82.000 Stellen unbesetzt: IT-Fachkräftemangel in Deutschland verschärft sich

Fachkräfte im IT-Bereich sind hierzulande gefragt wie nie. 82.000 Stellen sind frei, deutlich mehr als zuvor. Für einige Berufsgruppen ergeben sich Chancen.

IT-Kräfte sind gesucht, © NESA by Makers - Unsplash

Der Digitalverband Bitkom hat eine Studie zum Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte veröffentlicht. Sie zeigt einen markanten Anstieg der unbesetzten IT-Stellen, der mit dem Mangel an Spezialisten erklärt wird. Arbeitnehmer wie Softwareentwickler, Data Scientists oder Projektmanager sind in einer guten Position, müssen aber realistisch sein.

49 Prozent mehr unbesetzte Stellen als 2017

Die Studie der Bitkom ist Zeugnis eines prägnanten Fachkräftemangels in Deutschland. 82.000 Stellen in der IT sind unbesetzt. Im Vorjahr waren es noch 55.000 gewesen. Damit sind 2018 beinah 50 Prozent mehr Stellen nicht besetzt worden.

Der Zuwachs bei unbesetzten IT-Stellen ist enorm, © Bitkom

Zu diesem Ergebnis kommen über 800 Geschäftsführer, Chefinnen und Personalverantwortliche aus Unternehmen aller Branchen. Grund für diese Werte ist ein genuiner Mangel an Fachkräften. 82 Prozent der Befragten gaben an, dass es zu wenig IT-Spezialisten gebe. Im letzten Jahr waren es noch zwei Drittel gewesen. Schlimmer für die Wirtschaft in Deutschland sind aber die Prognosen der Befragten. 59 Prozent gehen davon aus, dass dieser Fachkräftemangel in Zukunft drastischer sein wird – dafür spricht auch die Entwicklung der letzten Jahre. Oft können Aus- und Weiterbildungen nicht mit der rasanten technologischen Entwicklung Schritt halten.

Im Schnitt braucht es fünf Monate, um eine IT-Stelle zu besetzen. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder meint:

Quer durch alle Branchen werden IT-Spezialisten händeringend gesucht. Auch in vielen klassischen Berufen steigen die Anforderungen an die Digitalkompetenz. Diese Entwicklung zeigt sich in der rasant wachsenden Zahl vakanter IT-Jobs. Jede offene Stelle bedeutet einen Verlust. Einen Verlust von Wertschöpfung, ein Weniger an Innovationen – und das gilt schon lange nicht mehr nur für die IT-Branche, sondern die gesamte Wirtschaft und den öffentlichen Bereich.

IT-Stellen bleiben oft lange vakant, © Bitkom

Das Problem liegt in den Gehaltsvorstellungen – und fehlenden Skills

Das größte Problem bei der Besetzung von Stellen im Bereich IT sehen die Führungskräfte in überzogenen Gehaltsvorstellungen (76 Prozent stimmen dem zu). Immerhin 38 Prozent bemängeln das Fehlen der entsprechenden fachlichen Qualifikation, während sogar 35 Prozent von fehlenden Soft Skills abgeschreckt sind. Schwache Ergebnisse bei Testverfahren beunruhigen dagegen nur gut ein Viertel (24 Prozent). Rohleder erklärt weiterführend:

IT-Fachkräfte haben beste Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Bei guter Qualifikation können sie sich den Job in der Regel aussuchen. Das führt dazu, dass gute Kandidaten für viele Unternehmen kaum zu bezahlen sind – gerade für den Mittelstand und die öffentliche Hand.

