Dein wichtigster Touchpoint zur Digitalbranche.
Dein wichtigster Touchpoint zur Digitalbranche.
Cases
„Es bleibt unsere DNA, das Recht auf Privatsphäre zu verteidigen“ – Qwant CEO Jean-Claude Ghinozzi im Interview
© Qwant

„Es bleibt unsere DNA, das Recht auf Privatsphäre zu verteidigen“ – Qwant CEO Jean-Claude Ghinozzi im Interview

Niklas Lewanczik | 17.12.20

Die französische Suchmaschine Qwant ist eine Alternative zu Google oder Bing, die einzigartigen Datenschutz zu bieten hat. Wie dieser aussieht, warum das Unternehmen jetzt auch in Deutschland in die Werbeoffensive geht und wie der Search-Monopolisierung entgegengewirkt werden sollte, erklärt uns CEO Jean-Claude Ghinozzi höchstpersönlich.

Wenn du dich im Internet auf die Suche nach Informationen begibst, liegt ein Verb ganz nah: googlen. Der alltägliche Gebrauch dieser Vokabel verdeutlicht nurmehr die Monopolstellung, die Google auf dem Suchmaschinenmarkt fast auf der ganzen Welt genießt. Marktanteile von über 90 Prozent, global und auch in Deutschland, gelten als Status quo und werden oft schulterzuckend zur Kenntnis genommen. Im Herbst 2020 hatte das US-amerikanische Subcommittee on Antitrust, Commercial and Administrative Law of the Committee on the Judiciary unter anderem Google eine immense Marktmacht sowie deren unlauteren Einsatz derselben attestiert.

Während vonseiten der Behörden, Datenschützer und Konkurrenz mit den großen Tech-Unternehmen über ein wettbewerbsfreundlicheres digitales Ökosystem debattiert wird, haben User schon heute diverse Alternativen zu Google zur Auswahl. Neben Microsofts Suchmaschine Bing gibt es Yahoo Search, DuckDuckGo, Ecosia – und die französische Suchmaschine Qwant. Das Unternehmen wirbt mit einem speziellen Schutz der Privatsphäre, und damit, dass User keinesfalls getrackt und profiliert werden. Europäische Server sind ein Faktor, der dafür sorgen soll, dass Suchergebnisse unvoreingenommen bleiben und die Privatsphäre der User immer an erster Stelle steht.

Qwant ist bereits in 26 Sprachen verfügbar und seit Ende 2020 macht das Unternehmen auch in Deutschland vermehrt Werbung für seine Services. Um mehr über die auf Datenschutz erpichte Suchmaschine zu erfahren, haben wir mit dem CEO von Qwant, Jean-Claude Ghinozzi, gesprochen. Ghinozzi war vor seiner Rolle bei Qwant bereits bei großen Marken wie unter anderem Ferrero, Warner Bros., Philipps, Canal+, Electronic Arts und Microsoft tätig und kennt die Digitalbranche gut. Mit ihm haben wir den Status quo des Suchmaschinenmarktes, insbesondere mit Blick auf den voreingestellten Standardsuchstatus von Google (auf Geräten von Apple und einigen anderen Herstellern) als Gefahr für den Wettbewerb, diskutiert. Außerdem hat er drei gute Gründe parat, um Qwant oder eine andere Alternative zu Google zu nutzen. Lies alles dazu im ausführlichen Interview.

Das Interview mit Qwant CEO Jean-Claude Ghinozzi

OnlineMarketing.de: Die Dominanz von Google und anderen Marktführern auf dem Tech-Markt wurde vom Unterausschuss für Kartell-, Handels- und Verwaltungsrecht des US-Justizausschusses mit „Monopolen, wie wir sie zuletzt in der Ära der Ölbarone und Eisenbahnmagnaten gesehen habenverglichen. Glaubst du, dass die Macht dieser Unternehmen genauso wettbewerbsschädlich sein könnte wie die Macht rücksichtsloser Magnaten aus dem Wilden Westen?

