Digitalpolitik
Gesetz soll Usern Ausschalten von Social-Media-Algorithmen erlauben

Gesetz soll Usern Ausschalten von Social-Media-Algorithmen erlauben

Niklas Lewanczik | 07.09.26

Australien möchte per Gesetz ermöglichen, dass User auf Instagram, TikTok und Co. Feed-Inhalte ohne Algorithmusvorgaben anschauen können. Bei der möglichen Umsetzung hakt es aber noch, während eine Plattform bereits ein ähnlich gelagertes Feature für Creator bietet.

Als Australien Ende 2025 ein umfassendes Social-Media-Verbot für Jugendliche bis 16 Jahre einführte, horchte die Digitalwelt auf. Dieses Verbot ist inzwischen ein Vorbild für viele Länder, obwohl die Form der Einschränkung einer Beteiligung am digitalen Raum kontrovers diskutiert wird, auch in Deutschland.

Australia is leading the world in our efforts to keep kids and young people safe online,

erklärte Australiens Premierminister Anthony Albanese im vergangenen Jahr. Während der Staat die Tech-Konzerne zusehends in die Verantwortung ziehen möchte, soll der Schutz der User künftig auch über die Gruppe der Jugendlichen hinaus erweitert werden. Konkret plant Australien die Einführung einer Gesetzesgrundlage zur freien Entscheidung über die Nutzung von Algorithmusvorgaben im Feed auf Social-Media-Plattformen. Damit könnte Australien eine Art Switch-off-Funktion erzwingen.



Bei Verstoß gegen Social-Media-Verbot:

Australien verdoppelt Strafen für Meta und Co.

Smartphone mit Warnhinweis zu den Auswirkungen von Social Media auf die psychische Gesundheit – Symbolbild zur geplanten EU-Altersgrenze für soziale Netzwerke.
© Christopher Ott – Unsplash


So sieht Australiens Plan für die Algorithmussteuerung in den sozialen Medien aus

Simon Atkinson berichtet für die BBC von dem Gesetzesentwurf aus Australien, der die Social-Media-Nutzung verändern könnte. Der Plan, dem die Kommunikations- und Sportministerin Anika Wells vorsteht – ebenso wie dem Social-Media-Verbot für Jugendliche –, sieht eine Option zum Ausschalten von Social-Media-Algorithmen für User vor. Solch eine Funktion soll zum Schutz der User dienen. Sie könnte die Nutzer:innen davon abhalten, durch algorithmische Vorschläge in Doomscrolling-Kontexte zu gelangen oder sich in Bubbles zu verlieren, etwa der sogenannten Manosphäre. Auch die wiederholte Begegnung mit belastenden Inhalten inklusive Gewalt, Sexualisierung und Essstörungen und dergleichen, könnte dadurch möglicherweise eingedämmt werden. Das Parlamentsmitglied Dr Monique Ryan stützt den Vorschlag.

Anika Wells erklärte gegenüber dem australischen Sender ABC, man wolle den Usern im Land eine Wahl darüber geben, was sie in den Feeds sehen. Sie ergänzte:

[…] We know that a lot of Australians appreciate the algorithm both for the enjoyment they get out of it or the utility that they get out of it, seeing local businesses in their suburb. A lot of Australians will want to choose the algorithm. But we think that big tech should offer them the choice in the first place and they should respect that choice. Big tech is not a protected species and they should offer their customers basic safety standards.

Allerdings ist derzeit noch unklar, wie genau die Regierung die Vorgabe umsetzen würde. Man müsse sich mit Expert:innen dazu austauschen, ob man eine Opt-in-Variante für User oder eine simple Opt-out-Option von den Tech-Unternehmen fordern würde. Auch die technische Umsetzung gilt es noch zu präzisieren. Einen Opt-out für den Discover Feed bietet zum Beispiel die X-Konkurrenz Bluesky seit Kurzem aus eigenem Antrieb an. Dieser bezieht sich jedoch auf die Distribution von Creator-Inhalten, nicht auf die Rezeption.



Mehr Video, weniger Algorithmus auf Bluesky

Zwei Smartphone Mockups vor blauem Hintergrund, auf den Screens Text und Videos
© Bluesky via Canva


Die Details der neuen Gesetzesvorgabe namens Digital Duty of Care sind also noch zu klären. Dennoch soll der Gesetzesentwurf in den nächsten Tagen in Australien vorgelegt werden; auch, um Plattformen stärker in die Verantwortung zu ziehen. Sie sollen wiederum mit Strafen belegt werden, wenn sie den etwaigen Vorgaben zum Algorithmus-Opt-out nicht nachkommen.

Derweil sieht Oppositionsführer Angus Taylor in dem Vorschlag einen Ansatz zur Zensur sozialer Medien. Er zeigt sich skeptisch und wartet nun auf die konkreten Vorschläge der Regierung. Diese hat gegenüber News 24 nicht ausgeschlossen, dass große Plattformen wie Instagram oder TikTok sich sogar aus Australien zurückziehen könnten, wenn die Regularien sie zu sehr einschränken.

Aktuell bieten die großen Social-Media-Plattformen ihren Usern keine Optionen, um Algorithmen im Feed komplett auszustellen. Instagram aber ermöglicht mit dem Feature Your Algorithm eine personalisierte Anpassung. X offenbart für Dritte, wie der Feed mit seinen Empfehlungen funktioniert. Und LinkedIn beispielsweise stellte in diesem Jahr das Ranking-System um, damit die Relevanz der Beiträge wieder mehr Gewicht bei der Ausspielung erhält.

Die Digitalwelt blickt nun wieder nach Australien. Vielleicht gibt es dort bald gesetzliche Maßgaben für die Nutzung von sozialen Medien mit ihren jeweiligen Feeds.



Instagram bringt Your Algorithm für Explore:

Algorithmusanpassung für alle

2 Smartphone Mockups mit Explore Page von Instagram und Icon für Your Algorithm Feature, Strand und rötlicher Himmel im Hintergrund
© Instagram via Canva


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