Human Resources
Am liebsten nicht mehr arbeiten – und wenn, nur fürs Geld?

Am liebsten nicht mehr arbeiten – und wenn, nur fürs Geld?

Niklas Lewanczik | 07.10.26

Arbeiten Angestellte in Deutschland nur fürs Geld? Ja, sagen viele in der neuen HDI Berufe-Studie 2026, aber das Bild dahinter ist komplexer und oszilliert zwischen Lebensinhalt und Jobaufgabehoffnung. Derweil hilft KI immer mehr Menschen im Job wirklich weiter.

Es dürfte selbst die wohlwollendsten Arbeitgeber:innen kaum überraschen, dass Menschen ihre Jobs vor allem aus einem Grund ausüben: Sie brauchen das Geld. Die HDI Berufe-Studie 2026 zeigt, dass sich die Angestellten vermehrt ein Leben ohne Arbeit vorstellen können, auch Jüngere. Trotzdem ist der Beruf für viele jüngere Altersgruppen noch der Lebensinhalt. Dass 59 Prozent der Befragten nur noch des Geldes wegen arbeiten, ist womöglich weniger überraschend als die Tatsache, dass der Wert vor einem Jahr noch 17 Prozentpunkte niedriger war. Inzwischen hat sich einiges getan. Die repräsentative Erhebung zeigt auch, dass KI im Job mehr denn je Produktivität fördert und entlastet, während die Menschen mehr Teilzeit in den Fokus nehmen.



Diese Art von Jobs macht Menschen besonders zufrieden

Drei Personen an Schreibtisch, zwei mit Laptop, eine schaut ihnen über die Schulter, Büro im Hintergrund
© Lyubomyr (Lou) Reverchuk – Unsplash via Canva


Lieber schneller mit der Arbeit aufhören oder Teilzeit in Anspruch nehmen

Die HDI Berufe-Studie wird jährlich bundesweit zusammen mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov Deutschland durchgeführt. Dafür wurden online 3.844 erwerbstätige Personen zwischen dem 10. Juni und 3. Juli 2026 online befragt. In der Erklärung heißt es weiter:

Die Daten wurden mit den Quotenmerkmalen Alter und Geschlecht innerhalb der einzelnen Bundesländer erhoben. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die erwerbstätige Bevölkerung in jedem einzelnen Bundesland ab 15 Jahren nach Alter und Geschlecht sowie für die erwerbstätige Bevölkerung in Deutschland insgesamt ab 15 Jahren nach Alter, Geschlecht und Region.

Eine zentrale Erkenntnis aus der Erhebung ist, dass die Lust an der Arbeit abzunehmen scheint. Darauf deutet nicht nur der gestiegene Prozentsatz der Befragten hin, die „primär nur wegen des Geldverdienens“ arbeiten. Auch die Zahlen zum Leben ohne Beruf und dem Jobaustritt bei finanzieller Sicherheit zeichnen ein ähnliches Bild. Auf die Frage, ob sie sich ein Leben ohne Berufsausübung nicht vorstellen können antworteten 2026 54 Prozent der 15- bis 54-Jährigen mit voller oder teilweiser Zustimmung. Das sind mehr als im Vorjahr, aber weniger als noch 2020 (58 Prozent). Bei den 55- bis 64-Jährigen indes ist der Wert seit 2023 – als er für beide Altersgruppen bei 49 Prozent lag – auf 43 Prozent gesunken. Es gibt die Tendenz, dass die älteren Berufstätigen sich das Leben ohne Arbeit besser vorstellen können.

Ein Leben ohne Arbeit: Diskrepanz in den Altersgruppen sichtbar, © HDI Versicherungen, Graphen mit Kurven und Prozentzahlen
Ein Leben ohne Arbeit: Diskrepanz in den Altersgruppen sichtbar, © HDI Versicherungen

Eine viel deutlichere Veränderung zum Vorjahr zeigt indes das Interesse an einer Jobaufgabe, sofern das Arbeiten finanziell nicht mehr nötig wäre. 2025 stimmten noch 45 Prozent bei den Jüngeren und 42 Prozent bei den Älteren zu, dass sie in diesem Fall die Arbeit niederlegen würden. 2026 waren es bereits 54 beziehungsweise 63 Prozent. Diese Aussagen stützen die Erkenntnis, dass Erwerbsarbeit dieser Tage besonders eng mit dem zentralen Ziel des Geldverdienens verknüpft ist – kein Wunder in wirtschaftlich so herausfordernden Zeiten mit Inflations- und Energiekrisen.