Jean-Claude Ghinozzi: Das ist, was wir sehen. Durch die Marktabschottung, also die Absorption zahlreicher Unternehmen, töten diese Giganten am Ende jeglichen Wettbewerb, wenn nichts unternommen wird, und bremsen Innovation und Kreativität, indem sie jeden neu auftauchenden Player so sehr entmutigen, dass es unmöglich wird, sich einen Platz neben dem „Mastodon“ zu schaffen. Außerdem schränken sie die Freiheit der Bürger/User ein, indem sie den freien Zugang zu allen Geräten verhindern, um dem User ihrer Suchmaschine eine freie Wahl zu ermöglichen.

Google wurde vom US-Justizministerium verklagt, weil es ein Ökosystem von Standardeinstellungen geschaffen hat, insbesondere auf Android-Geräten, aber auch auf iOS-Geräten, wo seine Suchmaschine vorherrschend ist. Wie sollte die Auswahl auf Android-Telefonen den Usern präsentiert werden? Und welche Instanz ist für die Durchsetzung einer Änderung verantwortlich?

Unserer Meinung nach und der vieler Akteure in der Branche sowie der Verbraucherverbände, sollten User die Möglichkeit haben, ihre Standardsuchmaschine auf ihrem Gerät frei zu wählen. Es ist nicht akzeptabel, dass dem Nutzer auf Android-Telefonen nur drei andere Auswahlmöglichkeiten als Google präsentiert werden, ohne Zugang zu anderen Optionen, die Nutzer vielleicht bevorzugen. Die Verbraucher sollten alle Suchmaschinenoptionen sehen, die sie haben, egal ob die Suchmaschinen ihren größten Konkurrenten bezahlen oder nicht. Auf iOS-Geräten haben die Verbraucher außerdem standardmäßig Google und können die gewünschte Suchmaschine im Safari-Browser nicht frei einstellen, was eine große Einstiegshürde darstellt. Die Verbraucher wollen eine Auswahl, die auf der Qualität und der Vielfalt der Angebote basiert. Es ist keine gute und faire User-Erfahrung, diese Auswahl künstlich auf diejenigen zu beschränken, die Google oder Apple am meisten bezahlen.

Es liegt in erster Linie in der Verantwortung von Google, Änderungen vorzunehmen, die seinen Missbrauch beenden, und damit der Entscheidung der Europäischen Kommission nachzukommen, die seinen Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung verurteilt hat. Wenn Google weiterhin keine zufriedenstellende Abhilfe schafft, wird es an der Europäischen Kommission liegen, über rechtliche Konsequenzen im Interesse der europäischen Verbraucher zu entscheiden.

Bist du der Meinung, dass Deals wie der zwischen Apple und Google (in Bezug auf die Standardeinstellung der Suchmaschine) nicht erlaubt sein sollten, um Monopolisierungsentwicklungen aufzuhalten?

Eine Vereinbarung über die Möglichkeit, dass eine Suchmaschine standardmäßig auf jedem System installiert ist, ist an sich nicht störend, wobei dem Benutzer natürlich die Möglichkeit gelassen wird, sie für die Suchmaschine seiner Wahl zu modifizieren. Andererseits stellt diese Art von Vereinbarung ein sehr ernstes Problem für die Freiheit des Benutzers und für die Öffnung des Marktes für andere Suchmaschinen dar, wenn sie von Akteuren mit einer extrem dominanten Position etabliert wird. Es ist wichtig, dass der Benutzer die Möglichkeit behält, diese frei zu wechseln. Dies ist heute definitiv nicht der Fall.

Nach den Berichten des Antitrust-Unterausschusses des demokratischen und republikanischen Repräsentantenhauses erklärte Google: „Die Amerikaner wollen einfach nicht, dass der Kongress Googles Produkte kaputt macht oder die kostenlosen Dienste, die sie jeden Tag nutzen, beschädigt. Das Ziel des Kartellrechts ist es, Verbraucher zu schützen, nicht kommerziellen Rivalen zu helfen. Was würdest du auf diese Vermutung antworten?

