4 neue Arbeitszeitmodelle, die dein Leben besser machen

Genug Zeit für Hobbys, Familie und Freunde haben und gleichzeitig einen erfüllenden Beruf ausüben – die neuen Arbeitszeitmodelle ermöglichen dir genau das.

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Als Mitarbeiter wünscht man sich kürzere Arbeitszeiten, Mitbestimmung im Job und eine ausgewogene Work-Life-Balance. Die Unternehmen dagegen müssen im internationalen Wettbewerb mithalten, rund um die Uhr erreichbar sein und flexibel auf globale Veränderungen agieren können. Um beide Seiten unter einen Hut zubringen, braucht es flexiblere Arbeitszeitmodelle anstatt des alten 9-to-5-Schemas.

Verkürzte Arbeitszeit: Prioritäten setzen für mehr Freizeit

Wie sehr an der Arbeitszeitschraube gedreht werden kann, zeigt das Projektmodell der Marketingagentur Rheingans. Gearbeitet wird von 8 bis 13 Uhr. Danach ist Schluss und die Mitarbeiter können sich ihrem Privatleben widmen. Damit das möglich ist, wurden die Abläufe effizienter gestaltet. So beantworten die Mitarbeiter die Mails nur noch einmal morgens sowie abends. Auch die Zeit der Meetings wurde verkürzt. Allerdings entfallen mit der Effizienz auch die Kaffeepläuschchen.

Bei einer extrem kurzen Tagesarbeitszeit wie bei Rheingans ist es wichtig, dass die Mitarbeiter ihre verschiedenen Aufgaben priorisieren.

Job Sharing: geteilte Arbeit, mehr Lebensqualität

Bei diesem Arbeitszeitmodell teilen sich mehrere Mitarbeiter einen Arbeitsplatz und damit auch die Arbeitszeit. Wie lange in der Woche gearbeitet wird, hängt vom Unternehmen ab. Das Arbeitszeitmodell bietet sich besonders für Firmen mit langen Servicezeiten an. Die Angestellten teilen ihre Zeiten selbst ein, in manchen Fällen gibt es aber auch der Betrieb vor. Ein regelmäßiger Austausch zwischen den Mitarbeitern über die Aufgaben und Arbeitstage beziehungsweise -zeiten muss stattfinden, sonst endet das vorteilhafte Job Sharing schnell im Chaos. Das große Plus: Sie können die Arbeit flexibel an unterschiedliche Lebenssituationen anpassen und haben mehr Freizeit. Das Job Sharing funktioniert auch in höheren Positionen. Bei der Deutschen Bahn teilen sich zwei Managerinnen eine Führungsposition. Jede der Frauen arbeitet vier Tage in der Woche im Unternehmen und vertritt die andere, falls sie ausfällt oder Urlaub hat.

Funktionszeit: Mehr Selbstbestimmung im Job

Die Funktionszeit ist eine Variante der Gleitzeit und ermöglicht ebenfalls eine flexiblere Arbeitsweise. Die Arbeitnehmer haben keine Kernarbeitszeit, zu der sie anwesend sein müssen, sondern es werden sogenannte Funktionszeiten festgelegt. Das sind Zeiten, zu denen bestimmte Bereiche – wie zum Beispiel Telefonzentrale, Kundenberatung oder Maschinen – im Unternehmen funktionsfähig sein müssen. Abgesehen von dieser Vorgabe teilen sich die Mitarbeiter in Abstimmung miteinander die Dauer ihrer Arbeitszeit selbst ein.

Auch die Urlaubsplanung regelt das Team untereinander. Dabei ist es möglich, dass Mitarbeiter ihre Arbeitszeit ihrem Lebensentwurf anpassen und beispielsweise nur an vier anstatt fünf Tagen arbeiten oder an bestimmten Tagen weniger als an anderen. In Unternehmen, die intensive Projekte bearbeiten, können Mitarbeiter so nach den heißen Phasen einen oder mehrere Tage frei nehmen. Der Vorteil für die Angestellten besteht auch hier wieder in der großen Flexibilität der Arbeitszeiteinteilung. Das wiederum ermöglicht einen individuellen Lebensstil und lässt Platz für Freizeit und Hobbys und steigert auch die Motivation.

