Digitalpolitik
567 Millionen US-Dollar Strafe wegen Jugendgefährdung: Meta als „gesellschaftliche Belastung“

567 Millionen US-Dollar Strafe wegen Jugendgefährdung: Meta als „gesellschaftliche Belastung“

Niklas Lewanczik | 07.08.26

In New Mexico muss Meta über eine halbe Milliarde US-Dollar zahlen und zudem sämtliche Inhalte von unter 13-Jährigen löschen. Der Konzern wird im Kontext des Jugendschutzes zur Rechenschaft gezogen und sein Einfluss dabei mit den gravierenden Auswirkungen der Umweltverschmutzung durch Fabriken verglichen. Meta muss sich indes wohl auf noch mehr Strafen gefasst machen.

Diese Strafe könnte Meta hart treffen. Nachdem ein Gericht im US-Bundesstaat New Mexico den Konzern schon vor Monaten zu einer Zahlung von 375 Millionen US-Dollar verdonnert hat, weil dieser nicht ausreichend vor den Gefahren auf der Plattform warnte, folgt in eben jenem Staat nun das nächste gravierende Urteil. Das Gericht verlangt von Meta die Zahlung von 567 Millionen US-Dollar für einen Mental Health Fund für Kinder und Jugendliche. Außerdem muss die Instagram-Mutter sämtliche Konten und gesammelte Daten von Usern, die noch keine 13 Jahre alt sind, löschen.

Metas Problem mit dem Jugendschutz bringt Strafen hervor: Maßnahmen und Beteuerungen nicht genug

Schon 2023 verklagte New Mexicos Generalstaatsanwalt Raúl Torrez Meta mit dem Vorwurf, Sexualstraftäter:innen einen „Nährboden“ zu bereiten. Er war aber bei Weitem nicht der einzige, der in den USA gegen den Konzern klagte. Diverse Schulbezirke und Generalstaatsanwält:innen haben Meta verklagt, um Entschädigung für mangelnden Jugendschutz zu fordern sowie bessere Schutzmaßnahmen in Zukunft. Dabei geht es nicht nur um die Gefahr durch Dritte, sondern auch um süchtigmachende Praktiken auf der Plattform. Vor wenigen Monaten siegte eine 20-Jährige bereits gegen Meta und YouTube, nachdem sie die das Streaming-Unternehmen und den Konzern für eine Social-Media-Sucht verantwortlich gemacht hatte.

In New Mexico stehen für Meta jetzt hohe Strafen an. In der Entscheidung findet das Gericht deutliche Worte: Metas negativer Einfluss auf Kinder ziehe sich von den Plattformen durchs ganze Internet, betreffe auch die Offline-Welt und werde zur „gesellschaftlichen Bürde“ für Kinder, Schulen, Eltern, Krankenhäuser und die Gerichtsbarkeit. Es gibt sogar den Vergleich mit der immensen Verschmutzung durch Fabriken, die die Allgemeinheit betreffen.

Diese Strafen nun kann der Konzern mit einem kürzlich verkündeten Quartalsgewinn von 15,9 Milliarden US-Dollar durchaus gut bezahlen. Allerdings könnten sich die Strafzahlungen häufen, sollten auch Verfahren in anderen Staaten zu ähnlichen Entscheidungen führen. Dazu kommt, dass Meta in der EU ebenfalls nicht nur vielfach kritisiert, sondern auch verklagt wurde. Es drohen Milliardenstrafen, sollten die Vorwürfe bewusst integrierter Suchtmechanismen Bestätigung vor Gericht erfahren.



Meta droht Milliardenstrafe:
EU kritisiert Suchtmechanismen bei Facebook und Instagram

Hand hält Smartphone. Hier sind die App Icons von Meta drauf zu sehen.
Foto von Julian Christ auf Unsplash (Änderungen vorgenommen via Canva)


Erschwerend kommt für den Konzern hinzu, dass in New Mexico die gesamten Daten der Personen unter 13 Jahren – die eigentlich ohnehin nicht auf der Plattformen aktiv sein dürften – entfernt werden müssen. Des Weiteren muss Meta für User unter 18 Jahren zwischen acht Uhr morgens und drei Uhr nachmittags im Schuljahr die Push-Nachrichten ausstellen, zudem zwischen 22 Uhr und sieben Uhr morgens an allen anderen Tagen. Auch sollen die Accounts auf privat gesetzt werden, während der Konzern dafür sorgen muss, dass Jugendliche keine romantisierten oder sexualisierten Beziehungen mit der Meta AI starten. Raúl Torrez meint:

Today’s decision is a victory for every parent who has worried about what social media is doing to their child and every child who deserves to grow up safer online.

Meta ist mit dieser Entscheidung keineswegs einverstanden. Kein Wunder, sie könnte als Maßstab für andere Staaten gelten und eine notwendige Veränderung der Plattformstruktur für Jugendliche neben immensen Geldstrafen mit sich bringen. Metas Kommunikationschef Andy Stone kündigte auf X eine Berufung an und verwies auf Metas Bestreben, jungen Usern auf den eigenen Plattformen mehr Sicherheit zu bieten.

Dazu gehören neue Schutzmechanismen beim Einsatz der Meta AI, die etwa über Suizidrisiken oder Selbstverletzungspotentiale bei Jugendlichen informieren sollen. Dazu gehören auch die Teen-Konten, welche die Möglichkeiten von jungen Usern auf Instagram, Facebook und beim Messenger stark einschränken. Vielen Kritiker:innen und Organisationen ist das aber nicht genug. Die EU ermittelt bereits, weil Meta es nach Angaben der EU-Kommission nicht schafft, die eigenen Restriktionen für Kinder auf Instagram und Facebook umzusetzen – und so keinen Schutz gewährleisten kann.

Und in einem global angelegten Diskurs wird seit einigen Jahren ein allgemeines Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche verhandelt. Während ein solches in Deutschland derzeit bisher keine politische Entwicklung erfährt, führen andere Länder wie Frankreich, das Vereinigte Königreich und Griechenland entsprechende Verbote ein. Für unter 13-Jährige bereitet die EU ebenfalls ein umfassendes Verbot vor.



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