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Disney+ schafft die Werbefreiheit ab

Disney+ schafft die Werbefreiheit ab

Niklas Lewanczik | 21.09.26

Keine Preiserhöhung wie bei Netflix, doch Disney+ verärgert die User mit einer Werbeankündigung, die mehr Anzeigen verheißt – in allen Abos.

Die User von Streaming-Diensten müssen sich künftig auf noch mehr Unannehmlichkeiten in ihren Abonnements einstellen. Während Netflix auch in Deutschland die Preise in allen Abostufen mächtig erhöht, verändert die Konkurrenz von Disney+ die grundlegenden Werberichtlinien für alle Abos. Per Mail informierte der Streaming-Dienst der The Walt Disney Company die Abonnent:innen darüber, dass Werbung künftig in allen Abonnementvarianten und nicht nur im werbegestützten Abo auftauchen wird. Dieses führte Disney+ im Herbst 2023 für 5,99 Euro monatlich ein; inzwischen kostet es regulär ohne Ermäßigung 6,99 Euro pro Monat.



Netflix wird auch für Bestandskund:innen deutlich teurer

Netflix Office mit Logo. Sesseln in einem langen Gang, Fenster an der Seite, bunt
© Netflix via Canva


Was Disney+ über die Werbeanpassung sagt: Ads für alle, aber teilweise ungestörte Rezeption

In der Ankündigungs-Mail von Disney+ wurden die User über eine Aufforderung zum Akzeptieren des veränderten Nutzungsvertrags informiert. Diese dürften viele User in ihrer App oder beim Login schon gesehen haben; auch uns liegt die Mail vor. Disney+ bittet die User darin zur Zustimmung zu den Bedingungen, die für die weitere Nutzung des Dienstes auch nötig ist. Unter den wichtigsten Aktualisierungen befindet sich ein Abschnitt zur Werbung. In diesem stellt Disney+ heraus, dass fortan in allen Abomodellen Werbung angezeigt werden kann:

Wir haben klargestellt, dass alle Abo-Optionen Folgendes enthalten können: (i) Werbeinhalte, (ii) Sponsoring und (iii) Werbung vor/nach der Wiedergabe von Inhalten sowie in Kanälen, Live/Wie-Live-Inhalten, Sonderereignissen und sämtlichen Inhalten von Drittanbietern.

Disney+ kann Werbung zu eigenen Inhalten anzeigen, aber auch die Angebote Dritter bewerben – die in keinem Abo vorgespult werden können. Auch auf der Startseite der aktuellen Abonnementübersicht mit den Optionen Premium, Standard und Standard mit Werbung steht inzwischen:

Alle Abo-Optionen beinhalten Werbeaktionen und Sponsoring von Disney und können darüber hinaus Werbung vor/nach der Wiedergabe sowie in Kanälen, Live-/Wie-Live-Übertragungen, bei Sonderereignissen und in On-Demand-Inhalten von Drittanbietern beinhalten.

Der Umstand, dass Disney+ die Modelle Standard und Premium weiterhin mit dem Zusatz „Werbefreie Filme und Serien“ bewirbt – samt gesetztem Haken – und nur in der Fußnote auf die Einschränkung hinweist, ist mindestens unpräzise. Die Einordnung könnte von manchen gar als irreführend wahrgenommen werden. Denn die Serien und Filme in diesen Modellen sollen laut der Angaben nicht durch Ads unterbrochen werden, was die Formulierung „Werbefreie Filme und Serien“ legitimiert. Vor und nach dem Abspielen und in anderen Interface-Bereichen sowie bei Live-Übertragungen kann es aber zu Ads kommen.

Die Werbefreiheit wird für zwei Abomodelle herausgestellt, sie ist aber eingeschränkt, Screenshot Startseite Disney+
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Wie viel Werbung beispielsweise User mit dem Standardabonnement künftig sehen werden und wo genau, ist noch unklar. In den Nutzungsbedingungen ist unter den neuen Voraussetzungen nur die Rede von Werbeinhalten „in begrenztem Umfang“. Klar ist hingegen, dass sich Disney+ mit der Akzeptanz der Kund:innen die Möglichkeit sichert, ihnen nach und nach in allen Abomodellen mehr und mehr Werbung auszuspielen. Das erinnert an Amazon Prime Video. Der Dienst integrierte Anfang 2024 für alle zahlenden User Ads und lässt eine werbefreie Rezeption nur gegen den Aufpreis von 2,99 Euro pro Monat zu.



Aufreger Ads in Amazon Prime Video:

Es lohnt sich

Prime Video auf Bildschirm
© Thibault Penin – Unsplash


Disney+ macht (fast) keine Ausnahmen für Werbung

Eine solche Option könnte bei Disney+ ebenfalls folgen. Der Werbung entgehen können die Disney+ User indes nicht. In den Nutzungsbedingungen vermerkt das Unternehmen auch, dass die Abonnent:innen keine Werbeblocker oder andere Maßnahmen zur Unterdrückung von Ads einsetzen dürfen. Andernfalls könnte Disney+ ihr Abonnement aussetzen oder kündigen.

Es gibt also ab jetzt keine wirklich werbefreien Abos mehr auf Disney+. Nur im Juniormodus sollen weiterhin keine Ads ausgespielt werden. Dort ist indes nur ein eingeschränktes Angebot verfügbar.

Als Reaktion auf die Anpassung diskutieren viele User in den sozialen Medien, etwa auf Reddit, ihre Kündigung bei Disney+. Das dürfte The Walt Disney Company kaum beeindrucken, solange der Streaming-Dienst vom Abomodell profitiert. Im dritten Quartal 2026 wuchs der Umsatz mit den SVOD (Subscription-Video-On-Demand)-Diensten (darunter auch Hulu) auf 5,53 Milliarden US-Dollar. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Plus von elf Prozent. Unter der Führung des 2026 gestarteten Konzernchefs Josh D’Amaro und unter anderem Karandeep Anand als erstem CTO des Konzerns (und ehemaligem Character.ai CEO), soll Disney+ zum digitalen „Kernelement“ der Beziehung zu Fans weiterentwickelt werden. Mit immer neuen Angeboten, aber auch mehr Einschränkungen für User. Mit den Werbeeinnahmen, die Disney mit dem Inventar auf Disney+ machen kann, lässt sich diese Weiterentwicklung mitfinanzieren.



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