Home Office für immer? Arbeitnehmer wollen auch nach Corona zu Hause arbeiten

Trotz Coronakrise und Sprung ins kalte Wasser sind viele Mitarbeiter zufrieden mit ihrer Arbeit im Home Office. Doch kann das Konzept beibehalten werden?

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Die Coronakrise hat dafür gesorgt, dass deutsche Unternehmen und ihre Angestellten sich umstellen müssen. Besonders auf die Arbeit im Home Office. Experten prognostizierten eine Vielzahl von Problemen, die mit der Umstellung einhergehen würden. Doch die Ergebnisse mehrere Studien zeichnen ein anderes Bild. Tatsächlich seien die meisten Arbeitnehmer zufrieden mit der Arbeit von zu Hause aus – und würden am liebsten gar nicht mehr darauf verzichten. Führt die Pandemie also dazu, dass sich die digitale Arbeit in Deutschland nachhaltig verändert?

Große Zufriedenheit mit der Arbeit im Home Office

Durch die anhaltende Krise arbeiten mehr Arbeitnehmer in Deutschland im Home Office als je zu vor. Wie viele genau ist jedoch nicht geklärt. Während eine Mannheimer Corona-Studie von 25 Prozent der Berufstätigen spricht, sind es laut dem Digitalverband Bitkom die Hälfte. 44 Prozent davon sind Arbeitnehmer mit einem höheren Bildungsabschluss. Eine Befragung des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation (bidt) ergibt, dass momentan 43 Prozent der internetnutzenden Berufstätigen von zu Hause aus arbeiten. Vor der Krise seien es gerade mal 35 Prozent gewesen. Doch egal welcher Studie man nun glauben möchte: Sie alle sind sich einig über die Zufriedenheit der Mitarbeiter.

Quelle: Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation (bidt)Laut bidt sind 75 Prozent der Home-Office-Neulinge zufrieden mit der neuen Form der Arbeit – trotz möglichen Problemen in Sachen Kinderbetreuung oder Corona-Anxiety. Grund für die hohe Zufriedenheit ist zum einen die gute Vorbereitung auf das Home Office vieler Arbeitgeber, zum anderen der einfache Übergang von Büroarbeit zu Heimarbeit. Von der Gesamtzahl aller Befragten sind nur 19 Prozent unzufrieden – eine gute Quote für den plötzlichen Umbruch.

Quelle: Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation (bidt)

Home Office für immer – auch nach Corona

Einer Umfrage der Mail-Plattform Web.de zufolge wünschen sich 64 Prozent der Befragten, dass sie auch nach Corona weiterhin die Möglichkeit auf Home Office hätten. In der Studie des bidt sind es sogar 68 Prozent, die das Arbeiten von zu Hause in ihrem Job für möglich halten und nach der Krise beibehalten wollen. Die Studienherausgeber sehen in der Krise die Chance für Deutschland, endlich die Digitalisierung voranzutreiben.

Quelle: Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation (bidt)

Andere Experten zweifeln jedoch an der Offenheit der Arbeitgeber und sehen nach Corona die Rückkehr zum Status quo. Dabei wünschen sich Mitarbeiter nicht erst seit Corona die Chance auf Home Office, sondern schon viel länger. Dieser Wunsch nach mehr Freiheit und Flexibilität hat es sogar bis in den Bundestag geschafft, wo Diskussionen über die Einführung auf ein generelles Recht zum Arbeiten von zu Hause aus stattfinden. Ob das Home Office wirklich gesetzlich festgelegt werden muss, sei an dieser Stelle dahingestellt. Nichtsdestotrotz lohnt es sich aber für Arbeitgeber, mindestens über die Möglichkeit nachzudenken, denn: Studien belegen, dass Home Office produktiver macht. Die Mitarbeiter lassen sich, im Gegensatz zum gängigen Vorurteil, weniger ablenken und fehlen seltener aufgrund von Krankheit. Um einem möglichen Gefühl von Isolation vorzubeugen, würde sich nach Corona  eine Mischung aus Präsenzpflicht und Home Office anbieten.

Trotz aller negativer Aspekte bringt die Coronapandemie auch Chancen und Lehren mit sich. Vor allem der Ausbau der digitalen Infrastruktur in Deutschland sollte nach der Krise im Fokus stehen. Die Probleme durch mangelnde Strukturen bekommen wir derzeit überall zu spüren, sei es bei der Arbeit, beim kontaktlosen Bezahlen, bei Behördengängen oder in Unis und Schulen. Abgesehen davon sind es tatsächlich nur 26 Prozent der Studienteilnehmer, die kein Interesse an Home Office haben. Dahingegen gaben 39 Prozent an, sie würden es nicht nutzen, weil der Chef es verbietet. Um diesen Status zu ändern, von Vorteilen zu profitieren und die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu stillen, sollten Arbeitgeber also dringend in Erwägung ziehen, auch nach Corona die Möglichkeit auf Home Office bestehen zu lassen.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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