Human Resources
Über 55.000 Euro für Care-Arbeit? Neuer Rechner zeigt, was du leistest

Über 55.000 Euro für Care-Arbeit? Neuer Rechner zeigt, was du leistest

Selina Beck | 14.10.26

Wie viel ist deine unbezahlte Care-Arbeit wert? Ein neuer Rechner der Grünen beziffert den finanziellen Wert. Wir haben ihn getestet und kommen auf einen rechnerischen Wert von über 50.000 Euro im Jahr. So erstellst du deine eigene Care-Abrechnung und teilst sie auf Social Media.

Das Kind betreuen, die pflegebedürftige Mutter zum Arzt fahren und noch schnell an das Geburtstagsgeschenk für den Schwiegervater denken: Care-Arbeit gehört für viele Menschen zum Alltag. Bezahlt wird diese Arbeit meist nicht, obwohl sie jede Menge Zeit, Energie und Organisation erfordert. Besonders Frauen übernehmen einen großen Teil dieser Aufgaben und tragen häufig auch die mentale Verantwortung für den Familienalltag.

Wie belastend das werden kann, zeigt eine repräsentative Studie der R+V Versicherung vom Mai 2026. Demnach fühlen sich 80 Prozent der befragten Eltern mit minderjährigen Kindern im Alltag mental belastet, 27 Prozent davon sogar sehr stark. Hinzu kommt der sogenannte Mental Load, also die ständige gedankliche Organisation von Aufgaben, Terminen und Verpflichtungen.

Doch wie viel Geld wäre deine Care-Arbeit eigentlich wert, wenn du dafür bezahlt würdest? Genau das kannst du jetzt mit dem neuen Care-Arbeitsrechner der Grünen selbst ausrechnen. Er zeigt dir, wie viele Stunden du täglich für Kinderbetreuung, Pflege, Haushalt und Mental Load aufwendest und wie viel du damit im Jahr theoretisch verdienen würdest. Mit dem Rechner will die Partei im Rahmen der Kampagne „Familien schützen. Gerecht reformieren.“ auf den oft unterschätzten Wert unbezahlter Sorgearbeit aufmerksam machen.

Grafik der Grünen zum Care-Rechner mit Taschenrechner und dem Aufruf „Rechne ab!“.
Der Care-Rechner der Grünen ermittelt den Geldwert unbezahlter Sorgearbeit, © Bündnis 90/Die Grünen

So funktioniert der Care-Arbeitsrechner

Wie viel Zeit kosten dich Kinderbetreuung, Pflege und Haushalt wirklich? Genau das fragt der Rechner ab und berücksichtigt auch den Mental Load, also die oft unsichtbare Organisation von Arztterminen, Geburtstagen und familiären Verpflichtungen. Wie viel Arbeit dabei zusammenkommt, zeigt spätestens die Jahresrechnung.

Wer täglich sieben Stunden Kinder betreut, kommt auf 2.555 Stunden im Jahr, bei acht Stunden Pflegearbeit sind es sogar 2.920 Stunden. Eine zusätzliche Stunde für den Haushalt schlägt mit 365 Stunden zu Buche, zwei Stunden für die Alltagsorganisation mit weiteren 730. Der Rechner geht dabei davon aus, dass diese Aufgaben an allen 365 Tagen anfallen.

Und was wäre diese Arbeit wert, wenn sie bezahlt würde? Wir haben den Rechner selbst ausprobiert und täglich sechs Stunden Kinderbetreuung, zwei Stunden Haushalt und zwei Stunden Mental Load angegeben. Das Ergebnis: zehn Stunden Care-Arbeit pro Tag, 3.650 Stunden im Jahr und ein rechnerischer Geldwert von 50.735 Euro auf Basis des gesetzlichen Mindestlohns. Zusätzlich zeigt der Rechner 1,12 Rentenpunkte an, die durch die unbezahlte Arbeit entgehen sollen. Dabei handelt es sich allerdings um eine vereinfachte Modellrechnung, nicht um einen individuell nachgewiesenen Rentenverlust.

