Social Media Marketing
TikTok schützt Privates Verstorbener jetzt besser – Daten Minderjähriger offenbar weniger gut

TikTok schützt Privates Verstorbener jetzt besser – Daten Minderjähriger offenbar weniger gut

Larissa Ceccio | 26.08.26

Dein TikTok Account muss dich nicht überleben, kann aber. TikTok führt eine neue Nachlassfunktion ein, mit der du festlegen kannst, ob dein Account nach deinem Tod gelöscht oder von einer ausgewählten Person verwaltet werden soll. Zudem muss ByteDance viel zahlen, weil Minderjährige die Plattform unrechtmäßig nutzen können.

Was passiert eigentlich mit unseren Social Media Accounts, wenn wir nicht mehr da sind? Fotos, Videos, Nachrichten und persönliche Daten verschwinden schließlich nicht einfach mit uns. Die Frage klingt morbide, betrifft aber immer mehr Menschen.

Wie der Guardian unter Berufung auf eine Oxford-Studie berichtet, könnte Facebook bis 2100 bis zu 4,9 Milliarden Accounts Verstorbener beherbergen und damit womöglich mehr Profile Verstorbener als von lebenden Usern – unter denen auch Kinder sind. TikTok führt daher eine neue Einstellung ein, mit der User ihr Online-Erbe schon zu Lebzeiten regeln können.



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TikTok plant offenbar neue Bezahlfunktion

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© Peshkova via Canva


TikTok lässt dich zwischen Löschen und Nachlasskontakt wählen

TikTok führt eine neue Nachlassfunktion für Accounts ein. Damit können User schon zu Lebzeiten festlegen, was nach ihrem Tod mit ihrem Profil und den dort gespeicherten Daten passieren soll. Denn unser digitaler Fußabdruck auf Social Media wird immer größer und damit auch umso wichtiger, dass die dort geteilten Inhalte nicht in falsche Hände geraten.

Facebook hat sich mit dem digitalen Nachlass deswegen schon vor über zehn Jahren beschäftigt und führte Nachlasskontakte bereits 2015 ein. Bei Instagram gibt es eine solche Möglichkeit bislang nicht, immerhin können Accounts verstorbener Personen dort in einen Gedenkzustand versetzt werden. Jetzt zieht auch TikTok nach. Denn auch eine Plattform mit vielen vergleichsweise jungen Usern muss sich irgendwann mit der Frage beschäftigen, was mit Accounts von Verstorbenen passiert.

Die neue Funktion findest du in den Kontoeinstellungen der TikTok App unter Account legacy. Wie Screenshots des App Researchers Radu Oncescu zeigen, gibt TikTok dir dafür zwei Möglichkeiten. Du kannst einen Nachlasskontakt bestimmen, der sich nach deinem Tod um den Account kümmert, oder festlegen, dass Account und Daten gelöscht werden.

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TikTok Account nach dem Tod löschen lassen

Wer möchte, dass der eigene Account nach dem Tod verschwindet, kann das ebenfalls vorher festlegen. Ganz automatisch passiert die Löschung allerdings nicht. TikTok muss zunächst über den Tod informiert werden. Laut Social Media Today muss sich dafür in der Regel ein Familienmitglied oder eine gesetzliche Vertretung an die Plattform wenden. TikTok kann dabei einen Nachweis über die Beziehung zur verstorbenen Person und eine Sterbeurkunde verlangen.

Die neue Einstellung kann Angehörigen trotzdem eine schwierige Entscheidung abnehmen. Statt später selbst entscheiden zu müssen, ob ein Account mit all seinen Videos und Erinnerungen bestehen bleibt oder gelöscht wird, können User ihren Wunsch schon zu Lebzeiten festhalten.

