Human Resources
Der FOBO-Trend 2026: Wie KI die Angst vor beruflicher Überflüssigkeit verstärkt

Der FOBO-Trend 2026: Wie KI die Angst vor beruflicher Überflüssigkeit verstärkt

Marié Detlefsen | 03.06.26

Die Angst, durch Künstliche Intelligenz beruflich an Bedeutung zu verlieren, wird auf dem Arbeitsmarkt immer präsenter und hat mittlerweile seine ganz eigene Bezeichnung: FOBO. Was das genau bedeutet und wie DOBO helfen kann.

FOMO kennen die meisten: die „Fear of Missing Out“, also die Angst, etwas zu verpassen. Doch mit dem Siegeszug künstlicher Intelligenz macht sich in der Arbeitswelt zunehmend ein anderes Gefühl breit: FOBO – die „Fear of Becoming Obsolete“. Dahinter steckt die Sorge, dass die eigenen Fähigkeiten durch KI an Bedeutung verlieren oder sogar überflüssig werden könnten.

Dabei ist FOBO nicht nur ein individuelles Gefühl, sondern Ausdruck eines tiefgreifenden Wandels, welcher mit der neuen Technologie einhergeht. Eine Erhebung von Hays zeigt, welche KI-Trends die Arbeitswelt 2026 prägen werden und wie diese mit FOBO zusammenhängen.

Warum FOBO jetzt zum Massenphänomen wird

Der Stellenmarkt spitzt sich immer weiter zu, und so gut KI in einigen Arbeitsbereichen unterstützen kann, so hindert sie in manchen Berufsfeldern, denn vor allem Einstiegsaufgaben werden zunehmend automatisiert. Recherchen, Datenpflege oder standardisierte Inhalte können heute bereits von KI-Systemen übernommen werden. Dadurch steigen die Anforderungen an Arbeitnehmer:innen, während sich viele Menschen fragen, ob ihre bisherigen Kompetenzen künftig noch ausreichen.

Laut der Studie sind 64 Prozent der schon 2025 Befragten (975 Teilnehmer:innen) überzeugt, dass KI die Qualifikationsanforderungen erhöhen wird. Gleichzeitig fühlt sich nur etwa die Hälfte der Tech-Spezialist:innen ausreichend auf die kommenden Veränderungen vorbereitet. FOBO entwickelt sich dadurch von einer persönlichen Unsicherheit zu einer echten Herausforderung für Unternehmen. Wer das Gefühl hat, den Anschluss zu verlieren, begegnet Veränderungen häufig mit Skepsis statt mit Offenheit. Das kann sich langfristig auf Innovationskraft, Motivation und Unternehmenskultur auswirken.

Einschätzung der Effekte durch KI auf die Qualifikationsanforderungen (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Hays
Einschätzung der Effekte durch KI auf die Qualifikationsanforderungen (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Hays

Für Unternehmen lautet die wichtigste Aufgabe deshalb, Beschäftigte aktiv auf die Veränderungen vorzubereiten. Weiterbildung und Upskilling sind längst kein Zusatzangebot mehr, sondern ein zentraler Bestandteil der Wettbewerbsfähigkeit.

Ebenso wichtig ist eine offene Kommunikation darüber, wie sich Jobs verändern und welche Kompetenzen künftig gefragt sein werden. Wer versteht, welche Rolle er oder sie in einer KI-geprägten Arbeitswelt spielen kann, wird Veränderungen eher als Chance denn als Bedrohung wahrnehmen.

Mit DOBO gegen FOMO?

Doch parallel zu FOBO entsteht ein Gegentrend, den man als DOBO beschreiben könnte: die „Desire of Becoming Outstanding“ – im Arbeitskontext also der Wunsch, durch den intelligenten Einsatz von KI beruflich erfolgreicher zu werden. Unternehmen suchen zunehmend nach Fachkräften, die zwischen Technologie und Geschäftsalltag vermitteln können. Gefragt sind Menschen, die KI-Ergebnisse einordnen, neue Prozesse gestalten und die Qualität automatisierter Abläufe überwachen. Die Studie zeigt, dass genau diese KI-nahen Rollen derzeit zu den am stärksten wachsenden Talentgruppen gehören. Passend dazu erwarten viele große Unternehmen inzwischen von Mitarbeiter:innen, sich gut mit KI auszukennen, wenn sie Karriere machen möchten, etwa Accenture.

Bemerkenswert ist dabei, dass klassische Stellenprofile immer weniger greifen. Statt konkreter Berufsbezeichnungen zählen Fähigkeiten wie Lernbereitschaft, analytisches Denken und die Fähigkeit, sich schnell auf neue Technologien einzustellen. Der Wettbewerbsvorteil entsteht künftig nicht allein durch KI, sondern durch Mitarbeitende, die ihr Potenzial sinnvoll nutzen können.

Weiterbildung wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor

Die Arbeitswelt 2026 wird weniger von der Frage geprägt sein, ob KI eingesetzt wird, sondern davon, wie Menschen mit ihr zusammenarbeiten. Die Angst vor dem Abgehängtwerden ist längst in vielen Unternehmen angekommen. Umso wichtiger wird es, Beschäftigte bei der Transformation mitzunehmen. Denn die Zukunft gehört nicht denjenigen, die KI einsetzen, sondern denjenigen, die lernen, mit ihr zu wachsen.


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