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Digitalpolitik
Wegen der Coronakrise: Digitalbranche rechnet mit deutlich weniger Umsatz
© @ Adam Nowakowski - Unsplash

Wegen der Coronakrise: Digitalbranche rechnet mit deutlich weniger Umsatz

Niklas Lewanczik | 09.04.20

Eine Mitgliederbefragung des BVDW offenbart, dass 98 Prozent der Befragten deutliche Umsatzeinbußen erwarten, während jeder Fünfte mit Entlassungen im Unternehmen rechnet.

Wie deutlich wird die Digitalbranche die Coronakrise nicht nur jetzt, sondern auch langfristig spüren? Dieser wichtigen Frage hat sich der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) angenommen und eine repräsentative Mitgliederumfrage durchgeführt. Dabei zeigt sich, dass gut zwei Drittel der Befragten davon ausgehen, dass die Digitalwirtschaft im Vergleich zu anderen Industrien weniger stark betroffen ist. Trotzdem hat jedes dritte Unternehmen Kurzarbeit beantragt und mit Entlassungen rechnen mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer.

Coronakrise bedeutet auch schwere Zeiten für die Digitalwirtschaft

Der BVDW liefert mit den Ergebnissen der Umfrage Hinweise darauf, dass die Branche auch finanziell leiden wird. Die vielen Maßnahmen zur Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus wirken sich negativ aus: So rechnet beinahe die gesamte Branche (98 Prozent) mit Umsatzeinbußen – diese sollen in diesem Jahr bei durchschnittlich 32 Prozent liegen.

Die Soforthilfemaßnahmen von Bund und Ländern, die zeitnah auf den Weg gebracht wurden, bewerten allerdings rund zwei Drittel (65 Prozent) als „zielführend“. Jeder sechste Befragte gibt wiederum an, damit nicht zufrieden zu sein. Für die Mitglieder des BVDW, die befragt wurden, besteht zudem Nachbesserungsbedarf in den folgenden Bereichen:

  • steuerliche Erleichterungen (51 Prozent)
  • Höhe der Soforthilfen (37 Prozent)
  • bei den jeweiligen Antragsverfahren (36 Prozent)

BVDW-Präsident Matthias Wahl sagt zu den Ergebnissen:

Ohne Zweifel hat die Bundesregierung gezeigt, dass sie in einer Krise schnell und konstruktiv agiert und politische Befindlichkeiten dabei hintenanstellt. Bei einer Krise, die quasi keinen Lebens- oder Wirtschaftsbereich unberührt lässt, ist es gelungen, möglichst universelle Maßnahmen schnell auf den Weg zu bringen.

Punktuelle Verbesserungen fordert Wahl dennoch:

Kleine und mittelständische Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern werden bei den Soforthilfen von der Bundesregierung nicht berücksichtigt – Garantien alleine werden in vielen Fällen kaum ausreichen. Während einzelne Länder hier bereits mit einer Ausweitung der Soforthilfen regiert haben, erwarten wir einheitliche Lösungen auf Bundesebene, um diese Existenzen zu schützen.

Jedes dritte Unternehmen beantragt Kurzarbeit, jedes fünfte erwartet Entlassungen

Die im Zuge der Maßnahmen durch die Bundesregierung angepassten Rahmenbedingungen für Kurzarbeit werden auch von den Unternehmen der Digitalbranche gut angenommen. Lediglich 15 Prozent der Befragten fordern hierbei mehr Spielraum. Ein Drittel der Digitalunternehmen (35 Prozent) hat inzwischen Kurzarbeit beantragt oder plant, das zu tun.

Balkendiagramm: BVDW Umfrage: Angaben zur Kurzarbeit in der Digitalbranche
BVDW Umfrage: Angaben zur Kurzarbeit in der Digitalbranche (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © BVDW

Dabei sind durchschnittlich 65 Prozent der Belegschaft betroffen – die ursprüngliche Arbeitszeit wird oder wurde um 44 Prozent reduziert.

Trotzdem dürften viele Menschen ihren Job langfristig noch verlieren. Gut ein Fünftel der Unternehmen (21 Prozent) rechnet damit, Mitarbeiter aufgrund der Coronakrise entlassen zu müssen. Matthias Wahl bezeichnet diese Befürchtung als „verheerend“, denn:

Die Fachkräftegewinnung gehörte bisher zu den größten Herausforderungen unserer Branche. Gemeinsam mit der Politik auf Bundes- und Länderebene müssen wir alles dafür tun, den nachhaltigen Schaden so gering wie möglich zu halten, damit wir uns schnell von dieser Krise erholen werden.

Balkendiagramm: BVDW Umfrage Angaben zur Erwartung von Entlassungen in der Digitalbranche
BVDW Umfrage: Angaben zur Erwartung von Entlassungen in der Digitalbranche, (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © BVDW

All dieser Hiobsbotschaften zum Trotz sieht sich die Digitalwirtschaft in einer noch recht positiven Position.

Glück im Unglück? Digitale Unternehmen derzeit im Vorteil

Zwei Drittel der befragten Digitalexperten (65 Prozent) glauben, dass die Digitale Wirtschaft im Vergleich zu anderen Branchen weniger stark von der Krise betroffen ist. Und nur sechs Prozent gehen in ihrer Reflexion davon aus, dass sie stärker betroffen sei.

Balkendiagramm: BVDW Umfrage: Digitalwirtschaft weniger stark von Coronakrise betroffen
BVDW Umfrage: Digitalwirtschaft weniger stark von Coronakrise betroffen, (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © BVDW

Dieser Wert macht Hoffnung. Obwohl auch die Digitalbranche von der Coronakrise hart getroffen wird, könnte gerade diese auch die Potentiale des Digitalraums vestärkt zu ihrem Vorteil nutzen. Daher gilt es als Branchenteilnehmer schon jetzt auf neue Strategien und langfristige Planung zu setzen, wo möglich.

Insgesamt befragte der BVDW 2020 Digitalexperten aus den Mitglieds-Unternehmen. Die gesamten Ergebnisse kannst du hier nachvollziehen.

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