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Digitalpolitik
Google optimiert die Privatsphäre: Aktivitätsdaten und Standorte nach 18 Monaten gelöscht
Google HQ in Mountain View, © Google

Google optimiert die Privatsphäre: Aktivitätsdaten und Standorte nach 18 Monaten gelöscht

Niklas Lewanczik | 25.06.20

Google gibt an, die Privatsphäre seiner User stärken zu wollen und liefert ihnen mehr Optionen, um gespeicherte Daten zu löschen. Zudem können User bald direkt in der Suche umfassende Datenschutzeinstellungen vornehmen.

Google hat eine Reihe neuer Datenschutzfunktionen für die eigenen Plattformen und Dienste angekündigt. So arbeitet unter anderem das Team von Datenschutz- und Sicherheitsexpertinnen und -experten im Google Safety Engineering Center in München daran, den Usern des Suchmaschinenunternehmens möglichst umfassende Optionen zur Stärkung des eigenen Datenschutzes anzubieten. Neu ist das standardmäßige automatische Löschen der zentralen Aktivitätseinstellungen im Google-Konto nach einem bestimmten Zeitraum sowie ein einfacher Sicherheitscheck des Kontos mit nur einem Klick. Außerdem wird der Inkognito-Modus leichter zugänglich und die Kontoeinstellungen über die Suche sollen vereinfacht werden.

Google möchte mit Aktivitätsdaten verantwortungsvoll umgehen

Der Schutz eurer Privatsphäre hat für uns oberste Priorität ,

heißt es im offiziellen Blogpost Googles. Inwieweit diese Aussage kritikfrei hingenommen werden kann, ist strittig, wo Google – oft als Datenkrake bezeichnet – doch davon lebt, einige User-Daten für Werbezwecke auf den eigenen Properties nutzen zu können. Nichtsdestotrotz untermauert Google seinen Anspruch, die Privatsphäre seiner Nutzer stärker schützen zu wollen, mit einigen neuen Funktionen und Einstellungen. Sundar Pichai, CEO von Google und Mutterunternehmen Alphabet, verfasste selbst den Post zu diesen Updates.

Darin wird deutlich, dass Google das automatische Löschen von Standort- oder Aktivitätsdaten nach einem festgelegten Zeitraum zum Standard macht. Bereits im vergangenen Jahr führte das Unternehmen eine neue Funktion zum automatischen Löschen von Aktivitätsdaten ein. Damit können User entscheiden, ob ihre Daten zum Standortverlauf und zu Web- und App-Aktivitäten (zum Beispiel auch Sprachaktivitäten) alle drei oder alle 18 Monate automatisch gelöscht werden sollen.

Jetzt gilt, dass der Standortverlauf nach einer erstmaligen Aktivierung alle 18 Monate automatisch gelöscht wird. Gleiches gilt für die Aktivitätseinstellungen zu Web- und App-Aktivitäten. Diese automatische Löschung erfolgt regelmäßig; allerdings haben User jederzeit die Option, die Einstellungen selbst zu verändern. Beispielsweise auch den Zeitraum, nach dem die Daten gelöscht werden. Google wird User mit E-Mails und Benachrichtigungen an die Funktion zur automatischen Löschung erinnern.

© Google

Automatisches Datenlöschen kommt auch zu YouTube

Bei der Videoplattform YouTube setzt Google das Zeitfenster für das automatische Löschen von Daten auf 36 Monate fest. Der längere Zeitraum trägt laut Pichai auch dem Umstand Rechnung, dass die Aktivitätsdaten dort dazu beitragen, dass YouTube Usern optimale Empfehlungen geben kann. Eine manuelle Anpassung der Einstellungen ist jedoch jederzeit möglich. Bestehende User können zwischen den Optionen von drei oder 18 Monaten zum regelmäßigen Datenlöschen wählen.

Allerdings gilt die Option nicht für Dienste wie Gmail, Drive oder Google Fotos. Denn diese sollen die Inhalte sicher und langfristig aufbewahren. Sundar Pichai betont an dieser Stelle, dass Google die persönlichen Informationen der User aus diesen Quellen weder verkauft noch für Werbezwecke nutzt.

Updates für die Datenschutz-Tools: Kontoeinstellungen über die Google-Suche werden vereinfacht

Bei Google können die User in der Regel selbst über viele Einstellungen zu ihrem eigenen Datenschutz bestimmen. Damit sie noch leichter zu diesen Einstellungen finden, liefert Google noch eine Reihe von Updates für einige zentrale Datenschutz-Tools. So können User nun noch einfacher direkt über die Google-Suche zu den wichtigsten Privatsphäre- und Sicherheitseinstellungen gelangen. Denn eine Suche nach „Google Privatsphärecheck“ oder „Ist mein Google-Konto sicher?“ soll künftig direkt zu einem Feld führen, das nur dem eingeloggten User angezeigt wird und dessen Privatsphäre- und Sicherheitseinstellungen abbildet. Von dort aus können diverse Einstellungen am Google-Konto vorgenommen werden. Die Funktion wird in Kürze für User in Deutschland ausgerollt.

