Das Pendeln zur Arbeit und die Schäden, die es anrichtet

Lange Arbeitswege machen unglücklich, wie Studien zeigen. Pendeln gehört hierbei zu der schlimmsten Sorte – und das spiegelt sich beim Arbeitnehmer wider.

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Zur Arbeit pendeln ist nichts Ungewöhnliches. 60 Prozent aller deutschen Arbeitnehmer tun dies, doch mehr aus Notwendigkeit als freiwillig. Egal aus welchem Blickwinkel man es betrachtet, pendeln ist lästig. Das lässt sich schon in einer einfachen logischen Kette veranschaulichen: Man steht früher auf, was für weniger Schlaf sorgt, den man durch frühere Bettzeiten kompensieren muss und wie wenig dann vom Tag bleibt, merkt man, wenn man durch das Pendeln auch erst spätabends zuhause ist. Wir berichteten bereits darüber, inwiefern es sich hierbei um einen Stressfaktor handelt. Auch Studien belegen dies und zeigen, wie schädlich der lange Arbeitsweg tatsächlich sein kann – sowohl für Gesundheit als auch Karriere.

Mangel an Produktivität

Die bereits aufgestellte Logikkette legt natürlich nahe, inwiefern der lange Arbeitsweg sich negativ auf das produktive Arbeiten auswirken kann. Weniger Freizeit bedeutet mehr Stress und dieser schränkt unsere Arbeitstätigkeit ein. Jeden Morgen und Nachmittag in einem Zug voller Menschenmassen umgeben zu sein, ist ebenfalls nicht unbedingt die seelische Zuflucht, welche wir uns bei der Unruhe wünschen würden. Konsequent folgen aus schlechterer Leistung durch den Stress auch geringere Karrierechancen. Der lange Arbeitsweg sorgt genauso dafür, dass Pendler oftmals zu spät erscheinen, was mangelnde Produktivität und geringere Karrierechancen nur noch forciert. Um zu diesen Schlussfolgerungen zu kommen, bedarf es keiner wissenschaftlichen Studie, schließlich scheint all dies naheliegend – und das wissen auch die Arbeitnehmer. Doch, wie gesagt ist das Pendeln selbst meist den Umständen geschuldet – und hierin liegt das eigentliche Problem.

Gründe fürs Pendeln

Dass Leute den langen Arbeitsweg auf sich nehmen, liegt oftmals natürlich daran, dass kein lokaler Arbeitsplatz, der einen kurzen Weg anbieten würde, vorhanden ist. Oft ist es auch umgekehrt: Der Wohnraum nahe dem Job ist zu teuer, weshalb die eigene Wohnung weit weg von der Arbeit liegt. Personen in Beziehungen sind häufig besonders stark betroffen, da es unwahrscheinlich ist, dass beide Partner im selben räumlichen Gebiet arbeiten, wodurch man hierbei womöglich einen Kompromiss eingehen muss. Das Gefühl, sich dem Arbeitgeber gegenüber flexibel zu zeigen, wodurch die Erwartung ans eventuelle Pendeln inbegriffen ist, spielt hierbei auch häufig eine Rolle, denn die Bereitschaft dazu scheint schlichtweg eine Grundvoraussetzung zu sein.

Gesundheitliche Auswirkungen

Neben dem psychischen Stress scheint Pendeln oftmals auch in physischen Beschwerden zu resultieren. Nacken-, Schulter- und Rückenprobleme gehören zur Tagesordnung von Pendlern. Viel Zeit für Sport bleibt nicht und das ständige Stehen im Zug ist eher suboptimal für die Instandhaltung der körperlichen Gesundheit. Zu viel sitzen kann ebenfalls in gesundheitlichen Beschwerden resultieren. Kopfschmerzen sind genauso ein Problem und oftmals führt das Pendeln auch zu Müdigkeit und Konzentrationsproblemen. Wer einen Sitzplatz ergattern kann, sollte dies eventuell nutzen, um dem möglichst vorzubeugen, indem man sich einen Moment der Entspannung genehmigt. Im Übrigen haben Zugfahrer es hierbei weiterhin besser als Autofahrer, welche die ganze Fahrt über konzentriert bleiben müssen und keinen Weg zur täglichen Pendelbahn gehen. Um wenigstens ein bisschen Bewegung zu bekommen, kann es helfen, den Wagen etwas weiter vom eigenen Wohnort entfernt zu parken.

Was ließe sich ändern?

Das Pendeln scheint eine Zwickmühle zu sein, denn sofern sich kein anderer Job findet, steckt man im Pendeln fest. Auch im Alltag lässt sich oftmals das bisschen Freizeit, welches einem zur Verfügung steht, nicht darauf verwenden, für den nächsten Arbeitstag perfekt gewappnet zu sein. Meditation ist eine altbekannte Maßnahme gegen Stress, doch auch Yoga kann helfen. Letzteres wirkt sich ebenfalls positiv auf die körperliche Verfassung aus. Nichtsdestotrotz, vor allem, wenn man die jährlichen steigenden Pendlerzahlen betrachtet, müssen auch Arbeitgeber mehr Maßnahmen bieten, um die Pendler zu unterstützen. Entgegen vieler Annahmen sollte Pendeln bei dem Stressfaktor, der er nun mal vohanden ist, keine Selbstverständlichkeit sein. Wichtige Termine sollten bei Pendlern womöglich nicht auf den frühen Morgen oder späten Abend gesetzt werden. Die Möglichkeit zum Homeoffice anbieten ist ebenfalls sinnvoll. Bei manchen Arbeitgebern wird auch ein Teil des Pendelns finanziell entlohnt, was zumindest eine wirtschaftliche Form der Genugtuung bietet.

Im Vergleich zum kurzen Arbeitsweg ist das Pendeln alles andere als angenehm und sofern man kein Interesse daran hat, einige seiner Arbeitnehmer zeitweise an einen Burnout zu verlieren, wofür Pendler besonders anfällig sind, sollte man etwaige Maßnahmen ergreifen. Pendler selbst dürfen jedoch auch die Wichtigkeit ihres eigenen Wohlseins nicht vergessen und müssen auf sich Acht geben – ansonsten endet das schneller als man meinen sollte in eher unschönen Konsequenzen. Nicht nur für die eigene Gesundheit, sondern auch  für die Karriere – und wegen dieser pendelt man erst.

Über Toni Gau

Toni Gau

Toni Gau ist freischaffender Blogger, wobei sein Augenmerk auf Popkultur, Literatur und Storytelling liegt, mit eigens geschriebenen Geschichten zwischendrin. Nach dazugehörigem Studium setzt er hier nun seine Arbeit fort und schreibt seit März 2019 für OnlineMarketing.de

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