Human Resources
Trotz Studium arbeitslos? Diese Branchen bieten Absolvent:innen noch Chancen

Trotz Studium arbeitslos? Diese Branchen bieten Absolvent:innen noch Chancen

Selina Beck | 21.07.26

Trotz gutem Studienabschluss keine erfolgreiche Bewerbung und nur Absagen: Das sind leider keine Einzelfälle mehr. In einigen Branchen werden jedoch weiterhin Absolvent:innen gesucht.

Trotz Fachkräftemangel in vielen Branchen gibt es viele Absolvent:innen, die keinen Job finden. Laut aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl arbeitsloser Akademiker:innen innerhalb eines Jahres um 16 Prozent gestiegen. Im vergangenen Jahr lag die Arbeitslosenquote unter Hochschulabsolvent:innen bei 3,3 Prozent, die allgemeine Arbeitslosenquote bei 6,3 Prozent.

Warum der Berufseinstieg für viele – auch für Hochschulabsolvent:innen – schwieriger geworden ist, zeigt ein Blick auf die aktuellen Entwicklungen am Arbeitsmarkt.


Mehr Zurückhaltung bei Jobs:
Neueinstellungen auf dem Arbeitsmarkt gehen zurück

© Wocintechchat.com – Unsplash


Arbeitslosigkeit unter Akademiker:innen steigt seit 2023

Im vergangenen Jahr erreichte die Zahl arbeitsloser Akademiker:innen mit 335.000 einen Höchststand. In diesem Jahr kamen laut Bundesagentur für Arbeit bereits 46.000 weitere Arbeitslose hinzu. Damit stieg die Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolvent:innen mit 16 Prozent deutlich stärker als die allgemeine Arbeitslosigkeit, die im gleichen Zeitraum um sechs Prozent zunahm.

Liniendiagramm der Bundesagentur für Arbeit zur Entwicklung der Arbeitslosigkeit von Akademiker:innen in Deutschland über mehrere Jahre hinweg. Die Kurve zeigt einen deutlichen Anstieg der Zahl arbeitslos gemeldeter Hochschulabsolvent:innen.
Entwicklung der Zahl arbeitsloser Akademiker:innen in Deutschland, © Bundesagentur für Arbeit

Zu den Ursachen zählen unter anderem die schwache wirtschaftliche Lage und die daraus resultierende Zurückhaltung vieler Unternehmen bei Neueinstellungen. Vor allem Berufseinsteiger:innen ohne praktische Erfahrung haben es derzeit schwer. Viele Unternehmen reduzieren Traineeprogramme oder verhängen Einstellungsstopps und suchen stattdessen gezielt Bewerber:innen mit Berufserfahrung. Für Absolvent:innen, die direkt von der Hochschule kommen, erschwert das den Einstieg zusätzlich. Hinzu kommt, dass KI-Dienste zunehmend Routineaufgaben übernehmen und sich dadurch die Anforderungen in vielen Berufen verändern.

Arbeitslosigkeit bei Absolvent:innen generell unterdurchschnittlich

Dennoch betont die Bundesagentur für Arbeit, dass Akademiker:innen im Vergleich zu anderen Qualifikationsgruppen weiterhin relativ selten arbeitslos sind. Wie die Grafik zeigt, unterscheidet sich das Risiko jedoch deutlich nach Studienrichtung.

Horizontales Balkendiagramm der Bundesagentur für Arbeit zu den studienfachbezogenen Arbeitslosenquoten 2025. Die höchsten Quoten entfallen auf Marketing und Werbung mit 5,2 Prozent, Geisteswissenschaften mit 4,7 Prozent sowie Geschichte und Archäologie mit 4,4 Prozent. Die niedrigsten Werte weisen Lehrkräfte mit 1,7 Prozent sowie Human- und Zahnmedizin mit 1,8 Prozent auf. Der Durchschnitt aller Akademiker:innen liegt bei 3,3 Prozent.
Studienfachbezogene Arbeitslosenquoten ausgewählter Fachrichtungen im Jahr 2025, © Bundesagentur für Arbeit

Die höchste studienfachbezogene Arbeitslosenquote verzeichneten 2025 Marketing und Werbung mit 5,2 Prozent, gefolgt von den Geisteswissenschaften mit 4,7 Prozent sowie Geschichte und Archäologie mit 4,4 Prozent. Besonders niedrig waren die Quoten bei Lehrkräften mit 1,7 Prozent sowie in der Human- und Zahnmedizin mit 1,8 Prozent. Über alle akademischen Fachrichtungen hinweg lag sie bei 3,3 Prozent.