Gehen wir dazu zurück ins Jahr 2006, als Melissa Mayer, Vice President of Search Products bei Google, gegenüber der New York Times erklärte: Der Markt bevorzugt eine offene Auswahl für die Suche, und Unternehmen sollten auf der Grundlage der Qualität ihrer Suchdienste um die Nutzer konkurrieren – „Wir halten es nicht für richtig, dass Microsoft einfach MSN als Standard einstellt. Wir glauben, dass Benutzer wählen sollten.“ Wir antworten also, dass wir mit dem Google von 2006 übereinstimmen, aber sicherlich nicht mit dem Google von 2020, das, wie wir sehen können, seine Position zur Wahlfreiheit geändert hat, und zwar nicht zum Besseren.

Die Macht von Google ist auf dem Suchmaschinenmarkt konkurrenzlos. Wie sollte man deiner Meinung nach die Monopolisierung und Wettbewerbsverzerrung regulieren? Denn selbst hohe Bußgelder für Kartellrechtsverstöße würden angesichts der massiven Gewinne von Google keinen Unterschied machen.

Um zu regulieren, sind wir der Meinung, dass eine Ex-ante-Regulierung erforderlich ist und dass Maßnahmen im Vorfeld ergriffen und auferlegt werden sollten. Es reicht nicht aus, einfach im Nachhinein Geldstrafen zu verhängen, damit wirkliche Veränderungen stattfinden können. Es muss von vornherein Maßnahmen geben, die tiefgreifende Verhaltensänderungen ermöglichen, zum Beispiel Maßnahmen zur funktionalen Trennung zwischen marktbeherrschenden Browsern und Suchmaschinen sowie Maßnahmen, die das zwingende Bedürfnis und das Recht des Users auf eine freie Wahl eindeutig festlegen. Auch einstweilige Maßnahmen sollten dann verhängt werden, wenn Untersuchungen am ehesten zu einer Verurteilung von Missbräuchen führen. Der Zeitrahmen für Unternehmen, insbesondere im Internet, ist nicht mit Verfahren vereinbar, die Jahre, wenn nicht sogar ein Jahrzehnt dauern.

Aus deiner Sicht als Suchmaschinen-CEO: Warum verlassen User Google, oder, vielleicht noch wichtiger, warum sollten sie es tun?

An Gründen mangelt es nicht, es gibt viele. Vor allem aber muss man sich darüber im Klaren sein, dass die Wahl von Qwant oder einer anderen Alternative nicht nur deshalb erfolgt, weil der Nutzer Google ablehnt. Sie wird durch eine echte positive Entscheidung getroffen. Wenn du dein Auto wechselst, dann nicht unbedingt, weil dir das aktuelle nicht gefällt. Du willst zu einem anderen Motor, einem anderen Modell oder einer andere Marke wechseln, die dir ein anderes Fahrerlebnis bietet, einen Komfort, der besser zu dir passt, eine Nutzung, die besser zu deinen Bedürfnissen passt. Das Gleiche gilt für Qwant. Du entscheidest dich für Qwant, weil es ein europäischer Motor ist, der europäische Werte und eine europäische Vision des Webs (neutral und panoramisch) verteidigt, in der der Benutzer vor allem als Bürger betrachtet wird. Du wählst Qwant, weil du möchtest, dass deine Daten durch die europäische Gesetzgebung (DSGVO und nicht durch den US Patriot Act) geschützt werden, weil du an die europäische digitale Souveränität glaubst. Nicht zuletzt wählen User Qwant, weil es ihre Privatsphäre respektiert, sie nicht verfolgt, keine Profile erstellt und ihnen ein möglichst neutrales Fenster zum Web bietet, das sie nicht de facto in eine Filterblase sperrt.

Laut einer Umfrage der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte wollen 41 Prozent der Internet User keine persönlichen Daten mit privaten Unternehmen teilen. Das bedeutet, dass Verbraucher Dienste wählen werden, die kein Geschäft aus dem Sammeln und Verwenden der persönlichen Daten ihrer Nutzer machen. Qwant ist einer davon, aber es wird weitere geben, und zwar nicht nur für Suchmaschinen.

