Coworking Spaces: Ein Arbeitsplatz für Flexibilität und Networking

Immer mehr Coworking Spaces schießen in Deutschlands Städten aus dem Boden – warum das eine gute Entwicklung für unsere Arbeit ist.

© Shridhar Gupta - Unsplash

New Work steht für Selbstverwirklichung bei der Arbeit, für Jobs, die Raum für Kreativität lassen und dabei für eine ausgewogene Work-Life-Balance ermöglichen. Ein Arbeitsmodell im Sinne dieses Begriffs sind die Coworking Spaces, welche ihren Ursprung in den USA haben. Damit gemeint sind in der Regel Schreibtische, die für ein paar Stunden, Wochen oder sogar Monate gebucht werden können. Das Prinzip existiert zwar schon seit 2005, hat sich seit dem aber enorm weiterentwickelt. Zunächst wurde erwartet, dass dieser neue Trend schnell wieder abebben würde. Doch nun sind es weltweit 1,7 Millionen Menschen, welche die rund 19.000 bisher etablierten Coworking Spaces nutzen.

Mehr als nur ein Schreibtisch

Doch Coworking Spaces sind nicht einfach nur Arbeitsplätze. Sie sind perfekt zum Networken geeignet, schließlich kann man nie wissen, wer am Schreibtisch neben einem sitzt. Zudem sorgen auch Leseecken, kleine Cafés und Workshops für einen regen Austausch unter den Nutzern. In einer Untersuchung des Onlinemagazins Deskmag kam heraus, dass in einem „Coworking Büro“ durchschnittlich 80 Arbeitende auf 800 Quadratmetern verteilt sind. Und auch, wenn momentan das klassische Bild eines Coworking Spaces voll mit Schreibtischen vorherrscht, gibt es bereits neue Entwicklungen: Labore, kleinere Filmstudios und sogar Werkstätten öffnen sich für das moderne Arbeitsmodell. Und wer nun denkt, dass die Arbeitsplätze sicherlich karg eingerichtet sind, der irrt. Deskmag fand heraus, dass Grünpflanzen, moderne Möbel und Highspeed Internet Standards sind und auch Kaffee ist oft in den Mietpreis mit einbegriffen. Kein Wunder also, dass besonders Freelancer, Selbstständige, aber auch Startups häufig auf Coworking Spaces zurückgreifen.

Was sind die Vorteile von Co-Working Spaces?

Einer der größten Vorteile der mietbaren Arbeitsplätze ist ganz klar die Kostenersparnis. Anstatt dass Selbstständige oder Startups eine teure Bürofläche mieten, diese dann komplett einrichten und für Strom, Wasser und sonstige Kosten aufkommen müssen, steht in den Co-Working Spaces bereits alles zur Verfügung. Drucker, Scanner, Telefone, alles kann genutzt werden und unter dem Strich wird lediglich für die Zeit bezahlt, in welcher man den Arbeitsplatz nutzt. Gleichzeitig wird dem Nutzer eine größere Flexibilität gegeben. Normale Büroflächen müssen meist längerfristig gemietet werden. Ein Coworking Space hingegen kann relativ spontan in Anspruch genommen und auch oft genauso spontan wieder gekündigt werden. Natürlich kommt es darauf an, wie ausgebucht der angestrebte Arbeitsplatz ist und welche Konditionen gelten.

Außerdem sind Coworking Spaces aufgrund des dort stattfindenden Networkings äußert beliebt. Nicht umsonst wird heutzutage oft gesagt, dass ein ausgebautes Netzwerk an Kontakten der Schlüssel zum Erfolg ist. Wie schon erwähnt, kann man nie wissen, mit wem man sich den Arbeitsplatz teilt. Es können zum einen Personen aus derselben Branche sein, die einen mit praktischen Tipps unterstützen können. Oder eben Menschen aus ganz anderen Arbeitsbereichen. Auch diese können eine Bereicherung für das eigene Netzwerk sein, schließlich kann man nie wissen, wann man eventuell auf deren Dienstleistungen zurückgreifen muss. Und dann ist es von Vorteil jemanden zu kennen, mit dem man bereits in der Pause gemeinsam einen Kaffee getrunken hat.

Bergen Coworking Spaces auch Risiken?

Das Problem mit dieser Art des Arbeitsplatzes ist, dass die vorgesehene Flexibilität des Prinzips nicht immer umsetzbar ist. Coworking Spaces sind äußerst beliebt und so ist es keine Seltenheit, dass Suchende keinen Platz finden, wenn dieser jedoch dringend benötigt wird. Hinzu kommt natürlich, dass mit steigender Nachfrage auch die Mietpreise steigen können. Und auch wenn der angemietete Arbeitsplatz eine vollständige Infrastruktur bereithält, ist dies kein Garant dafür, dass diese auch genutzt werden kann. Schließlich arbeiten noch andere Personen dort und so kann es zu Stau an Meetingräumen, Kopierern oder Druckern kommen. Außerdem geben einige Beobachter des Trends zu bedenken, dass „Coworking Spaces keine Selbstläufer seien“. Heißt, um die Vorteile voll auszukosten, muss man selbst aktiv werden und auf die anderen Nutzer zugehen.

Coworking Spaces heute: Der Hang zur Spezialisierung

Die Tendenzen der Betreiber von den geteilten Arbeitsplätzen gehen in Richtung kleine Zielgruppe. Es wird versucht sich durch Spezialisierungen von der Konkurrenz abzusetzen, zum Beispiel indem die Nutzer ihre Hunde mit zur Arbeit bringen können. Ein weiteres Beispiel dafür ist „Coworking Toddler“ in Berlin. In der Kindertagesstätte können Eltern ganz regulär ihre Kinder abgeben. Doch anstatt danach den Ort des Geschehens zu verlassen, gelangen sie durch eine „geheime“ Tür in einen Coworking Space mit 12 verfügbaren Schreibtischen. So können die Eltern ungestört ihrer Arbeit nachgehen, sind aber bei Notfällen und während der Eingewöhnungszeit schnell vor Ort. Das Prinzip ist von Erfolg gekrönt. Die Warteliste von „Coworking Toddler“ ist lang und schon bald soll ein zweiter Standort geöffnet werden. Zudem wurde das Modell Kita+Coworking inzwischen auch in anderen Städten, wie Frankfurt, aufgegriffen.

Auch große Unternehmen öffnen Coworking Spaces

Inzwischen reagieren auch etablierte Unternehmen auf den Wunsch ihrer Mitarbeiter nach flexibleren Arbeitsmöglichkeiten. Da die Gestaltungsmöglichkeiten in Coworking Spaces  limitiert sind, öffnen Firmen einfach ihre eigenen. Und so können die Mitarbeiter von Siemens und Allianz in München bereits die eigens kreierten Arbeitsplätze nutzen. Immer mehr Unternehmen ziehen nun nach. In 2019 will die Geschäftsstelle Frankfurt (Oder) der Sparda-Bank Berlin in einen Coworking Space ziehen. Dabei sollen trotzdem alle Serviceleistungen ausgeführt werden können und Kundengespräche in separaten Räumen stattfinden. Und auch die Deutsche Bahn kündigt für 2019 an, dass sie in einigen Bahnhöfen Arbeitsplätze für Geschäftsreisende bereitstellen möchte.

Insgesamt zeigt sich also, dass Coworking Spaces nicht nur eine fixe Idee sind, sondern selbst von den großen Unternehmen ernst genommen werden. Wer also Wert auf ein buntes, inspirierendes Umfeld und Networking während der Arbeit legt, sollte dem Modell eine Chance geben – und sei es nur für einen Monat oder gar einen Tag.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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