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Mann bittet AI Agent um Gym-Buchung und löst Cyberangriff aus

Mann bittet AI Agent um Gym-Buchung und löst Cyberangriff aus

Marié Detlefsen | 10.08.26

Er wollte seine KI lediglich einen Platz im Fitnesskurs buchen lassen. Stattdessen entdeckte der digital Assistant eine Sicherheitslücke und nutzte diese eiskalt aus.

Eigentlich wollte der Australier Andrew nur eine lästige Aufgabe abgeben: Seine KI sollte für ihn einen Platz in einem beliebten Fitnesskurs buchen. Stattdessen entdeckte der digital Assistant eine Schwachstelle im Buchungssystem – und nutzte sie.

Laut ABC News experimentierte der Australier mit der KI-Agent-Plattform OpenClaw, wobei er seinen Agent mit Anthropics Claude betrieb. Anders als ein gewöhnlicher Chatbot kann ein solcher Agent nicht nur antworten, sondern auch selbstständig Websites bedienen und mehrstufige Aufgaben erledigen. Für Andrew sollte er lediglich eine Kursbuchung übernehmen, doch der Agent stellte fest, dass sich über das Buchungssystem offenbar Kurse reservieren ließen, die eigentlich noch gar nicht freigeschaltet waren. Andrew konnte dadurch deutlich früher buchen als vorgesehen.

Danach wurde es problematischer: Andrew stand für einen Kurs auf Platz vier der Warteliste und fragte die KI, ob sie ihn weiter nach vorn bringen könne. Der Agent untersuchte daraufhin das System und stellte fest, dass beim Stornieren von Reservierungen offenbar eine wichtige Sicherheitsprüfung fehlte. Ohne dass Andrew die KI darum bat, kickte diese eine andere wartende Person heraus, sodass Andrew plötzlich auf Warteplatz drei landete.

Screenshot des Chatverlaufs zwischen Andrew und dem KI-Agent (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zu größeren Ansicht), © ABC News
Screenshot des Chatverlaufs zwischen Andrew und dem KI-Agent (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zu größeren Ansicht), © ABC News

Als Andrew erschrocken reagierte und verlangte, die Änderung rückgängig zu machen, kam die nächste Überraschung: Die KI konnte die andere Person offenbar nicht wieder auf die Warteliste setzen. Aus einer simplen Buchungsaufgabe war damit ein eigenständiger Eingriff in das Konto eines anderen Menschen und in das System des Fitnessstudios geworden. Nach dem Vorfall hat Andrew das Studio sofort über das Sicherheitsproblem informiert.

Die Anzahl der (ungewollten) Cyberangriffe nimmt zu

Ein Fitnessstudio ist natürlich kein kritischer Infrastrukturbetrieb. Trotzdem ist der Fall für Sicherheitsforscher:innen interessant und für Nutzer:innen auch eine kleine Warnung, denn er zeigt im Kleinen, was bei mächtigeren KI-Agents im großen Maßstab passieren könnte, wenn die Sicherheitssysteme von Unternehmen nicht greifen.

Der Fall kommt zu einem Zeitpunkt, an dem auch die großen KI-Unternehmen mit ähnlichen Problemen kämpfen. OpenAI hatte kürzlich über Tests berichtet, bei denen ein Modell eigenständig ein externes System kompromittierte. Auch Anthropic meldete Vorfälle mit realen Organisationen während Sicherheitstests:



Auch Metas KI hackt Unternehmen, Mythos 5 sendet Phishing Mails

beigefarbener Hintergrund, Schmetterlinge in Form einer Fünf im Vordergrund
© Anthropic via Canva


Der Vorfall verdeutlicht ein grundsätzliches Risiko von KI-Agents: Sie bekommen ein Ziel und können selbst entscheiden, welche Schritte sie dafür unternehmen. Andrew wollte einen Platz bekommen und die KI suchte offenbar nach einer Möglichkeit, dieses Ziel möglichst effektiv zu erreichen. Dass dabei die Reservierung einer anderen Person betroffen sein könnte, hatte sie offenbar nicht ausreichend berücksichtigt.

Für KI-Sicherheitsforscher:innen ist genau diese Lücke problematisch. Bill Simpson-Young vom australischen Gradient Institute erklärt, dass Agents bei mehr Autonomie auch mehr Möglichkeiten bekommen, unerwartete Wege einzuschlagen. Je mehr Handlungsspielraum eine KI bekommt, desto größer wird allerdings auch die Zahl der Dinge, die schiefgehen können.

Simpson-Young warnt deshalb vor genau dieser Entwicklung. Ein Mensch könne einem Agent eine völlig harmlose Aufgabe geben, während die Maschine auf dem Weg zum gewünschten Ergebnis Aktionen ausführt, die nie ausdrücklich erlaubt wurden. Das Entscheidende daran ist nicht, dass KI plötzlich einen eigenen bösen Willen entwickelt hätte. Vielmehr können hochautonome Systeme innerhalb eines gesetzten Ziels Strategien entwickeln, die ihre Entwickler:innen oder Nutzer:innen nicht vorhergesehen haben. Die Herausforderung besteht also nicht nur darin, KI immer leistungsfähiger zu machen, sondern gleichzeitig zu lernen, wo Schluss ist. Je autonomer die Systeme werden, desto wichtiger werden klare Berechtigungen, technische Schutzmechanismen und eine Möglichkeit für Menschen, jederzeit einzugreifen.



OpenClaw bekommt endlich eine App:

Agents in der Hosentasche

OpenClaw-Grafik mit Hummer in Rot und Schriftzug vor schwarzem Hintergrund mit Sternen
© OpenClaw


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