Infografik: Jeder Zweite würde gerne weniger arbeiten | Statista

Jeder Zweite würde gerne weniger arbeiten, © Statista

Allerdings müssen die Mitarbeiter sich untereinander gut organisieren können. Dass dieses Arbeitszeitmodell auch im Schichtbetrieb gut läuft, zeigt das Beispiel der Firma Trefz GmbH. Das Unternehmen fertigt Präzisionsteile und beschäftigt 22 Mitarbeiter. Festgelegt sind vom Betrieb nur die Maschinenlaufzeiten. Die Mitarbeiter besprechen sich am Anfang jeder Woche mit dem Meister und gestalten die Dienstpläne nach Arbeitsanfall sowie den Wünschen der Arbeiter. So bleibt diesen Zeit, private Angelegenheiten zu erledigen oder einfach einige Stunden mehr Freizeit im Monat zu genießen.

Hotdesking: Reise nach Jerusalem im Büro

Während Home Office und Co-Working Spaces schon länger bei uns bekannt sind, ist das Hotdesking in Deutschland noch nicht weit verbreitet. Dieses Arbeitszeitmodell ermöglicht den Arbeitnehmern eine freie Zeiteinteilung und Wahl des Arbeitsortes. Sie erscheinen im Büro, wann sie möchten oder zu einer lockeren Kernarbeitszeit, arbeiten ansonsten im Home Office, in einem Co-Working Space oder befinden sich bei Terminen. Im Büro haben sie keinen festen Schreibtisch, sondern nehmen den, der frei ist. Das spart dem Arbeitgeber große Räumlichkeiten und dadurch auch Betriebskosten, da nicht alle Mitarbeiter immer zur gleichen Zeit anwesend sind. Voraussetzung für diese Art des Arbeitens sind PCs an jedem Arbeitsplatz und ein virtueller Desktop wie Client Hyper-V oder Parallels Desktop, in den sich der Mitarbeiter einloggen kann.

Es gibt bei diesem Arbeitszeitmodell auch die Möglichkeit den Angestellten Notebooks zur Verfügung zu stellen, die sie entweder selbst mitbringen oder vor Ort lagern können. Die internationale Anwaltskanzlei Beachcroft mit Büros in Großbritannien, Europa, Asien und Lateinamerika startete das Hotdesking zuerst als Projekt in Leeds mit rund 300 Mitarbeitern. Nur bestimmte Arbeitnehmer wie die Empfangsdamen haben dort noch einen festen Schreibtisch. Die Anwälte verstauen ihre Unterlagen und Geräte in Spinden im Büro und jeder hat einen Code, um das jeweilige Telefon am Schreibtisch zu nutzen. Auf zehn Angestellte kommen acht Schreibtische. Außerdem stehen Räume für Teamarbeit zur Verfügung. Das Modell funktioniert bei Beachcroft so gut, dass die Firma es nun auch auf die anderen Kanzleien ausweiten will.

Diese Arbeitsweise klappt nur, wenn nicht alle Mitarbeiter zur gleichen Zeit anwesend und bereit sind, ihre Arbeitsplätze zu teilen. Ein rundlaufendes Hotdesking sorgt nicht nur für abwechslungsreiche Arbeitstage, sondern bietet auch eine besonders hohe Flexibilität bei der Arbeitszeiteinteilung. Das wiederum kommt einer ausgewogenen Work-Life-Balance zugute.

Über Juliane Pröll

Autorin Juliane Pröll studierte Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach und arbeitet seitdem als freie Journalistin für verschiedene Medien. Dabei berichtet sie auch immer wieder über Wirtschaftsthemen.

Juliane Pröll

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