Es gibt auch noch andere Gründe, warum User sich von den Diensten abwenden, die sie gewohnt sind zu nutzen. Es ist nicht fatal, jahrzehntelang die gleiche Suchmaschine zu benutzen. Es wird Innovationen geben, es wird Wertversprechen geben, die sich unterscheiden werden. Wenn die Menschen die Wahl haben, steigt die Vielfalt der Dienste.

Wir glauben, dass deutsche User sehr sensibel für europäische Produkte sind, die ihnen die Dienste bieten, die sie brauchen und gleichzeitig ihre Privatsphäre respektieren. Qwant bietet die höchsten Standards für den Schutz der Privatsphäre, und die Nutzer werden sehen, dass sie die gewünschten Ergebnisse erhalten, wenn sie unsere Suchmaschine nutzen. Wir hoffen daher, viele deutsche User davon zu überzeugen, Qwant als Standardsuchmaschine zu übernehmen.

Die Schlüsselwörter des Unternehmens Qwant sind Datenschutz und Neutralität. Bedeutet das, dass die Suchergebnisse nicht mehr so personalisiert sein werden wie bei Google? Und könnte das nicht viele Nutzer abschrecken, die so sehr an personalisierte Inhalte im Web gewöhnt sind?

In der Tat gehen Datenschutz und Neutralität Hand in Hand. Eine personalisierte Sucherfahrung bedeutet bei einer Suchmaschine, dass die vorgeschlagene Antwort entsprechend dem Benutzer, der sie anfordert, erstellt wird. Das kann unter bestimmten Umständen in Ordnung sein, aber auch das schränkt den Zugang zu Informationen stark ein, da die Antwort, die dir gegeben wird, nicht die gleiche ist wie für andere, sondern davon abhängt, wer du bist. Dies führt tendenziell dazu, dass User in eine Karikatur ihrer selbst gesperrt werden, wo es doch im Web darum gehen sollte, den Geist für andere zu öffnen. Unsere Vorstellung von einem freien und offenen Internet mit neutralem Zugang zu Informationen für alle ist der Schlüssel zur Demokratie. Die User suchen nach Diensten, die sie nicht falsch informieren.

Bing bietet den Suchenden die Möglichkeit, Belohnungen für die Suche zu verdienen, die zu Spenden für wohltätige Zwecke führen, Ecosia pflanzt Bäume und DuckDuckGo wirbt recht aggressiv für seine Privatsphäre. Was ist der USP von Qwant im Vergleich zu all den anderen Suchmaschinen?

Natürlich ist und bleibt es unsere DNA, das Recht unserer Nutzer auf Privatsphäre zu verteidigen. Aber was uns darüber hinaus auszeichnet, ist die Verteidigung und Förderung der europäischen Werte und der europäischen digitalen Unabhängigkeit. In der Tat arbeiten wir jeden Tag daran, dies zu erreichen, echte europäische digitale Souveränität zu erlangen und sicherzustellen, dass europäische Bürger im Internet surfen können, ohne auf die Werte verzichten zu müssen, die uns wichtig sind. Wenn du Qwant nutzt, verwendest du eine französische und europäische Suchmaschine, die der europäischen Gesetzgebung unterliegt und mit der DSGVO konform ist und nicht dem US Patriot Act unterliegt. Unsere Daten werden auf Servern in Europa gehostet und unterliegen immer der europäischen Gesetzgebung. Außerdem begründet sich der Schutz der Privatsphäre auch mit der Neutralität der Ergebnisse. Das bedeutet, dass wir nicht versuchen, dir Ergebnisse zu liefern, die nur dann für dich interessant sind, wenn sie vollständig an das Profil angepasst sind, das wir von dir haben. Wir erstellen kein Profil, deshalb bieten wir neutrale Ergebnisse und einen gleichwertigen Zugang zu Informationen für jeden, egal wer du bist.

Was kann Qwant bieten, was andere Unternehmen nicht haben?

