Studieren – aber was und wofür? Trends, Potentiale und Verdienstmöglichkeiten

In zahlreichen Universitäten deutschlandweit tummeln sich seit Kurzem wieder die Studierenden. So steht es um eure Studienfächer und Berufschancen.

Studierende auf dem Campus der Uni Hamburg, Screenshot YouTube, © Universität Hamburg

Das neue Semester beginnt und die Hochschulen sind wieder einmal bestens gefüllt. Während sich tausende neue Erstsemester auf dem Campus einfinden, fragt sich so mancher Studierende – und jene, die noch studieren wollen –, was dieses Studium perspektivisch eigentlich bereithält. Wir werfen einen Blick auf aktuelle Entwicklungen an Universitäten und Fachhochschulen und stellen die großen Chancen eines Studiums heraus.

Immer mehr Studierende: Chance oder Problem?

Die Zahl der Studierenden ist hoch. Allein in Berlin wächst sie laut dem Tagesspiegel auf 195.000. In der Hauptstadt starten 25.000 Erstsemester. 100.000 Bewerbungen waren an den drei großen Unis der Stadt für Bachelorstudiengänge eingegangen. Eine immer größere Zahl von Studierenden sorgt nebenbei für Herausforderungen. Denn da immer mehr junge Menschen erstmal an die Uni oder FH möchten, fehlt in so manchem Handwerksbetrieb etc. das Personal. Vor allem haben die Studierenden aber nicht nur an der Uni, sondern ebenso in Sachen Wohnungssuche einen größeren Konkurrenzkampf zu überstehen.

In Münster, wo die Westfälische Wilhelms-Universität und die FH Münster besonders viele Lernwillige locken, beziehen einige Erstsemester ohne Wohnraum vorerst Kasernen. In der Stadt waren laut Deutschlandfunk allein bei der Bewerbung auf ein Zimmer im Studierendenwohnheim 3.000 Studienanfänger leer ausgegangen. Der Wohnungsmarkt ist ebenfalls schwierig, die Mieten steigen in den meisten Städten stark an, außerdem sind selten für alle Zimmer frei. Einige übernachten zeitweise einfach auf dem Campingplatz.

Da im Zuge des demographischen Wandels viele Stellen, die einen Studienabschluss erfordern, schon in den kommenden Jahren frei werden, ist die Masse von Studierenden gar keine schlechte Aussicht. Allerdings stellt sich die Frage: studieren all die Leute schon jetzt zielorientiert? Und was ist eigentlich das Ziel des Studiums, nur der Abschluss? Und wo führt er einen hin?

Stress ist Teil des Studiums; aber noch Vieles mehr

Wer studiert, muss im Zweifel mit einer doch recht hohen Stressbelastung zurechtkommen. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, der FU Berlin und der Techniker Krankenkasse zeigt, dass gut 25 Prozent der Studierenden ein hohes Stresserleben angeben.

Hohes Stresserleben bei Studierenden, © Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, FU Berlin, Techniker Krankenkasse

Ebenfalls jeder Vierte, der an Universitäten studiert, erlebt im Studium einen Bedutungsverlust. Das heißt, man hat währen der Studienzeit oft damit zu kämpfen sich selbstständig mit den Anforderungen und Zukunftsperspektiven seiner Fächer auseinanderzusetzen. Dabei ist gerade dieses Moment ein wichtiger Teil des Studierens. Denn neben den fachlichen Inhalten, die vermittelt werden, lehrt ein Studium vor allem einen eigenverantwortlichen Zugang zu Arbeitsprozessen, bürokratischen Hürden und der Organisation von Uni, Job und Freizeit zu erlangen.

Wer einen Studiengang wählt, der eine bestimmte Identifizierung hervorruft, kann damit seinen Zugang zur universitären Arbeit oder einer fachverwandten Branche schneller finden. Andererseits ist auch die Entdeckung eines völlig vom Studienbereich abweichenden Arbeitsbereichs wertvoll. Wie findet man aber das richtige Studium? Wir werfen einen Blick auf die beliebtesten Studiengänge.

Beliebte und gut bezahlte Studiengänge

Die Website Absolventa zitiert das Statistische Bundesamt und nennt die beliebtesten Studiengänge unter Männern und Frauen. BWL ist bei beiden die Nummer eins.

