Digitalpolitik
Bei Verstoß gegen Social-Media-Verbot: Australien verdoppelt Strafen für Meta und Co.

Bei Verstoß gegen Social-Media-Verbot: Australien verdoppelt Strafen für Meta und Co.

Niklas Lewanczik | 29.06.26

Während in Deutschland die Idee vom Social-Media-Verbot für Kinder bis 13 Jahre Fahrt aufnimmt, erhöht Vorbild Australien die Strafen für Tech-Konzerne, die nicht genug tun, um Jugendliche von den Plattformen fernzuhalten.

Australia is leading the world in our efforts to keep kids and young people safe online,

erklärte Australiens Premierminister Anthony Albanese im Rahmen der Vorstellung neuer Vorgaben für das bahnbrechende Social-Media-Verbot im Land. Dieses gilt seit Ende 2025 für Personen bis 16 Jahre – und ist damit ein Vorbild für viele andere Länder. Teil des Gesetzes ist, dass Plattformen wie Instagram, TikTok oder Snapchat für die Alterskontrolle verantwortlich sind. Können sie nicht nachweisen, dass sie technische Maßnahmen ergriffen haben, die ausreichen, um die jungen User von offiziell von der Plattform fernzuhalten, müssen sie eine Strafe zahlen. Das Strafmaß wird nun in Australien drastisch erhöht, denn laut Albanese tun die Social-Media-Konzerne noch zu wenig, um den Vorgaben Folge zu leisten. Mit dem Effekt, dass seiner Aussage nach noch zu viele Kinder in den sozialen Medien unterwegs seien.

Höhere Strafen gegen die Tech-Konzerne könnten zu effektiveren Restriktionen führen, wie sie derzeit auch in Europa vermehrt integriert werden. Deutschland diskutiert aktuell ein Verbot für Kinder bis 13 Jahre, doch die Einschätzungen gehen auseinander.


Präzedenzfall:
Australien beschließt Social-Media-Verbot für Kinder

Australien Flagge
© Dominic Kurniawan Suryaputra – Unsplash


99 Millionen AUD Strafe: Australien macht Ernst bei der Umsetzung des Social-Media-Verbots

Schon mehr als fünf Millionen Accounts von Usern unter 16 Jahren wurden in Australien von Social-Media-Plattformen entfernt oder eingeschränkt, berichtet die Regierung. Dennoch sollen die Maßnahmen verschärft werden, um die User ohne Zugriffsberechtigung tatsächlich von den Plattformen wie TikTok oder Instagram fernzuhalten. Und dafür sind die Betreiber:innen verantwortlich. Damit diese nicht in Versuchung geraten, eher eine Strafe zu zahlen, als tatsächlich rigorose Prüfmechanismen für das Alter einzuführen und Rechenschaft bei der Regierung abzulegen, verdoppelt Australien die Strafen für die Nichteinhaltung der Vorgaben. Von 49,5 Millionen australischen Dollar steigt das Strafmaß auf 99 Millionen australische Dollar (etwa 60 Millionen Euro). Außerdem soll der Commissioner der eSafety mehr Befugnisse erhalten und Details von den Konzernen bezüglich ihrer Schutzmechanismen einfordern können. Albany meint:

These changes reflect the seriousness with which we take any failure by social media companies to comply with our world-leading law.

Auch die Kommunikationsministerin Annika Wells betonte, dass die Plattformbetreiber:innen, als einige der reichsten Konzerne der Welt, mehr in die Verantwortung gezogen werden müssen. Sie geht davon aus, die Konzerne täten nicht alles, um Jugendliche bis 16 Jahre von den Plattformen fernzuhalten und verließen sich sogar auf Tricks, um möglichst wenig tun zu müssen. Daher schloss Wells, die auf Instagram noch einen Beitrag zu den neuen Regeln teilte, mit den Worten:

These tough new penalties and powers show we will not back down. Instead, we are doubling down on our efforts to hold big tech to account.

Das eSafety Team Australiens untersucht nach Regierungsangaben derzeit aktiv etwaige Zuwiderhandlungen bei der Einhaltung der Regeln auf den Plattformen Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok und YouTube.

Umstrittene Social-Media-Verbote für Kinder und Jugendliche auch in anderen Ländern

Dass die Tech-Konzerne jetzt in der Verantwortung dafür stehen, junge Menschen aktiv zu schützen, fordert auch das Vereinigte Königreich ein. Dort wird ein Verbot für Jugendliche bis 16 Jahre eingeführt, das besonders strikt ist. Das UK hat sich, wie viele andere Länder, darunter Griechenland und Spanien, ein Vorbild an Australien genommen.

Australia’s landmark social media reform to protect young people online has started a global movement with countries across the world following Australia’s lead,

heißt es auf der Website der australischen Regierung. Es gibt durchaus eine Bewegung, die Social-Media-Verbote für junge User aufgrund der Gefahren und Beeinflussungen auf diesen Plattformen in immer mehr Regionen vorsieht. Der just zurückgetretene britische Premierminister Keir Starmer sagte, die Social-Media-Konzerne hätten in der Vergangenheit nicht genug getan, um junge User zu schützen:

This is a line in the sand. Tech giants had their chance and failed, but we’re stepping in to protect children, back parents and set a new normal for future generations.