Ergebnis des Care-Rechners mit 3.650 Stunden Care-Arbeit, 50.735 Euro Geldwert und 1,12 Rentenpunkten.
Die Beispielrechnung ergibt 3.650 Stunden Care-Arbeit und einen Geldwert von 50.735 Euro im Jahr, © Bündnis 90/Die Grünen

Und das Ergebnis darf gern die Runde machen: Du kannst deine persönliche Care-Abrechnung als Grafik auf Social Media teilen und zeigen, wie viel unbezahlte Arbeit du Tag für Tag leistest. Damit gibst du der oft unsichtbaren Care-Arbeit mehr Aufmerksamkeit und unterstützt die Kampagne der Grünen.

Was du bei den Ergebnissen des Care-Rechners beachten solltest

Der Care-Rechner orientiert sich am gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro brutto pro Stunde. Bei 3.650 Stunden ergibt das beispielsweise einen rechnerischen Wert von 50.735 Euro im Jahr. Allerdings setzt der Rechner voraus, dass die angegebenen Aufgaben an allen 365 Tagen anfallen. Mögliche zeitliche Überschneidungen zwischen Kinderbetreuung, Haushalt und Mental Load fließen nicht in die Berechnung ein.

Auch bei den Rentenpunkten lohnt sich ein genauerer Blick. Für 3.650 Stunden zeigt der Rechner 1,12 vermeintlich entgangene Rentenpunkte an. Diese Zahl ist allerdings kein nachgewiesener Rentenverlust, sondern das Ergebnis einer vereinfachten Modellrechnung. Der Rechner verwendet offenbar ein Durchschnittsentgelt von 45.358 Euro, während die Deutsche Rentenversicherung für 2026 vorläufig 51.944 Euro zugrunde legt. Zudem können unter bestimmten Voraussetzungen Rentenbeiträge für die Pflege von Angehörigen gezahlt werden.

Für eine individuelle Rentenberechnung eignet sich der Rechner daher nicht. Er zeigt aber anschaulich, wie viel Zeit und Arbeit in Kinderbetreuung, Pflege und Alltagsorganisation fließen.

Weniger Unterstützung für Familien? Darum geht es bei der Care-Kampagne

Weniger Kinderkrankentage, kürzerer Elterngeldbezug und mögliche Einsparungen bei der Kinderbetreuung: Die geplanten Sozialreformen der Bundesregierung könnten Familien zusätzlich belasten, die ohnehin viele Stunden unbezahlte Care-Arbeit leisten. Besonders die mögliche Rückkehr von 15 auf zehn Kinderkrankentage pro Kind und Elternteil ab 2027 sorgt für Widerstand, wie auch die Proteste auf Social Media zeigen, über die wir bereits berichtet haben.

Auch beim Elterngeld stehen Änderungen im Raum. Ein diskutierter Reformvorschlag sieht vor, die Bezugsdauer zu verkürzen. Darüber hinaus kritisieren die Grünen mögliche Einschnitte beim Unterhaltsvorschuss für ältere Jugendliche, beim Kindersofortzuschlag für Familien mit geringem Einkommen und bei den Bundesmitteln für die Kitaqualität. Welche Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden, ist noch nicht abschließend geklärt.

Mit der Kampagne „Familien schützen. Gerecht reformieren.“ kritisiert die Partei die geplanten Einsparungen und fordert unter anderem, das Elterngeld auf 18 Monate auszuweiten, den Kindersofortzuschlag zu erhalten und Pflegezeiten bei der Rente stärker anzuerkennen.

Der Care-Rechner ist dabei auch Teil eines politischen Appells: User können ihre Ergebnisse auf Social Media teilen und damit auf unbezahlte Sorgearbeit aufmerksam machen. Darüber hinaus ruft die Partei auf der Kampagnenseite zur Teilnahme an Demonstrationen gegen die geplanten Sozialkürzungen auf.


Protest auf Social Media wegen geplanter Kürzung der Kinderkrankentage

Eine Frau schaut frustriert aufs Handy
© Alex Green – Pexels


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