Hohe Mieten, schwere Eingewöhnung – Deutsche Städte sind bei Expats unbeliebt

Unternehmen können jedoch dazu beitragen, den Fachkräften ihren Auslandsaufenthalt angenehmer zu gestalten – zum Beispiel durch Teamevents oder Hilfe bei der Wohnungssuche.

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Vor kurzem stellten wir euch bereits die 10 Städte mit den besten Bedingungen für Arbeitnehmer weltweit vor. Darin wiesen wir jedoch auch darauf hin, dass es mehr als nur berufliche Faktoren gibt, die Einfluss auf die Entscheidung zu einem Umzug haben. Genau diese wurden im aktuellen Expat City Ranking genauer beleuchtet. Dieses basiert auf einer Studie des Expat-Netzwerks InterNations, bei welcher über 18.000 Teilnehmer weltweit befragt und 72 Städte untersucht wurden. In den Ergebnissen stechen besonders asiatische Metropolen hervor – während die deutschen Städte die hintersten Plätze belegen. Im folgenden möchten wir deshalb beleuchten, was München, Hamburg und Co. so unattraktiv macht, wieso gerade Aachen zu den Top 10 Städten für Expats weltweit gehört und was deutsche Unternehmen tun können, um Expats von Deutschland zu überzeugen.

Überflieger Aachen landet weltweit auf dem 7. Platz

Eigentlich sollte man meinen, die beliebtesten Städte unseres Landes wären auch die bekanntesten. Doch ein Underdog hat es tatsächlich unter die Top 10 Städte der Welt geschafft: Aachen. Besonders im IT-Bereich und im Ingenieruswesen kann die 246.000 Einwohner zählende Stadt punkten. 83 Prozent der dort befragten Expats sehen ihren Job als sicher an. Beliebt ist Aachen aber auch durch die erschwinglichen Lebenshaltungskosten. In diesem Punkt landet Aachen sogar auf Platz 2 weltweit. Zudem geben 72 Prozent der Befragten an, dass ihr Einkommen in Aachen höher sei als in einem vergleichbaren Job in ihrem Heimatland. Abzüge gibt es dort nur in Punkto Verkehrswesen und Anschluss finden. Einheimische Freunde finden nur 28 Prozent der dort lebenden Expats schnell, doch insgesamt fühlen sich über 60 Prozent in ihrem neuen Zuhause bereits heimisch.

Köln als einzige deutsche Millionenstadt im oberen Teil des Rankings

Die Karnevalshochburg, die zudem besonders für den Dom und als Standort einiger Fernsehsender bekannt ist, schneidet im Ranking eher durchschnittlich ab. Weltweit liegt Köln auf Platz 33. Das urbane Arbeitsleben und die Chance, eigenständig einen Job zu finden, sind für Expats dort am attraktivsten. Und auch die Jobzufriedenheit ist mit 71 Prozent besonders hoch. Jedoch scheint vielen die Eingewöhnung in die Rheinmetropole schwer zu fallen. In Geldfragen schneidet Köln ebenfalls gut ab: 68 Prozent der Expats gaben an, mehr zu verdienen als in ihrer Heimat und das Gehalt würde zum Leben ausreichen. Etwa die Hälfte der Befragten hält die Lebenshaltungskosten für angemessen, wobei es hier Abstriche in Punkto Miete gibt: Nur 27 Prozent sehen diese als erschwinglich an. Und auch das Thema Anschluss fällt hier nicht leicht. So beschreibt ein Expat aus den Niederlanden:

Die meisten meiner Freunde hier sind andere Europäer, aber keine Deutschen. Es scheint viel schwieriger zu sein, mit den Deutschen Freundschaft zu schließen.

In München sind Wohnungen und das Geld knapp

Zwar ist die Bayrische Hauptstadt bei Touristen beliebt und wird im Ausland oft als Sterotyp der deutschen Lebensweise gesehen, jedoch verzweifeln Expats regelmäßig an München. Weltweit ist nur Platz 51 drin. Die Mieten sind zu hoch und 75 Prozent der Befragten finden es beinahe unmöglich überhaupt eine Wohnung zu finden. Und auch bei den Themen Finanzen und Lebenshaltungskosten erzielt München das schlechteste Ergebnis deutschlandweit. Einheimische Freunde finden nur 22 Prozent der Expats mit Leichtigkeit. Ein Großteil von ihnen beschreibt die Münchener sogar als unhöflich. Trotzdem landet die Stadt nicht auf dem letzten Platz des Vergleichs, sondern kann in einigen Punkten gut abschneiden. Lebensqualität und Freizeitangebote werden von den Expats sehr gut bewertet, ebenso wie die Umweltqualität, welche von 91 Prozent gelobt wird. Und auch die Themen Karrierechancen und Sicherheit des Arbeitsplatzes liegen nicht nur im deutschlandweiten Vergleich vorn, sondern auch global.

