Technologie
Claude erstellt Live Dashboards und Videos, setzt Usern aber neue Grenzen

Claude erstellt Live Dashboards und Videos, setzt Usern aber neue Grenzen

Larissa Ceccio | 09.10.26

Ein Dashboard auf Zuruf oder ein animiertes Video statt der nächsten langweiligen Präsentation? Claude macht jetzt beides möglich. Anthropic startet dafür Dashboards und Motion und schaltet weitere Funktionen für Free User frei. Doch das Unternehmen hat auch eine neue Regel im Gepäck. Während Claude immer mehr Aufgaben übernimmt, legt Anthropic jetzt auch fest, welches Verhalten sich die KI nicht gefallen lassen muss.

Anthropic erweitert Claude um zwei neue Funktionen, mit denen du Unternehmensdaten auswerten und Präsentationen animieren kannst, ohne selbst SQL-Abfragen schreiben oder programmieren zu müssen.

Mit Claude Dashboards erstellst du aus Daten deiner Unternehmensplattform oder deines CRM-Systems automatisch Auswertungen und Diagramme, die sich bei Änderungen der zugrunde liegenden Daten aktualisieren. Claude Motion verwandelt Berichte, Grafiken und Präsentationen in kurze animierte Videos, die du anschließend bearbeiten und herunterladen kannst. Einen ersten Einblick in die neuen Funktionen gibt Claude in einem Video auf LinkedIn.

Beide Funktionen starten zunächst in der Beta, wobei Dashboards in allen kostenpflichtigen Claude-Abonnements verfügbar ist und Motion vorerst Team und Enterprise vorbehalten bleibt. Auch für Free User gibt es Neuigkeiten, denn Claude Docs, Slides und Design sind nach abgeschlossener Testphase jetzt kostenlos verfügbar.

Außerdem sorgt Anthropic mit einer weiteren Entscheidung für Gesprächsstoff. Darf man eine KI schlecht behandeln? Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, kann Claude in seltenen Extremfällen Gespräche selbst beenden, wenn User wiederholt beleidigend oder missbräuchlich mit dem AI Assistant umgehen. Die Entscheidung berührt zugleich die Debatte darüber, ob KI überhaupt ein Bewusstsein besitzen kann.



Claude Sonnet 5.5: Anthropics Arbeitstier wird schneller und günstiger

Claude Sonnet 5.5 mit Blick auf die Erde aus dem Weltraum.
© Anthropic


Claude Dashboards: Unternehmensdaten einfach auswerten

Wie haben sich deine Verkäufe im vergangenen Monat entwickelt? Welche Regionen bringen den meisten Umsatz? Wie viele neue Leads sind hinzugekommen? Statt für jede Auswertung selbst Daten zusammenzutragen, kannst du Claude einfach danach fragen.

Die Informationen bezieht der AI Assistant aus Datenplattformen wie BigQuery, Snowflake, Databricks oder Amazon Redshift. Auch CRM-Daten aus Salesforce können einfließen. Claude erstellt daraus ein Dashboard mit passenden Kennzahlen und Diagrammen.

Claude erstellt ein interaktives Dashboard für ein Fahrradverleihsystem mit Kennzahlen zu Fahrten und verfügbaren Fahrrädern sowie Diagrammen zur täglichen und stündlichen Nutzung.
Claude Dashboards erstellt aus Daten interaktive Übersichten mit Kennzahlen und Diagrammen, hier am Beispiel eines Fahrradverleihsystems, © Anthropic

Bereits im April hat Anthropic mit Live Artifacts selbstaktualisierende Dashboards und Reports eingeführt. Claude Dashboards ermöglicht jetzt zusätzlich die Abfrage und Analyse angebundener Unternehmensdaten in natürlicher Sprache. Dabei macht Claude die Ergebnisse nachvollziehbar. Mit einem Klick auf eine Kennzahl kannst du die zugrunde liegende Datenabfrage einsehen oder sie dir von Claude erklären lassen. Jedes Diagramm zeigt außerdem, wann die Daten zuletzt aktualisiert wurden.

Für vertiefende Analysen kannst du die Dashboards an Tools wie Amplitude, Mixpanel, Grafana, PostHog oder Sigma übergeben. Die Anbindung an Looker und Tableau soll folgen.

Claude Motion: Berichte und Grafiken zum Leben erwecken

Ein Diagramm, das sich Schritt für Schritt aufbaut, oder ein Produktvergleich, der Unterschiede zwischen Angeboten sichtbar macht. Mit Claude Motion lassen sich solche Animationen per Prompt erstellen. Über den Befehl /motion rufst du die Funktion im Claude Chat auf und beschreibst, was die Animation zeigen soll.

Anders als KI-Video-Generatoren, die neue Bilder und Videosequenzen erzeugen, programmiert Claude Motion die Animationen selbst. Dafür schreibt die KI Code, der Texte, Bilder, Zahlen und Diagramme in Bewegung bringt. Da die Elemente bearbeitbar bleiben, kannst du Kennzahlen austauschen, das Timing verändern oder Übergänge anpassen, ohne das gesamte Video neu erstellen zu müssen.

