Xing-Gehaltsstudie: Mitarbeiter wünschen sich mehr Transparenz und Home Office

Die Auswertungen zeigen nicht nur, in welchen Branchen am meisten verdient wird, sondern weisen auf eine Pay Gap und Defizite in der Gehaltspolitik von Unternehmen hin.

© Aneta Pawlik - Unsplash

Die diesjährige Xing-Gehaltsstudie liegt vor und bringt neue Einblicke in das Einkommen und die Bedürfnisse von Arbeitnehmern aus der DACH-Region. Insgesamt wurden mehr als 19.500 Xing-Nutzer befragt. Davon ausgenommen waren: „Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst und Beamte, Gründer und Inhaber, Selbstständige, Freiberufler, Arbeitnehmer im Ruhestand, Studenten und Erwerbslose“. Die größte Erkenntnis der Studie: Arbeitnehmer sind willig auf ein höheres Gehalt zu verzichten, wenn es sich um eine für sie sinnbringende Arbeit handelt.

In der Immobilienbranche wird am meisten verdient

Zunächst sei gesagt, dass es sich bei den hier angegebenen Summen um Durchschnittswerte handelt – es kann durchaus sein, dass innerhalb der Branchen ein Angestellter weniger oder mehr verdient. Insgesamt steht jedoch die Immobilienbranche mit 88.040 Euro brutto auf Platz 1 der höchsten Gehälter. Es folgen Pharmaindustrie und Medizintechnik (83.267 Euro) und Versicherungen (79.816 Euro). Wenig überraschend liegen Erziehung, Bildung und Wissenschaft, sowie Tourismus und Gastronomie auf den letzten Plätzen. Aber auch der Bereich Marketing, Design und PR wird im Vergleich gering entlohnt.

Es zeigt sich, dass die Hälfte der Befragten unzufrieden mit ihrem Gehalt ist. 25 Prozent davon sind sogar der Überzeugung, dass Kollegen in gleicher Position mehr Geld erhalten. Hinzu kommt, dass 80 Prozent regelmäßig Überstunden leisten, jedoch nur knapp die Hälfte diese auch entlohnt bekommt. Als Mittel zur Lohngerechtigkeit sehen zwei Drittel eine Gehaltsobergrenze als sinnvoll an. 50 Prozent der Befragten würde übrigens gern mitbestimmen, wie viel der Chef verdient, beziehungsweise ob Kollegen eine Gehaltserhöhung erhalten sollten.

Gender Pay Gap lässt sich auch in der Xing-Studie festhalten

Im direkten Vergleich der Fach- und Führungskräfte innerhalb der Branchen wird eines deutlich: überall verdienen Frauen weniger als die Männer. Die größte Schere besteht hier im Bereich Management und Unternehmensentwicklung. Während das Durchschnittsgehalt der Männer bei 122.545 Euro liegt, verdienen die Frauen lediglich 83.109 Euro. Natürlich handelt es sich bei beiden Werten um hohe Summen, von denen ein mancher nur träumen kann. Gleichzeitig ist das Gefälle zwischen den Geschlechtern erschreckend.

Übrigens: Das Durchschnittsgehalt von Führungskräften allgemein liegt, inklusive aller Boni, bei  70.754 Euro. Auch hier stellte Xing einen Vergleich an, diesmal unter den Bundesländern. Am meisten verdienen die Führungskräfte in Hessen (76.972 Euro), dicht gefolgt von Bayern (75.931 Euro) und Baden-Württemberg (72.526 Euro).

Home Office und Arbeit mit Sinn werden gesucht

Wie viel jemand verdient, wird laut der Xing-Studie auch stark durch den Bildungsabschluss beeinflusst. Mit dem Hauptschulabschluss landet man im Schnitt bei 50.973 Euro. Der Bachelor verhilft hingegen schon zu 69.613 Euro und der Master, beziehungsweise zweites Staatsexamen, zu 81.143 Euro. Am besten verdienen auch diejenigen, mit dem höchsten Abschluss. Promovierte erhalten durchschnittlich 101.534 Euro. Hierbei sei jedoch angemerkt, dass es immer auch auf den Studiengang ankommt, in welchem man abgeschlossen hat. So verdienen Geisteswissenschaftler meist bedeutend weniger als Absolventen der Wirtschafts- oder Naturwissenschaften.

Unabhängig vom Gehalt wird der Wunsch nach einer Tätigkeit laut, die mit einem persönlichen Nutzen und Sinn verbunden ist. Jeder zehnte Befragte würde dafür den jetzigen Job kündigen. Abgesehen davon, wünschen sich viele Arbeitnehmer auch die Chance auf Home Office. Insgesamt nehmen neun von zehn dieses bereits in Anspruch. Von denen, die es nicht tun, wünschen sich zwei Drittel die Möglichkeit auf Home Office.

Learnings aus der Xing-Studie

Was können wir aus den angegebenen Werten nun lernen? Zunächst wird definitiv noch einmal verdeutlicht, dass die Gender Pay Gap real und deutlich sichtbar ist, egal ob bereinigt oder unbereinigt. Unternehmen sollten also ihre Gehaltspolitik überprüfen und gegebenenfalls überarbeiten. Beim Thema Einkommen scheint auch die Transparenz für die Befragten wichtig zu sein. Mitarbeiter möchten nachvollziehen können, wieso ein Kollege mehr verdient in gleicher Position, beziehungsweise wie sich das Gehalt des Geschäftsführer rechtfertigt und zusammensetzt. Abgesehen von Gehaltsunterschieden wird jedoch auch aufgezeigt, dass Mitarbeiter sich eine faire Vergütung wünschen, vor allem für Überstunden, die zu großen Teilen immer noch unbezahlt sind und dennoch vom Arbeitgeber gefordert werden.

Außerdem werden Werte der New Work betont. Die Option auf Home Office sollte von den Chefetagen in Betracht gezogen werden. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen eine Arbeit mit Sinn suchen. Auch hierbei können die Unternehmen selbst unterstützen, indem für eine zureichende Kommunikation gesorgt wird. Das bedeutet, dass den Angestellten klar gemacht werden muss, auf welches Ziel sie hinarbeiten und welchen genauen Zweck ihre Aufgabe für dieses bringt. Versucht man aus diesen Learnings auch wirklich etwas mitzunehmen, können sich also Betriebsklima und vor allen Dingen auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigern. Und damit wäre eine Win-Win-Situation erreicht.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.