischendurch warst du zehn Jahre lang nicht berufstätig, sondern Vollzeit-Mutter? Kein Grund für falsche Bescheidenheit. Soft Skills werden im Berufsleben immer wichtiger und wenn es hier und da an der fachlichen Kompetenz oder Berufserfahrung mangelt, überzeuge den Personaler doch durch deine Schlüsselqualifikationen. Kein Job ist schließlich herausfordernder als der einer Mutter!

Du siehst: Mit ausreichend Vorbereitung, Professionalität und Selbstbewusstsein kannst du die Hürden, welche im Vorstellungsgespräch auf viele Frauen warten, problemlos meistern, oder? Welche persönlichen Erfahrungen oder Tipps hast du zum Thema „Bewerbungespräch für Frauen“? Viel Erfolg!

Dieser Artikel ist der zweite unserer vierteiligen Serie zu Vorstellungsgesprächen. Hier kommt ihr direkt zu den weiteren Beiträgen:

Vorstellungsgespräch #1: „Ring Ring“ – Das telefonische Jobinterview meistern

Vorstellungsgespräch #3:  (Not-) Lüge erlaubt – Diese Dinge musst du nicht verraten

Vorstellungsgespräch #4:  „Moinmoin“ – Vorstellungs- und Begrüßungsknigge

Über Mirijam Franke

Mirijam Franke

Mirijam Franke hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich als freiberufliche Texterin. Im Rahmen ihres Studiums der Medienwirtschaft kam sie erstmalig mit dem Thema Online Marketing in Berührung und konnte sich seither mit viel eigener Erfahrung, Mut zum Klartext und einem Augenzwinkern in den Bereichen Marketing, Arbeit, Startups, HR und Work-Life-Balance deutschlandweit einen Namen machen. Seit Mai 2016 ist sie Redakteurin bei OnlineMarketing.de.

Ein Gedanke zu „Vorstellungsgespräch #2: Achtung vor der „Gender-Falle“ – unsere Tipps für Frauen

  1. mediahead

    “Kein Job ist schließlich herausfordernder als der einer Mutter!” Das ist zwar erst einmal schön gesagt und sicher mehr als richtig, auf zwei Dinge möchte ich an dieser Stelle aber dennoch gern noch hinweisen – um dieser lästigen (und in 80% aller Fälle völlig blödsinnigen) Gender-Diskussion hier mal ein wenig Platz von Seiten der Männer einzuräumen:

    1. ) Der Job eines VATERS ist exakt ebenso herausfordernd.

    2.) Als Vater riskiere ich – einmal im Job – immer noch allzu häufig mein komplettes Karrierepotential wenn ich mich mehr als einmal als gleichberechtigt verantwortlich für meine Kinder “oute”. Wenn ich dann noch um die 50 bin … even more so. “Der hat doch keinen Drive mehr.”, “Ist der noch im Job belastbar?”, “Jetzt bleibt der schon wieder für seinen Sohn/seine Tochter zu Hause und ist nicht erreichbar. Kann das nicht die Mutter machen?” Alles (uns mehr) in den letzten 3 Jahren in ITTK-/Online-Arbeitsumfeldern gehört. Meist in kleineren Unternehmen. (In größeren wird das IMHO einfach nur subtiler (also “professioneller”) behandelt/geregelt, ist dort aber vermutlich ebenso verbreitet).

    Es ist manchmal wirklich beschämend zu sehen, wie langsam Homo Sapiens gesellschaftliche Entwicklungen be- bzw. vorantreibt und wie schissig dabei vorgegangen wird. *augenroll*

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