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Digitalpolitik
Journalistisch geprägte Suchanfragen bei Google kommerziell kaum relevant
© Christian Wiediger - Unsplash

Journalistisch geprägte Suchanfragen bei Google kommerziell kaum relevant

Niklas Lewanczik | 26.06.19

SISTRIX hat sich ob des intendierten EU-Leistungsschutzrechts die kommerziellen Suchanfragen bei Google angesehen und erkannt: nur 0,25 Prozent sind journalistisch geprägt.

Die Debatte um die EU-Urheberrechtsrichtlinie ist nach dessen Annahme durch das Europäische Parlament inzwischen abgeebbt. Von Uploadfiltern, die die Diskussionen im Vorwege prägten, ist in der Richtlinie konkret gar nicht mehr die Rede, ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger bleibt jedoch Teil der Vorgaben, die die EU-Staaten umsetzen müssen. Doch welche Folgen könnte das haben, wie wichtig sind journalistische Beiträge für Google? Eine Studie von SISTRIX zeigt: nicht so sehr, wie man glauben möchte.

SISTRIX analysiert journalistische Inhalte bei Google

Nachdem die EU-Urheberrechtsreform beschlossene Sache ist, müssen sich die Mitgliedstaaten in den kommenden zwei Jahren darum bemühen, die Vorgaben der Richtlinie auf nationaler Ebene im Gesetz umzusetzen. Zu bemerken ist hierbei, dass es zu differenten Auslegungen kommen kann, da es sich um eine Richtlinie handelt, nicht um um eine Verordnung wie etwa die DSGVO sie darstellt.

Diese EU-Urbeberrechtsrichtlinie beinhaltet auch die Vorgaben für ein sogenanntes Leistungsschutzrecht – das in Deutschland tatsächlich schon seit 2013 in ähnlicher Form Bestand hat. Die Auslegung der in Artikel 15 definierten Vorgaben mag variieren. Denn es ist nicht ganz klar, ob journalistische Inhalte etwa in Form von Snippets oder Auszügen bei Suchmaschinen wie Google oder Aggregatoren lizenzpflichtig werden.

Für diese Titelangaben dürften keine Lizenzen nötig sein (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), Screenshot Google News

Hyperlinks werden von der Regelung ausgenommen, womit die Furcht vor einer Linksteuer eingedämmt sein dürfte, doch es ist nicht klar, was genaue einzelne Wörter oder sehr kurze Auszüge umfasst, die ebenfalls ausgenommen sind. Von einigen Mitgliedern der Digitalgemeinde wird nun befürchtet, dass Google, sollte die Suchmaschine theoretisch gezwungen werden für journalistische Inhalte von Presseverlegern Lizenzgebühren zu zahlen, eher seine News-Rubrik schließt als Geld abzugeben. Dieses Szenario hat es in Spanien bereits gegeben. Und obwohl auch Lizenzregelungen im Raum stehen, bei denen Google die Rechte für die Darstellung der Inhalte ohne Entgeltzahlung erhält, bleibt die Furcht in der EU bestehen. Zwar muss die Richtlinie samt Artikel 15 erst in geltendes Recht umgesetzt werden, doch klar ist: die Relevanz von journalistischen Inhalten ist für Google gar nicht so groß. Das hat SISTRIX in einer aktuellen Studie deutlich dargelegt.

Bei kommerziellen Suchanfragen spielt der Journalismus eine untergeordnete Rolle

Johannes Beus berichtet auf der Website von SISTRIX über die Studie. Bei dieser wurden Domains analysiert, die innerhalb der Woche vor der Analyse mindestens fünf Artikel über Google News veröffentlicht hatten. So wurde eine Grundlage von 1.278 Domains geschaffen, die in diesem Kontext als journalistisch gelten. Ernüchternd ist dann das Ergebnis, welches zeigt, wie wenig Relevanz journalistische Inhalte für Google bei der Generierung von Einnahmen haben. Nur 0,25 Prozent der Suchanfragen, die journalistisch geprägt sind, sind für Google kommerziell relevant. Bei 53.269.494 untersuchten Suchbegriffen zeigte sich nur bei 132.772, dass organische Ergebnisse auftauchen, bei denen auch Anzeigen zwischengeschaltet sind.

Insgesamt sind lediglich 4,65 Prozent aller analysierten Suchergebnisse journalistisch geprägt. Als journalistisch geprägt gilt ein solches, wenn mindestens fünf der zehn Ergebnisse auf der ersten Seite von Domains kommen, die SISTRIX als journalistisch eingestuft hatte. Erhöht man die Zahl der Ergebnisse auf sieben von zehn, liegt der Anteil nur noch bei 1,64 Prozent.

Das journalistische Angebot bei Google ist bei Suchanfragen insgesamt wenig ausgeprägt, © SISTRIX

Im Hinblick darauf, wie viele Treffer überhaupt von journalistischen Domains stammen, erhöht sich der Anteil etwas. Bei 2,6 Milliarden analysierten Google-Ergebnissen kommt SISTRIX auf 7,89 Prozent. Das heißt von diesen knapp 2,6 Milliarden waren rund 211 Millionen Treffer journalistischer Natur. Für einen Gutteil dieser Ergebnisse sind übrigens die 50 erfolgreichsten journalistischen Domains bei Google verantwortlich. Sie vereinen 3,24 Prozent der Ergebnisse auf sich.

Aus der Analyse zieht Beus das Fazit, dass Google kommerziell kaum auf die journalistischen Inhalte angewiesen ist:

Google kann im Zweifel auf diese Angebote in den Trefferlisten verzichten.

Google kann verzichten, aber will die Suchmaschine das?

Auf Grundlage dieser Erkenntnisse und auch mit Hinblick auf das Ende von Google News in Spanien wird deutlich, dass Google für das eigene Geschäft nicht zwingend journalistische Angebote anzeigen muss. Allerdings wäre es dem eigenen Anspruch abträglich, wenn man Nutzern nicht mehr die relevantesten und aktuellsten Informationen von Presseverlegern bieten könnte. Daher hatte sich Google, in Person von Richard Gingras, VP bei Google News, eindeutig gegen das Leistungsschutzrecht in der EU-Urheberrechtsrichtlinie ausgesprochen. So hieß es von Gingras etwa:

We believe the information we show should be based on quality, not on payment. And we believe it’s not in the interest of European citizens to change that.

Dabei bezog sich dies noch auf die ältere Version der Richtlinie mit Artikel 11, die das Leistungsschutzrecht noch etwas drastischer formuliert hatte. Da aber Artikel 15 in der aktuellen Fassung Raum für Interpretationen lässt, dürfen wir bei einer Umsetzung dieses Artikels der Richtlinie in Deutschland darauf hoffen, dass Google und Co. uns weiterhin Snippets von relevanten News-Beiträgen anzeigen werden. Die Suchmaschine selbst könnte es verkraften, wenn das nicht der Fall ist. Für Nutzer wird es schon schwieriger, darauf zu verzichten. Dass eine Lizenzregelung gefunden wird, die Google, den Nutzern und den Verlagen hilft, wenn auch diesen nicht direkt finanziell, ist zu hoffen. Was für viele Nutzer im Alltag relevant ist und für viele Verlage das Zentrum, der Journalismus, ist für Google aber eher ein Prestigebereich. Andere Suchanfragen sind, zumindest kommerziell, viel bedeutender.

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