Digitalpolitik
Axel Springer will bei TikTok einsteigen und sucht Unterstützung im Trump-Umfeld

Axel Springer will bei TikTok einsteigen und sucht Unterstützung im Trump-Umfeld

Larissa Ceccio | 22.10.26

Springer-Chef Mathias Döpfner hat offenbar Interesse an TikToks Europageschäft und dafür den Vater von Donald Trumps Schwiegersohn angesprochen. Nach dem Vorbild des US-Deals könnte die Plattform auch in Europa neue Eigentümer:innen bekommen. Doch ByteDance widerspricht und aus Brüssel kommt wenig Zustimmung.

Erst die USA, jetzt Europa? Nach der Neuordnung von TikToks US-Geschäft könnte auch die europäische Sparte der App ins Visier neuer Investor:innen geraten. Einer der Interessierten ist offenbar Axel Springer. Wie die Financial Times unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Personen berichtet, hat Vorstandschef Mathias Döpfner bereits im Januar bei einem Treffen in der Berliner Konzernzentrale für einen Einstieg in das europäische TikTok-Geschäft geworben. Sein Gesprächspartner war Charles Kushner, US-Botschafter in Frankreich und Vater von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump.

Offiziell stand bei dem Treffen ein Austausch über Antisemitismus in sozialen Medien auf der Agenda. Laut FT brachte Döpfner dort jedoch auch die Idee ins Spiel, Axel Springer an einem möglichen Kauf der europäischen TikTok-Sparte zu beteiligen. Der Konzern, zu dem unter anderem Bild, Welt und Politico gehören und der Ende Juni den britischen Telegraph übernommen hat, bestätigte grundsätzliches Interesse an einer europäischen Lösung nach US-Vorbild.



Das musst du über das neue US TikTok wissen

Smartphone mit TikTok-Logo vor einer US-Flagge als Symbol für den TikTok Deal und die neue Betreiber:innenstruktur in den USA
© Timonko von galynatymonko, TikTok App auf Smartphone via Canva


TikTok in europäischer Hand: ByteDance und Brüssel bremsen

Döpfner fordert seit Längerem, TikTok an Eigentümer:innen aus demokratischen Staaten zu verkaufen oder die App andernfalls auch in der EU zu verbieten. Die Tatsache, dass TikTok dem chinesischen Konzern ByteDance gehört, sieht die Springer-Spitze als Risiko für politische Einflussnahme und Propaganda. Dabei hat Axel Springer die bisherige Zurückhaltung gegenüber TikTok erst im September aufgegeben und ist inzwischen selbst mit mehreren Medienmarken auf der Plattform vertreten.

Der Vorstoß dürfte allerdings kaum kurzfristig zu einer Änderung der Eigentumsverhältnisse bei TikTok führen. ByteDance weist die Berichte über die Gespräche zurück, während der Vorschlag laut Financial Times auch bei Vertreter:innen der EU-Kommission auf wenig Interesse gestoßen sein soll. Anders als in den USA, wo ByteDance nach jahrelangem politischen Druck und einem  Gesetz zum Verbot der App das TikTok-Geschäft neu aufstellen musste, setzt Brüssel bislang auf regulatorische Vorgaben statt auf einen Verkauf. Dabei steht insbesondere der Jugendschutz im Fokus. Erst im Februar hat die EU-Kommission TikTok vorläufig einen Verstoß gegen den Digital Services Act vorgeworfen, weil Funktionen wie endloses Scrollen und Autoplay suchtähnliches Nutzungsverhalten fördern könnten und die bestehenden Schutzmaßnahmen für Minderjährige aus Sicht der Behörde nicht ausreichen.

Die USA haben ByteDance seit 2020 jahrelang mit einem möglichen TikTok-Verbot unter Druck gesetzt. Nachdem der Kongress 2024 ein Gesetz verabschiedet hatte, das den Verkauf des US-Geschäfts oder andernfalls ein Verbot vorsah, folgten mehrfach verlängerte Fristen und weitere Verhandlungen. Am 22. Januar 2026 wurde der Deal schließlich abgeschlossen und das US-Geschäft in ein mehrheitlich amerikanisch kontrolliertes Joint Venture überführt, an dem unter anderem Oracle, Silver Lake und MGX beteiligt sind.



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