Human Resources
Rückgang um mehr als zwei Drittel bei Einstiegsjobs: Berufsstart wird schwerer

Rückgang um mehr als zwei Drittel bei Einstiegsjobs: Berufsstart wird schwerer

Selina Beck | 02.10.26

Der Berufseinstieg wird schwieriger: Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass Jobs für Berufsanfänger:innen in Deutschland immer seltener werden. So gibt es seit 2022 einen Einbruch von über zwei Dritteln bei den Stellenanzeigen. Nur Ausbildungsberufe bleiben stabil.

Der Berufseinstieg ist für viele mit Unsicherheiten und Ängsten verbunden. Diese könnten nun noch steigen, denn eine aktuelle Indeed-Analyse zeigt, dass Ausschreibungen für Einstiegsjobs seit dem Höchststand 2022 um mehr als zwei Drittel zurückgegangen sind – weit stärker als der Gesamtmarkt. Die Jugendarbeitslosigkeit (15 bis unter 25 Jahre) lag bei 6,8 Prozent im August 2026.

Ausbildungen sind Lichtblick

Laut der Ökonomin Dr. Virginia Sondergeld sorgt das starke Ausbildungssegment in Deutschland dafür, dass die Jugendarbeitslosigkeit weiterhin zu den niedrigsten in Europa zählt. Nur die Stellenanzeigen für Ausbildungsberufe – einschließlich dualer Studiengänge – trotzen dem Rückgang und bleiben stabil. In 20 von 23 Berufsgruppen hat sich das Angebot an Ausbildungsplätzen seit 2019 besser entwickelt als das Angebot an Berufseinstiegsstellen für Personen mit abgeschlossener Qualifikation. Ausbildungsplätze liegen 27 Prozent über dem Wert von 2019, während es bei Berufseinstiegsstellen ganz anders aussieht.

Die Jugendarbeitslosigkeit in Westdeutschland ist immer noch deutlich niedriger als in Ostdeutschland, © Statista, Grafik, Die Jugendarbeitslosigkeit (15 bis unter 25 Jahre) steigt auf 6,8 Prozent im August 2026.
Die Jugendarbeitslosigkeit im Westdeutschland genannten Bereich ist immer noch deutlich niedriger als im Ostdeutschland genannten Bereich, © Statista

Für die Analyse hat Indeed Stellenausschreibungen in Deutschland von 2019 bis Juli 2026 mit dem Fokus auf Einstiegsjobs für Berufseinsteiger:innen ausgewertet. Als Einstiegsjobs galten dabei Anzeigen mit Jobtiteln wie Junior, Berufseinstieg, Trainee, Absolvent:in oder Young Professional. Ausbildungsplätze inkludierten die Begriffe wie Ausbildung, Lehrstelle, Azubi oder duales Studium.

Bis 2022 stieg das Angebot an Einstiegsjobs zunächst stark und erreichte im Juli damals mit einem Plus von 75 Prozent seinen Höchstwert. Während die Stellenausschreibungen für Einstiegsjobs seitdem um mehr als zwei Drittel gefallen sind, gab der Gesamtmarkt ebenfalls nach – aber verlor nur etwas über ein Drittel.

Am stärksten betroffen vom Einbruch sind KI-exponierte Berufsgruppen

Der Rückgang von Einstiegsjobs zeigt sich in fast allen Branchen. In 26 von 28 untersuchten Berufsgruppen ist das Angebot seit 2022 gesunken. Am härtesten trifft es dabei Wissensberufe und Bürojobs. Zu den Verlierer:innen zählen die Branchen IT, Marketing und das Projektmanagement. Hier gehen die Einstiegsjobs besonders stark zurück. In der IT-Branche sank das Angebot um 77 Prozent, im Marketing um 75 Prozent und im Projektmanagement um 60 Prozent.

Folglich verlieren viele KI-exponierte Jobs. Dennoch sieht die Ökonomin Dr. Virginia Sondergeld keinen eindeutigen Zusammenhang zur KI-Entwicklung, denn der Rückgang bei den Einstiegsjobs begann bereits im Sommer 2022, bevor es ChatGPT gab. Die Kürzungen seien konjunkturell bedingt. So sind Berufseinsteiger:innen „das erste Opfer der schwachen Konjunktur, weil Unternehmen in unsicheren Zeiten zuerst dort sparen, wo sie in Nachwuchs investieren müssten“. Die wirksamste Hilfe sei demzufolge eine wachsende Wirtschaft.

Nur zwei Branchen bieten mehr Berufseinstiegsstellen an

Nur zwei Berufsgruppen bekamen mehr Stellanzeigen: die Branche Pflege, Medizin und Pharmazie mit einem Plus von 18 Prozent sowie der Sektor Lebensmittel, Gastronomie und Hotellerie mit einem Plus von zehn Prozent. In letzterer Branche dominieren Ausbildungsjobs beim Einstieg. Dr. Virginia Sondergeld, Ökonomin und Arbeitsmarktexpertin bei Indeed, sieht deutliche Gefahren in dieser Entwicklung:

Wer heute ins Berufsleben startet, hat nur noch gut halb so viele Stellen zur Auswahl wie vor wenigen Jahren. Damit steigt für junge Menschen das Risiko, ihre Karriere mit einer Phase der Beschäftigungslosigkeit zu beginnen. Aus Studien wissen wir, dass dies langfristige Narben in ihren Erwerbsbiografien hinterlassen kann, etwa in Form niedrigerer Gehälter, die sich später nur schwer aufholen lassen. Es droht ein Jahrgang, der mit einem Startnachteil ins Erwerbsleben geht. 


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