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Fragwürdiger Growth Hack: Kopierte TikTok-Konzern ByteDance Content von Instagram?

Fragwürdiger Growth Hack: Kopierte TikTok-Konzern ByteDance Content von Instagram?

Caroline Immer | 05.04.22

Hat TikToks Mutterkonzern ByteDance im großen Stil User-Daten und Content von Instagram und Snapchat gestohlen? Die Berichte ehemaliger Angestellter sowie interne Dokumente deuten auf eine Reihe fragwürdiger Praktiken hin.

Erst kürzlich machten Berichte einer Schmutzkampagne von Meta gegen TikTok die Runde, in welcher eine von Meta bezahlte Consulting-Firma die Konkurrenzplattform als gefährlich für die Gesellschaft darstellte. Ein nun von BuzzFeed News veröffentlichter Report bringt derweil ans Licht, dass sich auch TikToks Mutterkonzern ByteDance im Konkurrenzkampf unlauterer Mittel bediente.

Die Berichte von vier ehemaligen Angestellten sowie interne Dokumente, die der News-Plattform vorliegen, deuten darauf hin, dass ByteDance nach Übernahme der TikTok-ähnlichen App Flipagram Inhalte von Konkurrenzplattformen wie Instagram und Snapchat kopierte, und diese anhand von Fake-Profilen auf der Plattform verbreitete.

Gestohlener Content und Manipulation von Likes und Videoaufrufen

In der 2017 von ByteDance erworbenen App Flipagram konnten User mit Musik unterlegte Slideshow-Videos erstellen. Auch heute gibt es die App noch, welche mittlerweile jedoch unter dem Namen Vigo Video läuft. Dem Bericht zufolge kopierte ByteDance Content, Usernames, Profilbeschreibungen und Profilbilder und duplizierte diese in der Flipagram-App. Mehrere Hunderttausend Profile wurden, ohne Zustimmung der User, übernommen, erklären die ehemaligen Angestellten.

Die Übernahme von Content, der ursprünglich auf Konkurrenzplattformen wie Instagram und Snapchat gepostet wurde, war laut den Ex-Angestellten nur einer von mehreren sogenannten Growth Hacks. Auch die Anzeige von Gefällt-Mir-Angaben und Videoaufrufen wurde mutmaßlich manipuliert, und ließ Creator somit erfolgreicher erscheinen, als sie es tatsächlich waren.

Bis zu 10.000 gestohlene Videos am Tag

Die Zahl der gescrapten, also zum Zweck der Duplizierung heruntergeladenen Videos belief sich auf bis zu 10.000 Stück am Tag, erklärt ein:e ehemalige:r Angestellte:r. Neben Inhalten von Instagram und Snapchat wurde auch Content von Musical.ly (welches schließlich zu TikTok wurde) kopiert. Eine ehemalige angestellte Person zweifelte aufgrund des damaligen Videoformats an, dass Content von Instagram übernommen wurde. Eine andere gab an, sich daran zu erinnern, dass das Unternehmen mittels Skalierung der Videos und der Entfernung von Wasserzeichen versuchte, den Content originell erscheinen zu lassen.

Laut den ehemaligen Angestellten meldeten sich mehrere User der betroffenen Plattformen bei Flipagram und beschwerten sich, dass ihr Content unberechtigt in der App gepostet wurde. Darunter waren auch mehrere Eltern, deren Kinder Content auf Instagram und Co. veröffentlicht hatten.

Wurden die Daten zum Aufbau des TikTok-Algorithmus verwendet?

Eine weitere brisante Behauptung der ehemaligen ByteDance-Mitarbeiter:innen ist, dass die von Flipagram gestohlenen Daten dazu verwendet wurden, den TikTok-Algorithmus zu entwickeln. Die aus den USA stammenden kopierten Profile sollten demnach dazu dienen, die Präferenzen der US-amerikanischen User besser zu verstehen. Brian Dilley, welcher bis Oktober 2017 als Chief Technology Officer bei Flipagram tätig war, bestritt die Vorwürfe. TikTok reagierte nach Anfrage von BuzzFeed News nur knapp auf die Anschuldigungen:

While we disagree with the assertions, rather than go through lengthy litigation, we’d like to focus our efforts on building a safe and joyful experience for the TikTok community.

Scraping an sich ist nicht illegal – es sei denn, dieses wird in den Nutzungsbedingugen einer App oder Website verboten. Dies ist sowohl bei Instagram als auch bei Snapchat der Fall. US-Senator Richard Blumenthal erklärte nach Anfrage von BuzzFeed News, die Federal Trade Commission (FTC) müsse den Fall untersuchen. Ob und wann dies tatsächlich geschieht, bleibt abzuwarten.

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