Seit einigen Jahren entwickeln wir die Suchmaschine Qwant Junior. Es ist die einzige sichere und werbefreie Suchmaschine, die sich an Jugendliche im Alter von sechs bis zwölf Jahren richtet. Diese Suchmaschine bietet jungen Internet Usern einen sichereren Rahmen für ihre ersten Schritte im Web, mit altersgerechten Ergebnissen, die ihnen den Zugang zu qualitativen und pädagogischen Inhalten erleichtern und einen sichereren Rahmen für Eltern und Pädagogen bieten. Sie wurde von der Mehrheit der Grundschulen in Frankreich übernommen.

Wir bieten auch einen Kartierungsdienst, Qwant Maps, an. Dies ist eine Open-Source-Webanwendung für alle Internet User, die auf den Schutz ihrer persönlichen Daten bedacht sind und Dienste nutzen möchten, die ihre Privatsphäre respektieren. Sie macht die kartographischen Daten, die von der Gemeinschaft des freien Projekts OpenStreetMap (OSM) geteilt und gepflegt werden, leicht nutzbar und bereichert sie. Qwant Maps speichert keine Historie der Benutzerbewegungen und führt keine Analyse der zurückgelegten Wege durch, so dass sich die Benutzer in völliger Freiheit bewegen können, wo sie wollen.

Derzeit in der Beta-Version, sollte es in V1 auf dem Niveau der Marktstandards, sehr bald veröffentlicht werden, mit verbessertem Mapping, genauerer Standorterkennung, mehr Informationen über Geschäfte, mehr multimodale Inhalte, etc.

Glaubst du, dass Qwant mit seinem speziellen Junior-Bereich ein Vorbild für andere Suchmaschinen sein kann? Welche Ergebnisse werden dort zum Beispiel gesperrt?

Dies wäre in der Tat wünschenswert. Das Web und die sozialen Netzwerke bieten Zugang zu einer noch nie dagewesenen Menge an lehrreichen Inhalten mit einem hohen Bildungswert, bergen aber auch einen großen Anteil an Risiken für jüngere User, die nicht von den entsprechenden Tools und der Unterstützung profitieren. Mit Qwant Junior können junge Internet User das Web entdecken, indem sie ihre Suchen durchführen und lernen, wie sie ihre Anfragen formulieren und ihr Denken bei der Verwendung von Schlüsselwörtern verfeinern können, ohne schockierenden und unangemessenen Inhalten (Pornografie, Gewalt, Aufstachelung zum Hass, Drogenkonsum und so weiter) ausgesetzt zu sein.

Derzeit ist das digitale Ökosystem der Jugendlichen verstreut und für die Eltern nicht leicht zu erkennen. Qwant Junior möchte dieses Ökosystem beleben und fördern, mit einem Willen, der durch die DNA der Qwant-Suchmaschine verstärkt wird und auf einem starken Respekt für die Privatsphäre aller Internetnutzer basiert. Das Ziel ist es, zugunsten der Erziehung und des Schutzes junger Menschen auf dem digitalen Territorium zu handeln. Der Gründungsakt dieser ethischen Bewegung nimmt mit dem Vorschlag der Jugend-Web-Ethik-Charta Gestalt an, zu deren Unterzeichnung und genauer Einhaltung sich jeder Partner von Qwant Junior verpflichtet.

Möchte Qwant seinen Dienst in Zukunft in Deutschland stärker bewerben?

Ja, natürlich. Und wir haben bereits begonnen, indem wir seit dem 1. Dezember eine digitale und Print-Werbekampagne in Medien wie Bild und Die Welt gestartet haben. Deutschland ist der größte europäische Markt. Es ist ein Land mit 83 Millionen Menschen, von denen viele täglich das Internet nutzen und eine Suchmaschine brauchen. Zusammen mit Frankreich bedeutet das, dass Qwant mit nur zwei Staaten der Europäischen Union 150 Millionen Menschen abdeckt. Qwant nimmt unsere europäischen Werte sehr ernst, vor allem das Recht auf Privatsphäre und freien Zugang zu Informationen, und deshalb wird eine Suchmaschine, die sowohl in Frankreich als auch in Deutschland genutzt wird, auch dazu beitragen, diese Werte zu stärken.