Bankenhauptstadt Frankfurt bietet die geringste Lebensqualität

Expats in Frankfurt am Main arbeiten am häufigsten im Finanz- und IT-Bereich. Dementsprechend werden die Karrierechancen in der Stadt als sehr hoch gesehen und 73 Prozent der Befragten sind zufrieden mit ihrem Arbeitsplatz. Und auch beim Thema Finanzen schneidet Frankfurt relativ gut ab, wobei von manchen Expats die finanzielle Sicherheit besonders hervorgehoben wird. Was die Lebenshaltungskosten angeht, sind die Meinungen ausgeglichen. Dafür scheitert Frankfurt jedoch beim Punkt Lebensqualität. Expats bemängeln vor allem das fehlende Freizeitangebot der Mainmetropole. Und auch diese Stadt versagt beim Thema Sozialleben vollends. Unter dem Strich sind nur neun Prozent der Expats mit ihrem Leben in Frankfurt vollauf zufrieden.

Vor allem das Hamburger Schietwetter wird schlecht bewertet

Während Regen und Sturm für Einheimische normal sind, sehen Expats das Wetter kritisch. In diesem Punkt landet Hamburg sogar auf dem letzten Platz weltweit. Des weiteren sind auch hier die Lebenshaltungskosten in  Augen der Expats zu hoch, auch wenn 73 Prozent ihr Haushaltseinkommen für ausreichend haltend. Den letzten Platz deutschlandweit belegt Hamburg beim Thema Work-Life-Balance, was wohl damit zusammen hängt, dass ein Großteil der Expats seine Arbeitszeit als zu lang empfindet. Punkten kann Hamburg jedoch mit der Lebensqualität, wo es Platz 23 weltweit belegt. Außerdem sind 94 Prozent der Befragten mit der Umweltqualität zufrieden. UKE und Co. sorgen zudem dafür, dass die Qualität der medizinischen Versorgung gelobt wird. Jedoch kommt die Norddeutsche Unterkühltheit nicht bei jedem gut an. Ein Expat aus Mexiko sagt:

Die Deutschen können sehr kalt sein. Höflich, aber kalt. Sie bleiben immer Bekannte und werden nie zu Freunden.

Guten Morgen Berlin, du kannst so hässlich sein…

Im weltweiten Vergleich landet unsere Hauptstadt nur auf Platz 58 von 72. Das könnte vor allem daran liegen, dass 37 Prozent der Expats die Berliner als unhöflich empfinden. Freunde zu finden sei nicht leicht und einige haben das Gefühl, dass die Einheimischen besonders zu Ausländern nicht freundlich wären. Nur 53 Prozent der Befragten fühlen sich in der Hauptstadt insgesamt Zuhause. Und während Berlins Freizeitmöglichkeiten von 87 Prozent gelobt werden, wird das Arbeitsleben kritisiert. Fast alle Faktoren in Punkto Arbeitsleben erhalten eine schlechte Bewertung. Ihre Karrierechancen schätzen weniger als die Hälfte der Expats positiv ein. Und so ergattert Berlin lediglich Platz 48 beim Thema Arbeitsleben und liegt damit deutschlandweit auf dem letzten Platz. Ein kleines Trostpflaster ist jedoch, dass man in Berlin mit durchschnittlich 38,2 Stunden eine kürzere Arbeitswoche hat als im globalen Vergleich (40,8 Stunden). 

Was können Unternehmen aus den Ergebnissen lernen?

Expats aus globalen Unternehmen sind nichts Neues und es gibt sie seit Jahren. Betrachtet man jedoch Deutschlands politische Lage, so ist es nicht verwunderlich, dass Zugezogene aus dem Ausland sich hier nicht unbedingt wohl fühlen. Insgesamt fühlt sich nur die Hälfte der Expats in Deutschland heimisch. Besonders die hohen Mieten und der Wohnraummangel stellen ein Problem dar, mit dem Einheimische ebenso zu kämpfen haben. Doch gerade jemand, der in ein neues Land zieht, versucht schnellstmöglich Anschluss zu finden – was in Deutschland extrem schwer zu sein scheint. Wer sich im neuen Wohnort schnell einen Freundeskreis und Sozialleben aufbaut, wird zufriedener mit dem Leben dort sein. Um Expats also zu unterstützen, könnten Unternehmen Buddy-Programme einführen, bei welchen die neuen Mitarbeiter „an die Hand genommen“ und bei Fragen und Problemen unterstützt werden.

Zudem können auch interne Events dafür sorgen, dass die Bindung unter den Mitarbeitern enger wird und so vielleicht auch Freundschaften nach Feierabend entstehen. Es kann außerdem hilfreich sein, Hilfestellungen bei der Wohnungssuche zu leisten. Natürlich bekommen den Wohnungsmangel auch Einheimische zu spüren, doch Expats kennen sich auf dem deutschen Wohnungsmarkt vermutlich noch weniger aus. Deshalb wären Tipps und Tricks an dieser Stelle äußert hilfreich. Und auch wenn ein Großteil der Deutschen weltoffen ist, gibt es immer wieder die Negativbeispiele. Dabei ist die Welt bunt und Auswandern für den Beruf keine Seltenheit mehr. Warum also den neuen Kollegen aus Kanada, Indien, Mexiko oder China nicht mal mit zum Mittagessen nehmen? Selbst wenn Expats oft nur zwei bis drei Jahre in einem anderen Land verbringen, kann man doch versuchen, ihnen diese Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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