Human Resources
Mehr Zuversicht, aber große Baustellen: So blicken Selbstständige auf die kommenden Monate

Mehr Zuversicht, aber große Baustellen: So blicken Selbstständige auf die kommenden Monate

Marié Detlefsen | 27.07.26

Die wirtschaftliche Lage ist für viele Selbstständige und Kleinstunternehmen derzeit nicht gerade einfach. Dennoch zeigt eine aktuelle Studie: Die Zukunft wird etwas weniger pessimistisch eingeschätzt – auch wenn Probleme wie die erschwerte Kreditvergabe den Betrieben weiterhin zu schaffen machen.

Die wirtschaftliche Lage bleibt für viele Soloselbstständige und Kleinstunternehmen angespannt. Hohe Kosten, eine schwache Konjunktur und schwierige Finanzierungsbedingungen sorgen weiterhin für Unsicherheit. Dennoch gibt es einen kleinen Lichtblick: Die Stimmung unter Selbstständigen hat sich zuletzt leicht aufgehellt. Von einer echten Erholung kann zwar noch keine Rede sein, doch der Blick in die Zukunft fällt weniger düster aus als noch vor wenigen Wochen. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse des Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex.

Viele Selbstständige hoffen auf eine bessere Zukunft

Der Geschäftsklimaindex legte im Juni leicht zu und verbesserte sich von minus 27,7 auf minus 25,9 Punkte. Auch wenn der Wert weiterhin deutlich im negativen Bereich liegt, deutet die Entwicklung darauf hin, dass viele Selbstständige ihre Perspektiven inzwischen etwas positiver einschätzen.

Ein Graph, welcher den Geschäftsklimaindex zeigt. Dieser legte im Juni leicht zu, © ifo Institut
Der Geschäftsklimaindex legte im Juni leicht zu (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © ifo Institut

Interessant dabei: Die positive Stimmung beruht nicht auf einer verbesserten aktuellen Geschäftslage. Ganz im Gegenteil. Viele Soloselbstständige und Inhaber:innen kleiner Betriebe bewerten ihre momentane Situation sogar schlechter als noch im Mai. Der leichte Aufwärtstrend speist sich vielmehr aus den Erwartungen für die kommenden Monate. Offenbar wächst die Hoffnung, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nach und nach stabilisieren könnten.

Die Entwicklung fällt dennoch je nach Berufsgruppe unterschiedlich aus. Während selbstständige Dienstleister:innen ihre aktuelle Lage etwas besser einschätzten, blickten sie vorsichtiger auf die kommenden Monate. Im Einzelhandel verbesserten sich die Erwartungen zwar leicht, gleichzeitig verschlechterte sich jedoch die Bewertung der aktuellen Geschäfte und erreichte einen Tiefstand.

Finanzierung wird für viele Selbstständige zum Problem

Neben der allgemeinen Wirtschaftslage bereitet vor allem die Finanzierung immer größere Schwierigkeiten. Für viele Selbstständige wird es zunehmend kompliziert, Kredite oder andere Finanzierungsangebote von Banken zu erhalten. Im zweiten Quartal berichteten bereits 44,8 Prozent der Selbstständigen von Problemen bei Kreditverhandlungen. Im vorherigen Quartal lag dieser Anteil noch bei 34,6 Prozent. Damit hat sich die Situation innerhalb weniger Monate deutlich verschlechtert.


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© Elizeu Dias – Unsplash


Auch in der Gesamtwirtschaft nahm der Anteil der Unternehmen mit Schwierigkeiten bei der Kreditvergabe zu. Dort stieg der Wert von 31,7 Prozent auf 40,1 Prozent. Die Entwicklung zeigt, dass Banken ihre Kreditvergabe insgesamt restriktiver handhaben, kleine Unternehmen trifft dies jedoch besonders stark. Zudem scheint nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Soloselbstständigen überhaupt das Gespräch mit Banken zu suchen. Lediglich 9,3 Prozent der befragten Betriebe führten im zweiten Quartal Kreditgespräche.

Besonders deutlich werden die Probleme im Einzelhandel. Dort verschlechterte sich der Zugang zu Krediten erheblich. Der Anteil der Selbstständigen, die Schwierigkeiten bei der Finanzierung meldeten, stieg von 41,0 Prozent auf 59,1 Prozent. Damit hatte zuletzt deutlich mehr als jede:r zweite selbstständige Einzelhändler:in Probleme bei Kreditverhandlungen.

Kleine Schritte statt großer Aufschwung

Die aktuellen Zahlen vermitteln insgesamt ein differenziertes Bild. Zwar bleibt die wirtschaftliche Situation für Soloselbstständige und Kleinstunternehmen schwierig, dennoch scheint sich die Stimmung langsam zu stabilisieren. Vor allem die Erwartungen für die kommenden Monate fallen etwas weniger negativ aus als noch im Frühjahr.

Von einer nachhaltigen Trendwende kann allerdings noch nicht gesprochen werden. Die aktuelle Geschäftslage bleibt vielerorts angespannt, zahlreiche Branchen kämpfen weiterhin mit einer schwachen Nachfrage und der Zugang zu Finanzierungen gestaltet sich zunehmend schwieriger. Der Weg zurück zu einer spürbaren wirtschaftlichen Erholung dürfte also noch einige Zeit in Anspruch nehmen.


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