Wie viele Benutzer nutzen Qwant heute in Frankreich und weltweit und wie viele Suchanfragen werden pro Tag bearbeitet?

Qwant in Frankreich hat heute sieben Millionen monatliche Unique User. Im Februar 2020 hatten zwölf Prozent der französischen Internet User Qwant im Laufe des Monats genutzt. Wir sollten das Jahr mit einem wichtigen Wachstum beenden, mit 2,5 Milliarden Webanfragen pro Jahr.

Bei der Suche auf Qwant fällt auf, dass es mit seinen Icons und dem Design der Suchleiste ein wenig wie Google aussieht – ist das wirklich Absicht, um einen möglichen Wechsel von Google für die Nutzer reibungsloser zu gestalten?

Die Benutzeroberfläche ist eine Folge der Überlegungen, die rund um die UX mit den Nutzern angestellt wurden. Schon damals, vor oder parallel zu Google, boten andere Suchmaschinen eine reine und einfache Schnittstelle an.

Diese Art von Interface ist also in gewisser Weise ein Standard, den die Nutzer erwarten, um sich mit ihrem Tool wohl zu fühlen und es optimal nutzen zu können. Wir imitieren Google nicht, wir hören, was die Nutzer wollen, und Google weiß zufällig auch, was die Nutzer wollen. Um eine oben entwickelte Analogie zu verwenden: Wenn du Räder an einem Auto anbringst, dann nicht, um den Wechsel zu deiner Automarke im Vergleich zu einer anderen zu erleichtern. Es ist, weil die Räder ein wesentlicher und unverzichtbarer Bestandteil dessen sind, was wir ein Auto nennen.

Das bedeutet nicht, dass wir nicht unsere eigenen Unterschiede haben, die die Benutzer mögen. Tatsächlich haben wir viele Details, die Qwant zu einem Erlebnis machen, das es wert ist, ausprobiert zu werden, und wir haben viele User, die unser Interface dem der Konkurrenz vorziehen.

Qwant kombiniert in seinem Namen Quantity“ und Wanted“. Hättest du dich lieber für Qualität“ als Referenz entschieden oder denkst du, dass es dem User überlassen bleibt, ob ein Suchergebnis von Qualität ist?

Dies ist die Menge an Informationen im Web, auf die wir uns hier beziehen. Eine Suchmaschine muss die Möglichkeit bieten, auf diese Menge an Ergebnissen zuzugreifen. Unter dieser Quantität muss Qualität auftauchen und hier liegt die Rolle der Ergebnisalgorithmen. Wenn ein User auf ein Ergebnis klickt, teilt er uns mit, dass dies aus seiner Sicht das beste Ergebnis ist, und diese Information wird von unseren Algorithmen verwendet, um die Ergebnisse so zu ordnen, dass die relevantesten Links zuerst erscheinen. Es ist ein ständiges Nachjustieren auf Basis von Qualitätssignalen. Die User wollen das Beste aus der Menge. Es ist die Aufgabe von Qwant, das zu liefern.

Kannst du uns drei gute Gründe nennen, Qwant oder andere Alternativen zu Google häufiger (oder täglich) zu nutzen, an die wir uns erinnern, wenn wir unsere Browser oder Apps wieder öffnen?

  • Genieße eine neue Forschungserfahrung, bei der du frei recherchieren kannst, ohne verfolgt zu werden.
  • Greife auf den vollen Reichtum des Webs zu, ohne profiliert zu werden, und werde als Bürger und nicht nur als Verbraucher betrachtet.
  • Engagiere dich für die Verteidigung der europäischen Werte und der digitalen Souveränität.

Wir bedanken uns herzlich bei Jean-Claude Ghinozzi für das ausführliche Interview und seine Sicht auf die Welt der Suchmaschinen und auf Qwant.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*