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E-Commerce
Für Mode oder Daten? Amazon plant 3D Körperscans einzuführen
© Pierre Acobas - Unsplash, Amazon

Für Mode oder Daten? Amazon plant 3D Körperscans einzuführen

Toni Gau | 26.07.19

Um die Einkaufserfahrungen von Nutzern zu verbessern, möchte Amazon nun 3D Körperscans anwenden - doch das ist mehr als bloß bedenklich.

Amazon mag nicht das erste Unternehmen sein, welches auf 3D Körperscans zurückgreift, um die gegebene Nutzererfahrung zu optimieren – doch ist bisher bei keinem Unternehmen der Gedanke daran so enorm furchterregend, wie auch Adweek berichtete. Augenscheinlich mag der Unterschied hierbei nur ein kleiner sein, die dahinterstehende Bedeutung ist allerdings nicht zu unterschätzen: Im Gegensatz zu anderen Unternehmen, die bisher auf derartige Technologie zurückgreifen, ist Amazon nicht auf Mode spezialisiert – und die daraus womöglich hervorgehenden Konsequenzen sind überaus besorgniserregend, wenn auch der Big Player selbstverständlich mit der Konkurrenz mithalten können muss.

Daten zum Gutschein

Im März dieses Jahres stellte der Big Player das Angebot, einen 25 US-Dollar Gutschein an diejenigen auszustellen, welche bereit waren, sich einem 3D Körperscan zu unterziehen. Diese Daten sollten nicht für Marketing-Zwecke genutzt werden. Was zunächst wie ein harmloses Angebot scheinen mag, brachte recht schnell Zweifel auf, denn man musste sich zwangsläufig die Frage stellen, welche Intentionen Amazon hiermit verfolgen würde. Wohl gemerkt, wäre Amazon selbst hauptsächlich in der Mode tätig, würde die Skepsis sich hierbei in Grenzen halten, doch dem ist nicht so. Amazon ist eine der weltweit größte Shopping-Plattformen und spezialisiert sich nicht auf nur einen Themenbereich, welcher dort vertrieben wird, sondern auf nahezu jeden erdenklichen. Sofern es etwas zu kaufen gilt, ist bei vielen heutzutage der erste Anhaltspunkt die Amazon-Suchleiste. Beruhigender wird es nicht, wenn man bedenkt, dass Amazon sich bereits in der Vergangenheit bereit gezeigt hat, Daten gewissenlos  zum eigenen Vorteil auszuschöpfen. In einem E-Mail-Diskurs sagte eine stellvertretende Person Amazons dazu, dass ein besseres Verständnis der Körperform von Nutzern eine angenehmere Erfahrung als Käufer bewerkstelligen könnte und somit für diese von Vorteil sei. Ebenfalls sei dies der Weg, um eine innovative Einkaufsvariante zu ermöglichen.

Worin genau liegt die Gefahr?

Ob Amazon wie angegeben die Daten nur zur besseren Distribution von Modeartikeln nutzt, wird bisher heiß diskutiert. Bei derartigen Diskursen hört man oftmals das Argument, dass ohnehin zu viele Daten im Verkehr sind, weshalb es keine Rolle spielt, ob Amazon nun deine Handynummer besitzt oder nicht. Problematisch ist hierbei allerdings, dass die eigenen Körpermaße, welche bei den 3D Scans entnommen werden, so einzigartig sind, dass diese alleine genügen, um jemanden in der physischen Welt womöglich zu identifizieren. Die Länge einzelner Knochen, Fußformen, Schuhgrößen, Nasenlänge, Weite des Brustkorbs etc. – in der Zusammensetzung unserer Körpers gibt es wohl niemanden auf der Welt, der oder die genau denselben Körperbau teilt. Zwar besitzt auch niemand dieselbe Handynummer wie man selbst, doch ist das nicht wirklich vergleichbar, denn den eigenen Körper kann man kaum ablegen, zumal der Körperscan wohl auch Wachstum, Diäten und Sonstiges berechnen kann. Realistisch betrachtet sind die Optionen, welche Amazon mit den Daten eröffnet werden, jedoch eingeschränkt. Nichtsdestotrotz belaufen diese sich allesamt auf die Computeridentifikation von Einzelnen. Jay Stanley, Senior Policy Analyst bei der ACLU (American Civil Liberties Union), sagte dazu Folgendes:

It’s just a very intimate set of information to have. It is used to infer things about your health and can be used … to measure changes over time, like if you’re dieting, putting on weight, bodybuilding, et cetera.

Kurzum: Wenn Amazon fähig ist, Nutzer anhand von Körper und Gangart zu identifizieren, ist der Big Player fähig, seine Nutzer auch in der realen Welt, unabhängig vom Internet, physisch zu erkennen – und nicht nur Amazon selbst, sondern jeder, der Zugriff auf diese Daten erhält.

Wie sicher sind meine Daten?

Nach eigenen Angaben werden die beim Körperscan zusammengetragenen Daten nicht gesammelt, jedoch behauptete Amazon ebenfalls in der Vergangenheit, dass die hauseigene Assistentin Alexa nicht permanent zuhören würde, was sich ebenfalls als nicht allzu wahr erwies. Dementsprechend ist auch hier eine gewisse Skepsis angemessen. Die Möglichkeiten, welche diese Scans bieten, könnten in einer Art gesellschaftlichem Panopticon resultieren. Eine Form von orwellscher Überwachung, wie man sie bisher eher aus Romanen kennt. Selbstverständlich möchte man an dieser Stelle keine Panik schüren – letztendlich besteht hierzu schlichtweg die Möglichkeit, vor welcher gewarnt wird. Experten sind bezüglich der Datensammlung Amazons besorgt – und das zurecht. Es bleibt abzuwarten und zu hoffen, dass Amazon diese Daten schlussendlich tatsächlich auf Mode alleine anwendet, doch ist die Skepsis von Nutzern und Experten vollkommen gerechtfertigt. Nicht nur zeigte der Big Player in der Vergangenheit, dass man diesem nicht uneingeschränkt vertrauen kann, sondern auch das Negativpotential, welches die 3D Körperscans mit sich bringen, ist durchaus bedenklich. Viele Daten werden ohnehin an diverse Plattformen vermittelt, beispielsweise Geodaten an Instagram oder Snapchat. Es ist dennoch besorgniserregend, wie viel Amazon angesichts der Käuferprofile oder der Nutungsdaten bei Prime Video oder Music über seine Nutzer weiß – und wie viel das Unternehmen noch in Erfahrung bringen könnte.

Bidi am 29.07.2019 um 12:15 Uhr

Die einzigen Institutionen welche vorhandene Daten zum Nachteil von Bürgern einsetzen sind Staaten und Behörden. Beschäftigt euch lieber mal damit. Danke

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Rolf am 26.07.2019 um 15:10 Uhr

Ich will keine Panik schüren , aber es ist Amazon, die sind GEFÄHRLICH!!! Das ist Panik schüren.
Wenn Amazon diese Daten nutzt, um z. B. besser Klamotten anbieten zu können, die passen und damit die Retourenquote, die bei Kleidung bei 50% und mehr liegt, senken kann, dann ist das der richtige Weg.

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