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Wenn die Luxusprobleme überhand nehmen: Dopaminfasten im Silicon Valley
© Austin Distel - Unsplash

Wenn die Luxusprobleme überhand nehmen: Dopaminfasten im Silicon Valley

Toni Gau | 05.12.19

Im Silicon Valley verbreitet sich aktuell ein überaus fragwürdiger Trend - und dieser kann so nur aus Luxus entstehen.

Es gibt Probleme, die hätte man gerne – und dazu gehört auch zu viel Dopaminausschuss. Doch scheinen sich genau hiervon einige Biohacker aus dem Silicon Valley betroffen zu sehen und beschließen nun den Botenstoff zu fasten und sich so wenigen Reizen wie nur möglich auszusetzen, wie auch Gründerszene berichtet. Keine Technik, keine Partys, nichts lesen, kein Sex und natürlich auch kein gutes Essen. Ist das Ganze so absurd, wie es zunächst klingen mag?

Was genau ist Dopamin?

Entgegen des weit verbreiteten Irrglaubens, ist Dopamin nicht etwa eines unserer primären Glückshormone, sondern lediglich ein Botenstoff. Speziell heutzutage kann dieser überaus schnell ausgeschüttet werden durch beispielsweise Likes auf Social Media, was den Zugriff hierauf enorm einfach gestaltet. Das resultiert in drei grundsätzlichen Sachlagen:

  1. Wir werden süchtig
  2. Wir werden gegen Dopamin abgestumpft
  3. Um diese Sucht zu befriedigen und das Glücksgefühl wieder zu erreichen, suchen wir nach noch mehr Dopamin

Das ist ein Luxusproblem par excellence und leider kein unübliches; ein Zeichen von Privileg und Verwöhntheit.

Der Ursprung des Problems

Zu viele Partys, zu viele Likes auf Instagram, zu viel Netflix, zu viele Stimuli – und die Biohacker haben dadurch das Gefühl reizüberflutet zu sein und all diese kleinen Freuden gar nicht mehr richtig genießen zu können. Würde eine Beförderung oder ein großer Erfolg auf Arbeit kommen, könnten sie diesen wohl kaum noch genießen! Dementsprechend beschließen die Unternehmer, nun dem sogenannten Dopaminfasten nachzugehen und auf all diese Reize zu verzichten, in der Hoffnung, dies würde ihnen hierfür wieder mehr Wertschätzung verleihen. Dabei verzichten sie auf alles oben Genannte, doch auch auf Dinge wie Bücher oder Körperkontakt. Das einzig Erlaubte seien leichte Übungen, Spaziergänge oder auch Notizen. Hiernach sollen Personen motivierter sein, bessere Konzentrationsfähigkeiten aufweisen und dementsprechend auch produktiver arbeiten. Manch einer redet bereits von ersten Erfolgen – doch ist das Konzept von temporärer Enthaltsamkeit nichts Neues, ob man es nun Dopaminfasten nennt oder nicht.

Funktioniert es denn?

Viele berichten von positiven Erfahrungen mit dem Dopaminfasten, doch wahrscheinlich aus anderen Gründen, als sie zunächst annehmen. Der Verzicht auf Dopamin ist ein typisches Suchtverhalten. Besagte Sucht dann wieder zu befriedigen, löst ein ganz natürliches Gefühl von Erleichterung aus, welche wir als positive Erfahrung abstempeln, obwohl es vielmehr die Befreiung von Selbstdisziplin ist. Es liegen noch keine wissenschaftlichen Ergebnisse dazu vor, wie sinnvoll das Dopaminfasten tatsächlich ist und ob es denn funktioniert, doch gibt es wohl so viele Anhänger wie Skeptiker. Wer Dopaminfasten betreibt, sollte sich nichtsdestoweniger im Klaren sein, dass er oder sie gegen ein Luxusproblem vorgeht – und darüber zu reflektieren, wie gut man es eigentlich hat, wäre eventuell auch eine gute Alternativmaßnahme.

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