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Digitalpolitik
Der Countdown läuft – Wieso die Branche lieber heute als morgen auf TCF v2.0 umsteigen sollte
© Michael - Unsplash

Der Countdown läuft – Wieso die Branche lieber heute als morgen auf TCF v2.0 umsteigen sollte

Ein Gastbeitrag von Matthias Matthiesen | 09.06.20

Im August 2020 wird das Transparency and Consent Framework (TCF) auf Version 2.0 geupdated. Im Beitrag erfährst du, was damit auf die Branche zukommt.

Kaum zu glauben: Deutschland, selbsternannter Organisations-Weltmeister und Land der Vorschriften, gehört europaweit zu den Schlusslichtern bei den gesetzlichen Vorgaben zu Cookies und der Einwilligung der User. Während nahezu jeder Bereich des Lebens mit unzähligen Gesetzen klar geregelt ist, bewegen sich Werbetreibende und Publisher beim Thema Onlinewerbung immer noch durch diffuse Grauzonen mit wenig klaren Regelungen. Dabei bietet der Branchenverband Interactive Advertising Bureau Europe (IAB) mit dem Transparency and Consent Framework (TCF) sowohl Publishern als auch Werbetreibenden eine Lösung für Werbung im Internet. Im August soll nun ein umfassendes Update auf Version 2.0 wirksam werden und den Datenschutz nochmal deutlich verbessern. Der Haken: Version 1.1 des TCF wird damit unbrauchbar.

Die rechtliche Situation in Deutschland

Wie allerdings Dennis Buchheim, SVP und General Manager des IAB Tech Lab, in einem Artikel für das Fachmedium AdExchanger feststellte, gibt es immer noch eine große Anzahl Publisher in Deutschland, darunter auch Größen unserer Branche, die noch nicht einmal Consent Management Plattformen (CMPs) verwenden, die TCF v1.1-konform sind. Ihrer Ansicht nach bietet das TCF bisher zu wenig spezifische Optionen für die Datenverarbeitung aus „berechtigtem Interesse“. 

Die Datenverarbeitung zu Werbezwecken und die rechtskonforme Einwilligung für Cookies sind in Deutschland immer noch recht neue Themen, da Deutschland anders als andere EU-Mitglieder die Einwilligungspflicht für Cookies aus der ePrivacy-Richtlinie nicht in deutsches Recht umgesetzt hat. In anderen EU-Ländern ist eine Einwilligungspflicht spätestens seit 2011 notwendig, hierzulande brachte erst ein Urteil im Jahr 2018 die verbindliche Vorgabe, dass Einwilligungen der DSGVO entsprechen müssen. 

In den vergangenen Wochen fand das Thema allerdings auch in Deutschland vermehrt Interesse, da am 28. Mai das Urteil des BGH im Prozess um das Unternehmen Planet49 und dessen Online-Gewinnspiele gefallen ist. Bereits im Oktober 2019 hatte der EuGH entschieden, dass es unbedingt einer aktiven und informierten Einwilligung des Users zu Cookies bedarf. Das deutsche Gericht hat nun, wie erwartet, festgestellt, dass die Verwendung von Cookies auch in Deutschland generell nur mit einer aktiven Einwilligung rechtens ist. Die Zeit drängt und Publisher sollten sich schnell darüber klar werden, welche Vorteile ihnen ein Wechsel zu TCF v2.0 bietet.

Das steckt hinter dem TCF

Dazu gilt es erst einmal zu beleuchten, was das TCF eigentlich genau ist und was es für Publisher und Werbetreibende leisten kann. Das IAB Europe Transparency and Consent Framework (TCF) wurde am 25. April 2018, einen Monat vor Inkrafttreten der Allgemeinen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), eingeführt. Das ursprüngliche TCF war ein Versuch, die Anforderungen der DSGVO nach bestem Wissen und Gewissen zu erfüllen. Aufgrund der Zeitnot schafften es viele Rahmenideen, die zum Zeitpunkt seiner Einführung existierten, nicht in die erste Version. Daraufhin startete das IAB Europe einen intensiven zwölfmonatigen Prozess zur Verbesserung sowohl der technischen Standards als auch der Richtlinien des TCF, der in der Veröffentlichung des TCF v2.0 im Sommer 2019 gipfelte. Grundlage dafür bildeten Feedback aus dem Markt, insbesondere von Publishern, und Feedback von Datenschutzbehörden.

Sobald die Branche zu TCF v2.0 übergeht, wird den Verbrauchern noch mehr Transparenz und Kontrolle über die Verarbeitung ihrer persönlichen Daten geboten. TCF v2.0 beinhaltet:

  • Eine umfassendere Liste von Verarbeitungsaktivitäten und -zwecken, über die die Verbraucher auf benutzerfreundlichere Weise informiert werden 
  • Eine umfassendere Kontrolle über die relevante Verarbeitung personenbezogener Daten, einschließlich des Rechts auf Einspruch, gegen eine nicht auf Einwilligung beruhende Verarbeitung
  • Neue separate Opt-Ins für die Verwendung präziser Geolokalisierungsdaten und aktives Scannen von Geräten zur Identifizierung

Für die Nutzer selbst ändert sich beim Besuch einer Website erstmal nichts. Auf den ersten Blick werden sich die Consent-Management-Hinweise von TCF v1.1 und TCF v2.0 kaum unterscheiden, wirkliche Veränderungen würden User erst bei einem Blick unter die Haube bemerken. Im Hintergrund einer Website gibt es nun weit mehr Informationen über die Datenverarbeitung und Optionen, um diese genauer zu kontrollieren.

Die Uhr tickt: Das müssen Publisher und Werbekunden jetzt tun

Publisher und Werbekunden, die derzeit TCF-konforme CMPs verwenden, sollten daher sicherstellen, dass sie vor Ablauf der Frist am 15. August eine von der IAB validierte CMP implementieren, die die Version 2.0 unterstützt. Das TCF greift auf zentrale Infrastruktur zu, um aktuelle Informationen anzuzeigen, die für eine informierte und konforme Einwilligung notwendig sind. Die Infrastruktur für TCF v1.1 wird allerdings ab dem 15. August abgestellt, weshalb es ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich sein wird, informierte Einwilligungen durch TCF v1.1 einzuholen. Anders verhält es sich bei Publishern und Werbern, die noch keine TCF-konforme CMP implementiert haben: Sie können einfach auf die Version 2.0 umsteigen, wenn sie bereit sind. Allerdings ist ein möglichst schneller Wechsel empfehlenswert, da es in der Werbebranche aufgrund der vielen Drittanbieter schwer bis unmöglich sein kann, ohne den TCF-Standard die notwendigen Informationen für eine aufgeklärte Einwilligung zu erhalten. 

Führende Plattformen, die die Einwilligungserklärungen verwalten, wurden bereits aktualisiert und entsprechen damit den Vorgaben von TCF v2.0. Wer noch auf der Suche nach einer TCF-v2.0-konformen Consent-Management-Plattform ist, findet auf der Website des IAB Europe alle Anbieter, die die aktualisierte Version unterstützen.