Konzerne und Unternehmen wie Snapchat, Meta und YouTube warnen in Bezug auf entsprechende Verbote vor der Folge, dass Kinder und Jugendliche durch den Bann vermehrt in unsicheren Digitalräumen unterwegs sein könnten. Gegenüber der BBC erklärte YouTube per Statement:

Blanket bans push kids out of such curated, supervised, beneficial experiences [gemeint ist YouTube, Anmerkung der Redaktion] and towards anonymous, less safe services.

Auch Meta sieht ein Risiko dieser Art. Tatsächlich sekundieren einige Betroffene aus Australien diese Bedenken. Gegenüber The Guardian gaben manche Eltern an, dass die Kontrolle der rezipierten Inhalte teilweise noch schwieriger geworden sei. Gleichzeitig sei es für techaffine junge Menschen auch möglich, die Restriktionen zu umgehen – aber für diese Missachtung des Verbots haften nicht die User, sondern Plattformen. Einige Betroffene zeigen sich indes überzeugt vom Verbot und hoffen gerade auf langfristig positive Effekte für die jungen Menschen, während andere monieren, dass ihre Kinder durch das Verbot weniger mit einigen Freund:innen interagieren oder sich ausgeschlossen fühlen.

Obschon es vonseiten einiger Eltern und Tech-Unternehmen den Einwand gibt, dass vollumfängliche Verbote weniger befürwortet werden als dedizierte Kontrollen – Snapchat zählt zu diesen Unternehmen und hat kürzlich neue Regeln für User unter 16 Jahren eingeführt –, sind die Regierungen des UK und Australiens kompromisslos.

Deutschland denkt an Verbot bis 13: Umsetzung in der Schwebe

In Deutschland zeigte eine repräsentative Umfrage von YouGov aus dem November 2024, dass 57 Prozent der Befragten im Land ein Mindestalter von 16 Jahren für soziale Medien befürworten. 16 Prozent sprachen sich sogar für ein Mindestalter von 18 Jahren aus. Seither haben sich verschiedene Personen des öffentlichen Lebens und Organisationen zu einem möglichen Verbot geäußert. Der Deutsche Ethikrat hat auf Anfrage der Bundestagspräsidentin Julia Klöckner allerdings ein Verbot abgelehnt. Ein solches würde nicht alle Probleme lösen und könne noch neue verursachen. Stattdessen empfiehlt der Rat ein „differenziertes Schutzkonzept“ samt Aktualisierung des Jugendschutzrechts. Problematisch ist in diesem Kontext zum Beispiel, dass es noch keine gesonderten Ausführungen im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag der Länder zur Nutzung von KI gibt. Während die Eltern weiterhin die Erziehungshoheit behalten sollten, auch im Digitalraum, fordert der Rat mehr Schutzmechanismen und die Einziehung der Kinder und Jugendlichen als Betroffene.

Die Bundesfamilienministerin Karin Prien von der CDU hat hingegen jüngst ein Verbot bis 13 Jahre vorgeschlagen. Die unabhängige Expert:innenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“, eingesetzt von Karin Prien, hat kürzlich 56 Handlungsempfehlungen vorgelegt, die sich mit dem Kinder- und Jugendschutz im digitalen Zeitalter befassen. Darin wird aber eher auf eine EU-weite Lösung zur Altersbeschränkung hingewiesen, während ein grundsätzliches Verbot in Deutschland nur als Notlösung gilt. Eine gesetzliche Mindestaltersgrenze von 13 Jahren soll aber im Fokus stehen.

Der Balanceakt zwischen geschützter Teilhabe der jungen Menschen – die ja viele andere neben Entertainment auch News und Trends, Bildung und Aufklärung via Soical Media erfahren können – und strengen Restriktionen wird in Deutschland und in der EU weiterhin ein heiß diskutiertes Thema bleiben; umso mehr, da der Digitalraum mit seinen sozialen Plattformen ein Kernelement zeitgemäßer Kommunikation ist. Eine Timeline für eine Lösung in Deutschland gibt es noch nicht. Klar ist aber, dass auch hier die Konzerne mehr in die Verantwortung gezogen werden sollen.


Die krasse Konsequenz:

Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige im UK

Person vor Laptop mit Text zum Social-Media-Verbot und Person am Smartphone auf dem Screen
© UK Government via Canva


Stelle OnlineMarketing.de als bevorzugte Quelle auf Google ein

Wenn du OnlineMarketing.de auf Google als bevorzugte Quelle einstellen möchtest, um auch in den Schlagzeilen auf Google immer aktuelle News und Tipps aus der Welt des Marketing und der Tech-Entwicklungen zu finden, kannst du einfach die Google-Quelleneinstellungen aufrufen und die Seite anwählen. Über das Stern-Icon neben den Top Stories kannst du ebenfalls bevorzugte Quellen für die spätere Suche speichern.

Kommentare aus der Community

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*
*