Wo Hochschulabsolvent:innen derzeit gute Chancen haben

Wer beim Berufseinstieg flexibel bleibt, verbessert die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Dazu gehört auch, einen Quereinstieg in Betracht zu ziehen, wenn der Einstieg in den Wunschberuf zunächst nicht gelingt. Gerade Hochschulabsolvent:innen bringen häufig Kompetenzen mit, die sich auf andere Branchen und Tätigkeiten übertragen lassen.

Auch die Karriereplattform kununu rät Absolvent:innen, bei der Jobsuche offen für andere Branchen und Tätigkeitsfelder zu bleiben. Besonders gute Perspektiven sieht die Plattform derzeit im Gesundheits- und Sozialwesen, bei erneuerbaren Energien, im öffentlichen Dienst sowie in Teilen der IT, etwa in den Bereichen CyberseJa bittecurity und KI-Implementierung. Wie hoch die Medianentgelte in diesen Berufsfeldern ausfallen, zeigen die Daten des Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit.

  • IT und Künstliche Intelligenz: Im IT-Sektor besteht weiterhin hoher Bedarf an Fachkräften. Unternehmen suchen häufig auch Akademiker:innen mit kommunikativen Fähigkeiten, die sich technisches Knowhow über Weiterbildungen aneignen. Das Medianentgelt für IT-Berater:innen liegt bei 5.712 Euro. Auch Kompetenzen im Bereich Künstliche Intelligenz werden zunehmend nachgefragt. Da viele KI-Anwendungen noch vergleichsweise neu sind, können entsprechende Weiterbildungen die Karrierechancen verbessern.
  • Gesundheits- und Sozialwesen: Auch hier werden weiterhin Fachkräfte gesucht. Quereinstiege sind keine Seltenheit. Sozialarbeiter:innen und Sozialpädagog:innen verdienen im Median 4.705 Euro.
  • Erneuerbare Energien: Mit der Energiewende wächst der Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Klimaschutz-Manager verdienen ein Medianentgelt von 5.348 Euro.
  • Öffentlicher Dienst: Der öffentliche Dienst bietet vergleichsweise stabile Beschäftigungsmöglichkeiten und öffnet sich in vielen Bereichen zunehmend für Quereinsteiger:innen. EDV-Sachbearbeiter:innen verdienen im Median 3.820 Euro.

Wo der Arbeitsmarkt für Absolvent:innen besonders angespannt ist

Nach Einschätzung der Karriereplattform kununu zeigen sich Unternehmen in einigen Branchen derzeit zurückhaltender bei Neueinstellungen. Das gilt insbesondere für die Automobilindustrie sowie Medien und Werbung. Gründe sind unter anderem die angespannte wirtschaftliche Lage, Sparprogramme und ein geringerer Personalbedarf, wodurch sich der Berufseinstieg für Absolvent:innen derzeit schwieriger gestalten kann.

Wie die obere Tabelle zeigt, sind davon vor allem Studienrichtungen betroffen, in denen viele Absolvent:innen auf vergleichsweise wenige Einstiegsstellen treffen – darunter Wirtschafts-, Medien- und Geisteswissenschaften.

Dass hinter diesen Entwicklungen konkrete Schicksale stehen, zeigt auch eine Reportage des Bayerischen Rundfunks. In Kontrovers – Die Story begleitet der BR zwei hochqualifizierte Menschen, die trotz Studium und zahlreicher Bewerbungen keinen Job finden.

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