Human Resources
Der Trend im Home Office, über den niemand spricht

Der Trend im Home Office, über den niemand spricht

Selina Beck | 11.06.26

Das Phänomen Soft Off Days (private To-dos in der Arbeitszeit erledigen) ist in der Arbeitswelt weit verbreitet. Expert:innen sehen darin Vorteile. Doch Angestellte sollten vorsichtig sein.

Es gibt viele Gründe, warum Beschäftigte im Home Office etwa Wäsche waschen, Einkäufe erledigen oder Online-Einkäufe tätigen – die Gründe können in fehlender Motivation, Unterbezahlung oder chronischem Stress liegen. Laut Fast Company hat sich das Phänomen Soft Off Days seit der Coronapandemie und der Verbreitung von Home Office deutlich in der Arbeitswelt verbreitet – zumindest in den USA.

Viele Beschäftigte berichten, dass sie nicht die Vorteile ortsunabhängiger Arbeit ausnutzen wollen, sondern die Nachteile in ihrem Job – wie Stress und Unterbezahlung – dadurch ausgleichen wollen. Die Idee: Beschäftigte nehmen sich einen Tag Auszeit, an dem sie einen Arbeitstag für private Erledigungen nutzen. Ist das noch im Rahmen? Wirklich erlaubt ist es nicht.

Flug während der Arbeitszeit

Der Trend findet auch in den sozialen Medien statt, bei denen Influencer Angestellten Tipps geben, wie sie den Tag nutzen können, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

@iya.jean I promise my work always gets done ✅ #corporatelife #corporate #PTO ♬ original sound – Iya Jean

Viele Arbeitnehmer:innen sehen Soft Off Days mittlerweile als entscheidend für ihre Work-Life-Balance an. Mittlerweile gebe es sogar Flugreisen während der Arbeitszeit. So berichtet eine Beschäftigte Fast Company gegenüber:

One weekend, I flew to a European country on Wednesday night without telling anyone, took a couple of calls Thursday and Friday, and just kept my Slack live. No one knew I was in a different time zone.

Stresslevel auf Rekordhoch

Die Frage ist, inwieweit das US-Phänomen bereits in Deutschland angekommen ist. Es scheint, dass sich der Trend auch hier ausbreitet. t3n schreibt, dass die Gründe für Soft Off Days in zu viel Stress liegen könnten, denn laut dem Techniker-Stressreport 2025 fühlen sich 66 Prozent der Befragten in Deutschland häufig oder manchmal gestresst. Zudem ist das Stressempfinden in den vergangenen Jahren durchgängig gestiegen – ein Alarmsignal.

Auch bei Eltern sind deutliche Stresssymptome erkennbar: Eine aktuelle repräsentative Studie der R+V Versicherung deckt auf, dass sich vier von fünf Familien in Deutschland im Alltag mental belastet fühlen. 27 Prozent der befragten Eltern gaben an, sich sehr stark mental belastet zu fühlen. Generell berichten 80 Prozent von einer spürbaren psychischen Belastung im Alltag.


Arbeitgeber:innen können die Belastung von Eltern nicht länger ignorieren

Mutter Kind Laptop
© Helena Lopes – Unsplash


Bewertung der Expertin: Private Aufgaben als Ausgleich

Angela Williams, LCSW , Psychotherapeutin und Führungskräftecoach, sieht generell Vorteile darin, kleinere private To-dos während der Arbeitszeit zu absolvieren:

[U]sing work-from-home days to rotate loads of laundry, pay bills, clean the house, or engage in a hobby can be quite supportive in balancing the cognitive load that it takes to feel more balanced.

Für Angela Williams liegt das Problem nicht in der moralischen Frage, ob private To-dos in der Arbeitszeit „okay“ seien, sondern darin, dass die Produktivitätserwartungen nicht mit der Lebensrealität übereinstimmen würden. Soft Off Days seien so auch der Versuch, ohne Burn-out noch arbeits- und funktionsfähig zu bleiben. Viele Nutzer:innen sehen das ähnlich, so schreibt ein User bei Instagram:

Wer produktiv arbeiten will, arbeitet auch im Home Office produktiv. Wer nicht arbeiten will, findet auch im Büro Wege die Zeit totzuschlagen, ohne wirklich produktiv zu sein. Am Ende müssen die Mitarbeiter sich an ihren Leistungen messen lassen, egal wo sie erbracht werden, Büro oder Home Office.

Rechtliche Einordnung: Freizeitbeschäftigung während der Arbeit ist Arbeitszeitbetrug

Die Erledigung kleinerer Aufgaben im Rahmen von Home-Office-Tagen kann in der Regel durchaus legitim sein, solange weder Arbeitsleistung und Arbeitszeit leiden oder vernachlässigt werden. Dabei gilt es, mit Teams, Vorgesetzten und der Geschäftsführung ein Verständnis über die Rahmengebung des Erlaubten aufzubauen. Dennoch sollten sich Angestellte darüber im Klaren sein, dass diese Aktivitäten streng genommen Arbeitszeitbetrug darstellen und im Härtefall Abmahnungen und Kündigungen nach sich ziehen können – gerade, wenn Reisen oder klar als Freizeitaktivitäten fernab des Arbeitszentrums ins Spiel kommen.

Der Arbeitszeitbetrug muss vonseiten des Unternehmens jedoch nachgewiesen werden, weshalb viele Firmen vermehrt intelligente Systeme zur Erfassung von Produktivität und Arbeitszeit einsetzen, da der Faktor der nicht festgehaltenen Pausen den HR Teams bewusst ist. Zudem gibt es die Verdachtskündigung. Hierbei kündigen Arbeitgeber:innen zunächst auf Verdacht, weil sie das Vergehen des Arbeitszeitbetrugs (noch) nicht eindeutig nachweisen können. Da hierbei ein schwerwiegender Vertrauensverlust vonseiten der Firmen besteht, kann die Kündigung auch vor Gericht Bestand haben.


Arbeitszeit oder Alltagszeit:

Diese Länder betrügen im Home Office am meisten

Eine Frau sitzt am Laptop und telefoniert
© Antoni Shkraba – Pexels


Wie siehst du das Phänomen Soft Off Days? Lass uns gerne deine Meinung in den Kommentaren wissen!


Stelle OnlineMarketing.de als bevorzugte Quelle auf Google ein

Wenn du OnlineMarketing.de auf Google als bevorzugte Quelle einstellen möchtest, um auch in den Schlagzeilen auf Google immer aktuelle News und Tipps aus der Welt des Marketing und der Tech-Entwicklungen zu finden, kannst du einfach die Google-Quelleneinstellungen aufrufen und die Seite anwählen. Über das Stern-Icon neben den Top Stories kannst du ebenfalls bevorzugte Quellen für die spätere Suche speichern.

Kommentare aus der Community

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*
*

Melde dich jetzt zu unserem HR-Update an und erhalte regelmäßig spannende Artikel, Interviews und Hintergrundberichte aus dem Bereich Human Resources.