Die Bereitschaft, bei finanzieller Absicherung mit dem Job aufzuhören, wächst deutlich, © HDI Versicherungen, Graphen mit Prozentzahlen und Kurven
Die Bereitschaft, bei finanzieller Absicherung mit dem Job aufzuhören, wächst deutlich, © HDI Versicherungen

Es muss aber gar nicht gleich die völlige Abkehr von der Arbeit sein. So sind 51 Prozent der Befragten auch an Teilzeitangeboten interessiert. Der größte Treiber für ein Erstreben von Teilzeitjobs ist mit 64 Prozent „mehr Zeit für mich“. Immerhin elf Prozent gaben bei Gründen dafür die benötigte Zeit für Nebentätigkeiten an. Vier Prozent sind der Ansicht, dass sich Vollzeit wegen des Ehegatten-Splittings kaum lohnt.

Dass die Arbeit selbst aber noch immer eine große Bedeutung für viele genießt, zeigt eine weitere Zahl. Für 51 Prozent der 15- bis 29 Jährigen ist die Arbeit der Lebensinhalt. Das sieht bei den älteren Berufsgruppen anders aus, was sich durch veränderte Lebensrealitäten im Familienkontext, in größerer Nähe zur Rente und dergleichen begründen lassen könnte.

KI unterstützt Arbeitende mehr denn je: Viele rechnen noch mit Personalabbau

Ein massiver Wandel in der Arbeitswelt geht seit Jahren mit der Integration immer neuer KI-Modelle und -Tools einher. Insbesondere agentische Lösungen können inzwischen ganze Prozesse in verschiedenen Einsatzfeldern übernehmen. Gerade die Entlastung bei Routinearbeiten hat in der Befragung von 2025 bis 2026 in Unternehmen deutlich zugenommen. 2026 sagten 26 Prozent, dass sie diese im Arbeitsumfeld spüren; im Vorjahr waren es noch 20 Prozent gewesen. Auch die Produktivität und die Qualität der Arbeitsergebnisse sind gestiegen, gemessen an den Erfahrungen der Befragten.

Produktivität und Entlastung durch KI nimmt im Job zu, © HDI Versicherungen, Diagramm mit Balken und Zahlen, grün
Produktivität und Entlastung durch KI nimmt im Job zu, © HDI Versicherungen

Dabei variieren die Ergebnisse unweigerlich je nach Branche. Im Bereich Werbung, Marketing, Medien haben 50 Prozent bessere Ergebnisse wahrgenommen, im Bereich Sicherheits- und Reinigungsgewerbe hingegen nur acht Prozent. Dass sich künftig aber nicht nur Entlastungen ergeben, sondern womöglich auch Jobverluste durch KI, erwarten laut Umfrage 42 Prozent. Aber nur neun Prozent haben es schon erlebt.

Viele der Ergebnisse aus der neuen HDI Berufe-Studie 2026 offenbaren, dass die Angestellten in Deutschland sich auf neue Arbeitsrealitäten einlassen, zugleich aber stärker als zuvor auf die eigenen Rahmenbedingungen rund um die Berufsausübung schauen (müssen). Holm Diez, Mitglied im Vorstand der HDI Deutschland AG, sagt zu den Ergebnissen:

Die entscheidende Frage lautet, welche Rahmenbedingungen Politik und Wirtschaft schaffen müssen, um Deutschland als attraktiven Arbeits- und Wirtschaftsstandort zu erhalten. Die Ergebnisse zeigen einen spürbaren Wertewandel in der Einstellung zur Arbeit. Gleichzeitig verdeutlichen sie aber auch die Offenheit der Berufstätigen gegenüber Reformen und neuen, KI-gestützten Arbeitsinstrumenten. Jetzt sind Politik und Arbeitgeber gefragt, die Arbeitswelt zukunftsfähig weiterzuentwickeln und Arbeit auf das nächste Level zu heben.

Weitere Erkenntnisse aus der Erhebung findest du auf der dedizierten Website zur Studie.



Wegen KI:

Niedrigere Gehälter in Deutschland erwartet

Ein Mann sitzt verzweifelt vor seinem Laptop
© Mart Production – Pexels


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