Die beliebtesten Studiengänge bei Männern und Frauen, Quelle: Absolventa

Bei den Männern ist etwa Informatik sehr beliebt, bei den Frauen die Rechtswissenschaften oder die Allgemeinmedizin. Diese Fächer versprechen für das spätere Leben ein gutes Gehalt. Mediziner, Anwälte, Informatiker oder Ingenieure können laut Stepstones Gehaltsreport mit Jahresgehältern im Bereich von knapp 70.000 Euro oder mehr rechnen.

Top bezahlte Studiengänge laut Stepstone, Quelle: Absolventa

Allerdings geht es hier um einen Durchschnittswert. Wer in seinem Fach Expertise erreicht, kann auch damit zu einem guten Auskommen gelangen. Zudem ist zu erwähnen, dass zum Beispiel auch Lehrkräfte (je nach Bundesland) ein recht gutes Gehalt erwarten können. Insgesamt mag es für Geisteswissenschaftler ohne konkreten Ausbildungsbezug schwerer sein einen passenden und gut bezahlten Job zu finden. Doch gerade in der Geisteswissenschaft ist das Studium weniger Mittel zum Zweck als vielmehr ein Grundstein zu einem intellektuellen Diskurs auf institutionaler Ebene, der zu diversen Abschlüssen führen kann. Zu den Top Berufstiteln nach Gehältern zählt aber auch der Pressesprecher, für den sich auch Geistes- oder Sozialwissenschaftler eignen.

Sehr gut bezahlte Berufe nach Abschluss und Gehalt, Angaben von Stepstone, Quelle: Absolventa

Am Ende gilt natürlich für die Studierenden, an Universitäten sicherlich eher als an den straffer getakteten Fachhochschulen, dass man selbst etwas aus seinem Studium machen muss. Dazu gehören Praktika oder Nebenjobs, durch die man häufig schon in künftige Berufe rutscht. Dazu gehört auch die Weiterbildung als Teil des Studiums, die über den konkreten Lehrinhalt hinausgeht. Wie diese aussieht, ist jedem selbst überlassen.

Welche Studiengänge für Nebenjobs besonders gefragt sind

Wer sich mit IT gut auskennt oder im Vertrieb ein As ist, kann bei Nebenjobs punkten. Auch der Finanzbereich sucht stetig Personal für Werkstudentenjobs.

Die Bereiche mit den meisten Werkstudentenjobs, Quelle: Absolventa

Doch schließlich findet jeder Studierende, der das möchte, einen Nebenjob. Ob das an der Uni ist, in einer Bar, im Büro oder irgendwo anders.

Allerdings dürfen sich Studierende sehr technischer Fächer darauf gefasst machen, dass ihnen viele gut bezahlte Jobs ins Aussicht gestellt werden. Denn die Nachfrage ist hoch, besonders bei der Digitalisierung werden Experten gesucht. Folgende Studiengänge versprechen etwa gute Zukunftsaussichten:

  • Betriebswirtschaftslehre – Digitale Wirtschaft (B.Sc.)

  • Automation und Industrie 4.0 (B.Eng.)

  • Gründung, Innovation, Führung (B.A.)

  • E-Commerce und Digital Retail Management (B.A.)

  • Digital Transformation Management (M.A.)

  • Smart Production and Digital Management (B.Sc.)

  • Data Science (B.A.)

  • Digital Management & Transformation (M.Sc.)

  • Digital Business Management (B.A.)

Und Fächer wie Umwelttechnik oder Public Health sind gefragt. Am Ende haben einige Studiengänge sicherlich bessere Zukunftsaussichten und Verdienstpotentiale als andere. Das sollte bei Studierenden nicht völlig ausgeklammert sein. Dennoch kann man es mit jedem Fach weit bringen, wenn man bereit ist, das nötige Engagement hineinzulegen. Dann ist auch die Promotion vielleicht eine Option. Es bleibt hierbei eigentlich egal, was studiert wird, wenn man damit glücklich ist. Denn das Studium selbst – und das werden viele Studienanfänger nach einigen vielleicht harten ersten Wochen im Laufe der Semester erkennen – ist eine Erfahrung, die für das Berufs- und das gesellschaftliche Leben wichtige Weichen stellt. Das sollten die jungen (und älteren) Wissenschaftler nicht vergessen.

Schaut euch einfach mal die Studienangebote an, um zu sehen, was euch interessiert. Und schaut in die Lebensläufe von Personen, die euch inspirieren. Dann erkennt ihr auch, dass das Studium – egal welches – keine Einbahnstraße ist; vielmehr kann es euch an ganz verschiedene Stellen bringen. Das liegt, vielleicht neben Glück oder Zufall,  besonders am Studierenden selbst.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.