Screenshot der Claude-Oberfläche mit dem eingegebenen Befehl /motion und der auswählbaren Funktion Claude Motion für animierte Videos.
Mit dem Befehl /motion kannst du die neue Animationsfunktion im Claude Chat aufrufen, © Anthropic

Die Animationen kannst du im Editor anpassen oder als MP4 herunterladen. Für die weitere Bearbeitung unterstützt Anthropic unter anderem Adobe, Descript, HeyGen, Luma AI und Runway. Eine Integration mit Canva soll folgen.

Claude Docs, Slides und Design ab sofort auch kostenlos

Erst Mitte September hat Anthropic Claude Docs und Slides eingeführt und Design in den Claude Chat integriert. Nach der Testphase stehen alle drei Funktionen nun auch Free Usern zur Verfügung. Laut Anthropic wurden damit bereits mehr als 45 Millionen Dokumente, Präsentationen und Designs erstellt.

Neu sind außerdem gemeinsame Bearbeitungsmöglichkeiten für Teams und Claude. Präsentationen lassen sich als bearbeitbare Dateien in Google Slides öffnen, während PowerPoint- und PDF-Exporte ihre Formatierung beibehalten sollen. Anfang Oktober hat Anthropic zudem Claude in Google Docs, Sheets und Slides integriert. In Enterprise-Organisationen werden Docs, Slides und Design am 15. Oktober standardmäßig aktiviert. Admins können sie schon vorher freischalten.

Die eigenständige Website für Claude Design unter claude.ai/design wird am 14. Dezember 2026 eingestellt. Die Funktion ist inzwischen im Claude Chat verfügbar und bestehende Designsysteme lassen sich übertragen. Chats, Kommentare und öffentliche Links zu Projekten aus der bisherigen Version sind nach der Abschaltung jedoch nicht mehr zugänglich.



Claude übernimmt jetzt Aufgaben in Google Docs, Sheets und Slides

Illustration einer Glühbirne als Symbol für Claude und die neue Integration in Google Docs, Sheets und Slides.
© Anthropic


Anthropic verbietet „grausamen“ Umgang mit Claude

Neben den neuen Funktionen hat Anthropic die Nutzungsrichtlinien angepasst und untersagt darin künftig ausdrücklich anhaltendes, unnötiges und grausames Verhalten gegenüber den KI-Modellen. Die Regelung tritt am 12. November in Kraft und soll nur für extreme Fälle gelten. Gewöhnliche Frustration, Kritik und Tests bleiben erlaubt. Claude kann entsprechende Gespräche selbst beenden, wobei Anthropic diese Möglichkeit bereits im August 2025 eingeführt hat.

Hinter der Entscheidung steht auch die Frage, ob KI ein Bewusstsein besitzen und möglicherweise Schutz verdienen könnte. Anthropic untersucht deshalb bereits seit 2025 in einem eigenen Forschungsprogramm das Model Welfare, also das mögliche Wohlbefinden von KI. Auch Anthropic CEO Dario Amodei schließt ein Bewusstsein nicht grundsätzlich aus. In einem Interview mit der New York Times erklärte er im Februar:

We don’t know if the models are conscious… But we’re open to the idea that it could be.

Microsoft AI CEO Mustafa Suleyman widerspricht dieser Haltung. Bereits im September setzte er sich in einem Essay über Model Welfare kritisch mit dem Ansatz von Anthropic auseinander und stieß auf X eine öffentliche Debatte an. Suleyman warnt davor, KI mögliche Rechte einzuräumen oder Modelle darauf zu trainieren, sich selbst als bewusst und schutzbedürftig zu betrachten. Das könnte seiner Einschätzung nach die Kontrolle über immer leistungsfähigere KI erschweren.

Jackson Stakeman vom IT-Dienstleister Sparq hält die Bewusstseinsfrage dagegen für wenig zielführend. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP vergleicht er KI mit einem Spiegel, der menschliches Verhalten in großem Maßstab reflektiert. Schon deshalb sei es sinnvoll, über den Umgang mit KI nachzudenken.

Ob KI tatsächlich ein Bewusstsein entwickeln kann, bleibt wissenschaftlich ungeklärt. Während Anthropic vorsorglich Schutzmaßnahmen erprobt, warnt Suleyman davor, KI vorschnell menschenähnliche Eigenschaften zuzuschreiben. Drängender scheint derzeit allerdings die Frage, welche Grenzen für KI selbst gelten sollten. Aktuell scheint die Verantwortung für die Regulierung jedoch weitgehend den KI-Unternehmen selbst zu obliegen. Denn auch die neue US-amerikanische Super Intelligence Force setzt vor allem auf die Förderung der KI-Entwicklung und bei der Sicherheit auf freiwillige Standards statt verbindlicher Vorgaben.



„Größer als die Industrielle Revolution“
– Trump ruft Super Intellig
ence Force aus

Donald Trump spricht auf einem Podium
© Gage_Skidmore, CC BY-SA 3.0


Stelle OnlineMarketing.de als bevorzugte Quelle auf Google ein

Wenn du OnlineMarketing.de auf Google als bevorzugte Quelle einstellen möchtest, um auch in den Schlagzeilen auf Google immer aktuelle News und Tipps aus der Welt des Marketing und der Tech-Entwicklungen zu finden, kannst du einfach die Google-Quelleneinstellungen aufrufen und die Seite anwählen. Über das Stern-Icon neben den Top Stories kannst du ebenfalls bevorzugte Quellen für die spätere Suche speichern.

Kommentare aus der Community

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*
*