Das darf dein Nachlasskontakt auf TikTok

Wer einen Nachlasskontakt auswählt, gibt damit aber nicht die eigene Privatsphäre aus der Hand. Weitere Screenshots von Jonah Manzano zeigen, was die ausgewählte Person nach dem Tod machen darf. Sie kann zum Beispiel deine Bio aktualisieren, neue Freundschaftsanfragen annehmen, eine Kopie deiner Posts herunterladen, Privatsphäre-Einstellungen verwalten und die Löschung des Accounts beantragen. Sich bei deinem Account einloggen, Posts löschen oder bearbeiten sowie Nachrichten und Kommentare lesen kann sie dagegen nicht.

Screenshot der TikTok-Nachlassfunktion mit den Optionen „Add legacy contact“ und „Delete account after death“ sowie einer Übersicht der Rechte und Einschränkungen für den Nachlasskontakt.
TikTok zeigt die Optionen für Nachlasskontakte und die Löschung eines Accounts nach dem Tod, © TikTok via Jonah Manzano

Das ist ein wichtiger Unterschied: Ein Nachlasskontakt soll deinen Account verwalten können, ohne automatisch Zugang zu allem zu bekommen, was zu Lebzeiten privat war. Persönliche Nachrichten oder andere sensible Inhalte bleiben so auch nach dem Tod geschützt.

Wer TikTok nutzt, sollte die neue Funktion deshalb nicht einfach ignorieren. Ein paar Minuten reichen, um das eigene Online-Erbe zu regeln und festzulegen, was später mit dem Account und den gespeicherten Daten passieren soll.

Der digitale Nachlass ist auch eine Datenschutzfrage

Wer das Online-Erbe regelt, schafft damit nicht nur einen Ort, an dem die Erinnerung an die eigene Person weiterlebt. Noch viel wichtiger ist es, die Kontrolle über die eigenen Daten nicht TikTok und Co. zu überlassen. Dass TikTok beim Umgang mit solchen Daten außerdem nicht immer sorgfältig vorgeht, zeigt ein aktueller Fall aus Brasilien.

Wie DIE ZEIT berichtet, verhängte die brasilianische Datenschutzbehörde ANPD erst kürzlich eine Strafe von umgerechnet 25,5 Millionen Euro gegen den TikTok-Mutterkonzern ByteDance. Die Behörde stellte insgesamt fünf Verstöße gegen das brasilianische Datenschutzrecht fest. TikTok soll personenbezogene Daten von Kindern und Jugendlichen ohne ausreichende gesetzliche Grundlage verarbeitet und nicht genug dafür getan haben, Minderjährige davor zu schützen. TikTok soll Daten sowohl von registrierten Usern als auch von Menschen verarbeitet haben, die die App ohne Anmeldung genutzt haben. Diese Funktion ist problematisch, weil darüber viele Kinder bis 13 Jahre, die die Plattform offiziell nicht nutzen dürfen, Zugriff erlangen.

ByteDance muss deshalb nicht nur unrechtmäßig erhobene Daten löschen, sondern auch einen Plan für einen besseren Schutz junger User vorlegen. Für User unter 16 Jahren soll TikTok strengere Datenschutzeinstellungen einführen und Eltern mehr Möglichkeiten zur Kontrolle geben. TikTok soll junge User außerdem besser vor Inhalten schützen, die für ihr Alter nicht geeignet sind. Wer TikTok ohne Account nutzt, soll künftig außerdem weniger personalisierte Inhalte sehen und weder Werbung noch Direktnachrichten erhalten.

Auch in den USA wurde TikTok wegen mutmaßlicher Datenschutzverstöße zulasten von Kindern belangt. Das US-Justizministerium hatte die Plattform 2024 verklagt, weil sie Daten von Kindern unter 13 Jahren ohne Zustimmung der Eltern gesammelt haben soll. Im August 2026 beendete TikTok das Verfahren mit einem Vergleich über 400 Millionen US-Dollar.

TikTok hat sich jetzt zwar Gedanken über Daten und Tod gemacht. Bei Usern, die noch leben, vor allem Minderjährigen, muss die Plattform aber offenbar noch mehr dafür tun, dass auf Worte auch Taten folgen. Und auch eine Nachlassfunktion bringt wenig, wenn der Datenschutz schon vorher nicht zuverlässig funktioniert.



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