© Google

Zusätzlich vereinfacht Google den Zugriff auf den Inkognito-Modus. Ein langes Drücken auf das Profilbild in Google Maps, bei der Google-Suche oder bei YouTube führt direkt in den privaten Browser-Modus. Die Funktion ist für iOS User bereits verfügbar und wird für Android bald ausgerollt; ebenso wie für weitere Google Apps. Für die nahe Zukunft kündigt Pichai zudem eine appübergreifende Einstellung für den Inkognito-Modus – wie für Google Maps und YouTube – an.

© Google

Privatsphärecheck und proaktive Empfehlungen schützen Millionen User

Google bietet einen Privatsphärecheck an, über den die Datenweitergabe geprüft und verwaltet werden kann. Mehr als 200 Millionen Menschen nutzen ihn jedes Jahr. Für diesen Check wird Google nun proaktive Empfehlungen hinzufügen, zum Beispiel Anleitungen und Tipps zum Anpassen wichtiger Datenschutzeinstellungen.

© Google

Denn Google selbst setzt auch auf proaktives Handeln im Kontext des Datenschutzes und bietet automatische Schutzmaßnahmen in seinen Diensten. So schützt laut Google die Safe Browsing-Technologie jeden Tag mehr als vier Milliarden Geräte vor Phishing-Attacken und Malware. Auch das Feature Google Play Protect, das jede App prüft, bevor, während und nachdem sie heruntergeladen wird beziehungsweise wurde, trägt zum Schutz der User bei.

Ab sofort soll ein Klick genügen, um beim Sicherheitscheck eine Übersicht über das Konto zu erlangen. Dann werden auch personalisierte Empfehlungen für den Schutz der individuellen User-Daten bereitgestellt. Zusätzlich wird der Passwortcheck in den Sicherheitscheck integriert und ein wesentlicher Bestandteil desselben werden. Diese Funktion überprüft, ob Passwörter, die im Google-Konto gespeichert sind, gehackt wurden. Bislang haben über 100 Millionen Menschen auf dieses Feature zurückgegriffen. Und der Prozentsatz der bei diesen Menschen gehackten Daten ging um 30 Prozent zurück. Google gibt an:

Genau wie in allen anderen Bereichen des Sicherheitschecks werden wir euch hier alle Informationen zeigen die ihr braucht, um gefährdete Konten automatisch sicherer zu machen. Mit der Integration des Passwortchecks in das Google-Konto und Chrome, wird die Passwortcheck-Chrome-Extension in den kommenden Monaten abgeschaltet. 

© Google

Die Anonymisierung der User-Daten steht im Fokus

Laut Sundar Pichai arbeitet Google daran, die Anonymisierung von Daten der Nutzenden immer weiter voranzutreiben. Dazu werden tausende Datenschutzfachkräfte miteingebunden. Als Beispiel nennt er den Differential-Privacy-Ansatz, mit dem Google Covid-19-Mobililtätsberichte erstellte, die die Gesundheitsbehörden bei der Eindämmung des Virus mit datenschutzkonformen Standortdaten unterstützen. Diese Technologie werde auch eingesetzt, um in Google Maps mithilfe aggregierter, anonymisierter Daten zu zeigen, wie voll es aktuell in einem bestimmten Restaurant ist, ohne dabei offenzulegen, wer dort gerade zu Gast ist.

Die Differential-Privacy-Bibliothek hat Google ebenso wie Chromium als Open Source zugänglich gemacht. Damit möchte das Unternehmen bezwecken, dass die Technologie zum Datenschutz auch bei anderen Produkten eingesetzt werden kann. Diese Technologie wird nun noch um neue Programmiersprachen, inklusive Java und Go, erweitert. Google möchte Entwickler beim bewussten Umgang mit Daten im Kontext von Machine Learning unterstützen.

Abschließend gibt Pichai an, dass Google die Messlatte für den Datenschutz höher legen möchte. Während Politiker ihre Arbeit täten, sei es an Google, sich für „für sinnvolle Datenschutzgesetze weltweit“ einzusetzen. Die Verantwortung, die ein Unternehmen mit einer so umfassenden Marktmacht hat, kann Google ohnehin nicht von sich weisen. Daher sind so relevante Schritte zur Stärkung des Datenschutzes notwendig, um dem eignen Anspruch gerecht zu werden, eine sichere Umgebung für Abermillionen von Usern zu schaffen.


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