Der Fachkräftemangel der IT-Branche wird in der Studie bestätigt, © Bitkom

Wer gesucht wird

Insbesondere Programmierer sind gefragt. Drei von zehn (29 Prozent) Unternehmen suchen mindestens eine Stelle in diesem Bereich. Außerdem gefragt sind:

  • Projektmanager (17 Prozent)
  • Anwendungsbetreuer (13 Prozent)
  • Qualitätsmanager (9 Prozent)
  • Sicherheitsexperten (8 Prozent)
  • Data Scientists (7 Prozent)
  • Virtual Reality Designer (6 Prozent)

Berufsbilder wie jenes des Data Scientist sind relativ jung und brauchen Zeit, um sich schnell zu etablieren. Unternehmen tun also jetzt gut daran, in die Aus- und Fortbildung in diesen Bereichen zu investieren. Eine andere Möglichkeit die offenen Stellen zu besetzen ist die Abwerbung von Experten aus dem Ausland. Problematisch ist beim derzeitigen Mangel, dass die wenigen qualifizierten Fachkräfte sich ihren Job aussuchen können. Sie wählen dementsprechend Stellen, die am besten bezahlt werden. Kleinere und mittelständische Unternehmen haben dann mitunter schlechte Karten. Hier ist ein Rückgriff auf talentierte Studierende vielleicht als Lösung zu betrachten. Studiengänge wie IT-Management, Medieninformatik oder Software Engineering und Computational Science and Engineering bereiten junge Arbeitskräfte auf entsprechende Stellen vor. Eine Kombination mit der Praxis kann beiden Seiten helfen. Bisher erreicht die Digitalkompetenz der Bewerber bei den Befragten nur das Mittelmaß.

Die Digitalkompetenz der Bewerber erreicht oft nur Mittelmaß, © Bitkom

Wo die Jobs gefunden werden

Fast alle Unternehmen (92 Prozent) inserieren Ausschreibungen für IT-Stellen auf der eigenen Unternehmenshomepage. Oder auf der dazugehörigen Karriereseite. Dabei nutzen 70 Prozent eine Arbeitsagentur, während auch 69 Prozent auf Mund-zu-Mund-Propaganda setzen. Überraschenderweise ist nur jede zweite Stellenausschreibung (51 Prozent) ebenfalls bei Online-Stellenbörsen zu finden. Auf LinkedIn und XING setzen trotz der engen Verbindung mit der Tech-Industrie nur gut die Hälfte der Inserenten. Immerhin noch 28 Prozent distribuieren ihre Jobangebote über Facebook oder Twitter.

Die direkte individuelle Interaktion mit den Menschen wird den Arbeitgebern jedoch wichtiger. Jobmessen (61 Prozent) oder persönliche Headhunter (54 Prozent) gewinnen nach Aussage der Befragten an Bedeutung. Weniger Gewicht dürften nach Meinung dieser künftig Kanäle wie Zeitungen (87 Prozent) oder Fachmagazine (70 Prozent) haben.

Um dem frappierenden Fachkräftemangel in der IT-Branche vorzubeugen, braucht es unmittelbare wie mittelbare Lösungen. Erstere könnte ein Rückgriff auf Fachpersonal aus dem Ausland sein, zudem womöglich ein Anreizprogramm, um geeignete Bewerber zu überzeugen. Langfristig lohnt ein struktureller Wandel. Bitkom fordert Smart Schools allerorten, Digitale Kompetenz als Schwerpunkt in Schulen, ein flexibleres und moderneres Arbeitsrecht sowie den Ausbau nicht-formaler Bildungsangebote wie Nanodegrees und Mikrozertifikate. Die Kooperation mit Universitäten könnte für Unternehmen ebenfalls fruchtbar sein; und das schon zeitnah.

Wer sich für den IT-Bereich interessiert oder darin schon positioniert ist, sollte seine Ausbildung entsprechend der Möglichkeiten weiterführen. Es winken gute Stellen und gute Gehälter. Die Studie der Bitkom zeigt jedoch auch, dass ein grundlegender Strukturwandel in der Wirtschaft im Gange ist, der durch die Politik in den Bereichen Bildung, Recht usw. mitgetragen werden muss. Denn die IT-Branche wird zu einer zentralen werden, sie ist es womöglich schon.

Falls ihr euch für Studiengänge im Bereich Informatik interessiert, findet ihr hier eine Übersicht. Ansonsten warten schon massenhaft Jobs auf die IT-Experten. Künftig sicher noch mehr.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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